projekte
BVerfG 1 BvQ 13/13 ΓÇó No interim injunction for journalist seat or video access
BVerfG 1 BvQ 13/13Bverfg / 1. Senat 3. Kammer01.05.2013Dismissed
A free journalist applied to the Federal Constitutional Court for interim relief after being denied a seat in the NSU trial and access to a video transmission in another room. The Court held that the application had no prospect of success because no obvious violation of equality in journalistic competition was shown. It stressed the presiding judge’s broad discretion in allocating scarce seats and reiterated that press freedom does not create a claim to audiovisual transmission of a criminal hearing into another courtroom.
§ 32 Abs. 1 BVerfGG; interim injunction only if urgently required to avert serious disadvantages or for another important reason, but not where the underlying constitutional complaint is obviously inadmissible or manifestly unfounded. Art. 3 Abs. 1 GG in conjunction with Art. 5 Abs. 1 sentence 2 GG does not confer a claim to a specific seat in a courtroom or to a particular distribution method for scarce seats; the presiding judge enjoys broad discretion, subject only to review for constitutional error, especially a fundamentally misconceived view of the significance of a fundamental right. Art. 5 Abs. 1 sentence 2 GG does not establish a right to live image and sound transmission of a criminal main hearing into another court room (consid. 2-3).
Entscheidungsdatum: 2013-05-01
Aktenzeichen: 1 BvQ 13/13
ECLI: ECLI:DE:BVerfG:2013:qk20130501.1bvq001313
Dokumenttyp: Ablehnung einstweilige Anordnung
Normen: Art 3 Abs 1 GG, Art 5 Abs 1 S 2 GG, § 32 Abs 1 BVerfGG, § 169 S 1 GVG, § 176 GVG
Vorinstanz: vorgehend OLG München, kein Datum verfügbar, Az: 6 St 3/12
Spruchkörper: 1. Senat 3. Kammer
Ablehnung des Erlasses einer einstweiligen Anordnung: Offensichtlich kein Anspruch eines freien Journalisten auf Sitzplatz im "NSU-Verfahren" - Erheblicher Ermessensspielraum des Vorsitzenden bei Sitzplatzverteilung - Art 5 Abs 1 S 2 GG vermittelt keinen Anspruch auf Videoübertragung einer strafprozessualen Hauptverhandlung in anderen Raum
1 Der Antrag auf Erlass einer einstweiligen Anordnung hat keinen Erfolg.
2 Nach § 32 Abs. 1 BVerfGG kann das Bundesverfassungsgericht im Streitfall einen Zustand durch einstweilige Anordnung vorläufig regeln, wenn dies zur Abwehr schwerer Nachteile, zur Verhinderung drohender Gewalt oder aus einem anderen wichtigen Grund zum gemeinen Wohl dringend geboten ist. Dabei haben die Gründe, die für die Verfassungswidrigkeit des angegriffenen Hoheitsaktes vorgetragen werden, grundsätzlich außer Betracht zu bleiben. Der Antrag auf Eilrechtsschutz hat jedoch keinen Erfolg, wenn eine Verfassungsbeschwerde unzulässig oder offensichtlich unbegründet wäre (vgl. BVerfGE 71, 158 <161>; 111, 147 <152 f.>; stRspr).
3 Eine Verletzung des Rechts des Beschwerdeführers auf Gleichbehandlung im publizistischen Wettbewerb gemäß Art. 3 Abs. 1 GG i.V.m. Art. 5 Abs. 1 Satz 2 GG ist nach seinem Vorbringen offensichtlich nicht gegeben. Bei der Verteilung knapper Sitzplätze hat der Vorsitzende des jeweiligen Spruchkörpers einen erheblichen Ermessensspielraum. Das Bundesverfassungsgericht überprüft dessen Anordnungen nur dahingehend, ob sie Verfassungsrecht verletzen und insbesondere, ob sie auf einer grundsätzlich unrichtigen Anschauung von der Bedeutung eines Grundrechts beruhen (vgl. BVerfGE 18, 85 <97 f.>). Es ist dagegen nicht Sache des Bundesverfassungsgerichts, eine Verteilungsentscheidung des Vorsitzenden umfassend und im Einzelnen darauf zu überprüfen, ob die beste Verteilmodalität gewählt worden war (vgl. BVerfG, Beschluss der 1. Kammer des Ersten Senats vom 18. März 2008 - 1 BvR 282/01 -, NJW-RR 2008, S. 1069). Ein Anspruch auf Bild- und Tonübertragung der Verhandlung in einen anderen Saal des Gerichts lässt sich aus Art. 5 Abs. 1 Satz 2 GG nicht herleiten (BVerfGE 87, 331 <333>).