Inadmissible constitutional complaint; Rechtsbeschwerde must address extraneous allegations

BVerfG 2 BvR 2330/13Bverfg / 2. Senat 3. Kammer08.01.2014Inadmissible

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The Federal Constitutional Court refused to accept the constitutional complaint and denied the request for reinstatement. It noted that the OLG Munich had taken an untenable view in refusing to consider the complainant's allegation that she had filed a motion for continuation declaratory relief before the enforcement chamber. Effective protection against alleged hearing violations in the Rechtsbeschwerde procedure under § 116 StVollzG may require findings on allegations not reproduced in the challenged decision. Nevertheless, the constitutional complaint was inadmissible because the filing period had expired and no grounds for reinstatement were put forward.

Omnilex-Regeste

Art. 103 Abs. 1 GG; § 116 StVollzG; constitutional complaint review of a refusal to entertain allegations of hearing violations in prison enforcement proceedings: In Rechtsbeschwerde proceedings, the appellate court may not decline consideration merely because the asserted facts do not appear in the challenged order; effective legal protection against an alleged denial of the right to be heard requires examination of the complainant's extraneous submissions where they are relevant to the asserted procedural defect (consid. 1). A constitutional complaint filed after expiry of the time limit under § 93 Abs. 1 S. 1 BVerfGG is inadmissible; absent substantiated grounds for reinstatement, an application for relief from the missed deadline must be rejected (consid. 2).

Gesamter Gesetzestext

BVerfG — 2 BvR 2330/13, Nichtannahmebeschluss

Entscheidungsdatum: 2014-01-08

Aktenzeichen: 2 BvR 2330/13

ECLI: ECLI:DE:BVerfG:2014:rk20140108.2bvr233013

Dokumenttyp: Nichtannahmebeschluss

Normen: Art 103 Abs 1 GG, § 93 Abs 1 S 1 BVerfGG, §§ 108ff StVollzG, § 108 StVollzG, § 116 StVollzG

Vorinstanz: vorgehend OLG München, 6. September 2013, Az: 4 AR 96/12, Beschlussvorgehend OLG München, 22. Oktober 2012, Az: 4 Ws 095/12 (R), Beschlussvorgehend LG Augsburg, 22. Oktober 2010, Az: 2 NöStVK 171/10, Beschluss

Spruchkörper: 2. Senat 3. Kammer

Titelzeile

Nichtannahme einer mangels Fristwahrung unzulässigen Verfassungsbeschwerde: Effektiver Rechtsschutz im Rechtsbeschwerdeverfahren gem § 116 StVollzG gegen Gehörsverstöße der Strafvollstreckungskammer erfordert auch Feststellungen zu "beschlussfremdem" Vorbringen des Rechtsschutzsuchenden

Tenor

Der Antrag auf Wiedereinsetzung in den vorigen Stand wird abgelehnt.

Die Verfassungsbeschwerde wird nicht zur Entscheidung angenommen.

Gründe

1 1. Zwar ist der Beschluss vom 22. Oktober 2012, mit dem das Oberlandesgericht die Rechtsbeschwerde der Beschwerdeführerin verworfen hat, in einer wesentlichen Hinsicht nicht nachvollziehbar. Die Beschwerdeführerin hatte mit der Rechtsbeschwerde gerügt, sie habe vor der Strafvollstreckungskammer einen Fortsetzungsfeststellungsantrag gestellt, den die Kammer zu Unrecht nicht bearbeitet und dessen Existenz sie zu Unrecht verneint habe. Der Sache nach war damit ein Gehörsverstoß der Strafvollstreckungskammer hinsichtlich des - nach dem Vortrag der Beschwerdeführerin gestellten - Fortsetzungsfeststellungsantrags gerügt. Zu dieser Rüge hat das Oberlandesgericht angenommen, soweit der Gefangene - damals noch männlichen Vornamens -, "beschlussfremd" vortrage, er habe einen Fortsetzungsfeststellungsantrag gestellt gehabt, dürfe der Senat als Rechtsbeschwerdegericht diesen Umstand nicht berücksichtigen; bei behaupteten Tatsachen, die sich nicht in den Feststellungen der angefochtenen Entscheidung widerspiegelten, sei es dem Rechtsbeschwerdegericht verwehrt, diese zu berücksichtigen. Diese Rechtsauffassung ist schon deshalb offenkundig unhaltbar, weil sie sich nicht mit der allgemein anerkannten Aufgabe des Rechtsbeschwerdegerichts verträgt, effektiven Rechtsschutz gegen etwaige Gehörsverstoße der Strafvollstreckungskammer zu gewähren (vgl. BVerfG, Beschluss der 3. Kammer des Zweiten Senats vom 24. Juli 2008 - 2 BvR610/08 -, juris, Rn. 5; Arloth, StVollzG, 3. Aufl. 2011, § 116 Rn. 3, m. zahlr. w. N.), was typischerweise Feststellungen zu "beschlussfremdem", nämlich im angegriffenen Beschluss nicht wiedergegebenem Vorbringen des Rechtsschutzsuchenden erfordert.

2 2. Die Verfassungsbeschwerde kann jedoch nicht zur Entscheidung angenommen werden, weil sie unzulässig ist. Die Beschwerdeführerin hat die Verfassungsbeschwerdefrist versäumt, die schon mit dem Zugang des angegriffenen Beschlusses vom 22. Oktober 2012 zu laufen begann. Insoweit hat sie auch Wiedereinsetzungsgründe nicht geltend gemacht, so dass ihr Wiedereinsetzungsantrag abzulehnen ist.

3 3. Von einer weiteren Begründung wird gemäß § 93d Abs. 1 Satz 3 BVerfGG abgesehen

4 Diese Entscheidung ist unanfechtbar.

Schlagwörter

constitutional complainttime limitreinstatementright to be heardprison enforcementrechtsbeschwerdeeffective legal protection

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the requested reinstatement into the previous state should be granted

Extrahierter Entscheid

No reinstatement was granted because no grounds for reinstatement were asserted.

Extrahierte Begründung

The complainant failed to invoke any reasons excusing the missed constitutional complaint deadline.

Kernrechtsfrage

Whether the constitutional complaint was admissible despite the missed filing deadline

Extrahierter Entscheid

The complaint was inadmissible because the constitutional complaint period had expired when the challenged appellate decision was served.

Extrahierte Begründung

The filing deadline began with receipt of the OLG decision of 22 October 2012; the complaint was filed too late.

Kernrechtsfrage

Whether the appellate court could disregard allegations not reproduced in the challenged decision when reviewing a hearing violation under § 116 StVollzG

Extrahierter Entscheid

The appellate court's view was untenable; effective protection in the Rechtsbeschwerde proceedings requires consideration of extraneous allegations when a hearing violation is alleged.

Extrahierte Begründung

Review of alleged violations of the right to be heard may require findings on facts not contained in the challenged order, because the appellate court must provide effective legal protection.

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