Non-admission of constitutional complaint over public petition treatment

BVerfG 2 BvR 1720/12Bverfg / 2. Senat 1. Kammer21.11.2012Dismissed

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The complainant challenged the Bundestag Petitions Committee's refusal to process his petition as a public petition. The administrative courts held that no constitutional or equal-treatment right to that form of petition treatment existed and that the committee had acted in line with its guidelines. The Federal Constitutional Court did not admit the constitutional complaint because the submission failed to satisfy the substantiation requirements: it did not concretely explain how the challenged decisions conflicted with Art. 3, 5, or 17 GG, nor did it address the lower courts' reasoning in a meaningful way.

Omnilex-Regeste

§§ 23 Abs. 1 S. 2, 92 BVerfGG; Art. 93a Abs. 2 BVerfGG; constitutional complaint admissibility and substantiation: A constitutional complaint must substantiate, in relation to the challenged act and the impugned reasoning, which constitutional requirements are said to be violated and make a possible infringement of fundamental rights plausible. Mere repetition of the grievance or abstract reference to alleged unlawfulness is insufficient. The complainant must engage with the contested decision and show why the constitutional assessment of the lower courts is untenable or unconstitutional (consid. 7-8).

Gesamter Gesetzestext

BVerfG — 2 BvR 1720/12, Nichtannahmebeschluss

Entscheidungsdatum: 2012-11-21

Aktenzeichen: 2 BvR 1720/12

ECLI: ECLI:DE:BVerfG:2012:rk20121121.2bvr172012

Dokumenttyp: Nichtannahmebeschluss

Normen: Art 17 GG, § 23 Abs 1 S 2 BVerfGG, § 92 BVerfGG

Vorinstanz: vorgehend Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg, 20. Juni 2012, Az: OVG 3 N 126.12, Beschlussvorgehend VG Berlin, 3. Mai 2012, Az: 2 K 179.11, Urteil

Spruchkörper: 2. Senat 1. Kammer

Titelzeile

Nichtannahmebeschluss: Ablehnung der Behandlung einer Petition als "öffentliche Petition" - unzureichende Substantiierung mangels nachvollziehbarer Darlegung einer Grundrechtsverletzung

Gründe

A.

1 Der Beschwerdeführer begehrt die Behandlung einer beim Deutschen Bundestag eingereichten Petition als "öffentliche Petition" entsprechend Nummer 2.2 Abs. 4 der auf Grundlage von § 110 Abs. 1 der Geschäftsordnung des Deutschen Bundestages vom Petitionsausschuss beschlossenen "Grundsätze des Petitionsausschusses über die Behandlung von Bitten und Beschwerden (Verfahrensgrundsätze)" (vgl. BTDrucks 17/6250, S. 104 ff. sowie BVerfG, Beschluss der 1. Kammer des Zweiten Senats vom 27. September 2011 - 2 BvR 1558/11 -, NVwZ-RR 2012, S. 1).

I.

2 Nachdem der Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages die Behandlung seiner Petition als "öffentliche Petition" mit der Begründung abgelehnt hatte, es lägen zu zwei nahezu sachgleichen Petitionen bereits Stellungnahmen der zuständigen Bundesministerien vor, erhob der Beschwerdeführer Klage zum Verwaltungsgericht.

3 Dieses wies die Klage mit der Begründung ab, aus Art. 17 GG folge kein Anspruch auf die Durchführung des Petitionsverfahrens in einer bestimmten Art und Weise. Art. 5 GG verleihe keinen Anspruch auf Gewährung von öffentlichen Mitteln und Foren für eine Meinungskundgabe. Auch Art. 3 Abs. 1 GG vermittele keinen Anspruch auf Behandlung der Petition als "öffentliche Petition", weil die Nichtveröffentlichung der Petition nicht aus sachwidrigen Erwägungen, sondern im Einklang mit der "Richtlinie für die Behandlung von öffentlichen Petitionen (öP)" (vgl. BTDrucks 17/6250, S. 111 f.) abgelehnt worden sei. Nach Nummer 4 Buchstabe b) der Richtlinie könne von einer Veröffentlichung abgesehen werden, wenn sich bereits eine sachgleiche Petition in der parlamentarischen Prüfung befinde.

4 Auch der Antrag des Beschwerdeführers auf Gewährung von Prozesskostenhilfe für ein Berufungsverfahren hatte keinen Erfolg.

II.

5 Mit seiner Verfassungsbeschwerde wendet sich der Beschwerdeführer gegen die gerichtlichen Entscheidungen und rügt eine Verletzung seiner Grundrechte aus Art. 3 Abs. 1, Art. 5 und Art. 17 GG. Zur Begründung trägt er im Wesentlichen - allerdings ohne nähere Auseinandersetzung mit den Gründen der verwaltungsgerichtlichen Entscheidungen - vor, das Handeln des Petitionsausschusses entspreche nicht der Richtlinie.

B.

6 Die Verfassungsbeschwerde ist nicht zur Entscheidung anzunehmen, weil die Annahmevoraussetzungen (§ 93a Abs. 2 BVerfGG) nicht erfüllt sind. Die Verfassungsbeschwerde hat keine Aussicht auf Erfolg, weil sie bereits unzulässig ist.

7 Sie wird dem Begründungserfordernis aus § 23 Abs. 1 Satz 2 Halbsatz 1, § 92 BVerfGG nicht gerecht, wonach der Beschwerdeführer substantiiert darlegen muss, mit welchen verfassungsrechtlichen Anforderungen die angegriffene Maßnahme kollidiert, und die Möglichkeit einer Grundrechtsverletzung deutlich zu machen ist (vgl. BVerfGE 108, 370 <386 f.>).

8 Der Vortrag des Beschwerdeführers ist nicht geeignet, die Möglichkeit einer Verletzung der gerügten Grundrechte deutlich zu machen. Insbesondere legt er in keiner Weise dar, warum die nachvollziehbar begründete Annahme des Verwaltungsgerichts, wonach die Ablehnung der Behandlung der Petition des Beschwerdeführers als "öffentliche Petition" den Richtlinien des Petitionsausschusses entsprach und deswegen ein Anspruch auf Gleichbehandlung nach Art. 3 Abs. 1 GG ausschied, fehlerhaft oder gar verfassungswidrig sein sollte.

9 Von einer weiteren Begründung wird nach § 93d Abs. 1 Satz 3 BVerfGG abgesehen.

10 Diese Entscheidung ist unanfechtbar.

Schlagwörter

constitutional complaintsubstantiationpublic petitionequal treatmentfreedom of expressionpetition right

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the constitutional complaint met the substantiation requirements under §§ 23(1) sentence 2, 92 BVerfGG

Extrahierter Entscheid

The complaint did not sufficiently explain which constitutional requirements were violated or how a possible rights infringement arose.

Extrahierte Begründung

The complainant merely asserted that the committee acted contrary to the guidelines, without engaging with the administrative courts' reasoning or showing why the refusal to publish the petition was unconstitutional.

Kernrechtsfrage

Whether the refusal to treat the petition as a public petition violated Art. 3, 5 or 17 GG

Extrahierter Entscheid

No admissible showing of such a violation was made; the complaint was therefore incapable of success.

Extrahierte Begründung

The challenge did not meaningfully address the lower court's finding that the committee acted consistently with its guidelines and that no equal-treatment claim existed.

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