No violation from refusing ECJ referral; hearing complaint unsubstantiated

BVerfG 1 BvR 3108/10Bverfg / 1. Senat 3. Kammer29.08.2011Dismissed

Zusammenfassung

The Federal Constitutional Court refused to admit the constitutional complaint. It held that the complainant had not shown a violation of the right to the statutory judge, because the Federal Court of Justice had defensibly denied any duty to refer the matter to the Court of Justice of the EU in light of ECJ case law and a teleological interpretation of the Brussels I Regulation. The alleged violation of the right to be heard was also not sufficiently substantiated, as no omitted factual argument was identified. The decision is final.

Regest

Art. 101 Abs. 1 Satz 2 GG; Art. 267 Abs. 3 AEUV; EuGVVO Art. 5 Nr. 3; refusal of a preliminary reference is constitutionally unobjectionable where the highest court supports its view of acte clair by reference to ECJ case-law and a defensible purposive interpretation; the Federal Constitutional Court reviews only whether the refusal is arbitrary or manifestly untenable. A complaint under Art. 103 Abs. 1 GG requires substantiated identification of specific overlooked submissions; mere criticism of the outcome is insufficient.

Gesamter Gesetzestext

BVerfG — 1 BvR 3108/10, Nichtannahmebeschluss

Entscheidungsdatum: 2011-08-29

Aktenzeichen: 1 BvR 3108/10

ECLI: ECLI:DE:BVerfG:2011:rk20110829.1bvr310810

Dokumenttyp: Nichtannahmebeschluss

Normen: Art 101 Abs 1 S 2 GG, Art 103 Abs 1 GG, Art 267 Abs 3 AEUV, Art 5 Nr 3 EGV 44/2001

Vorinstanz: vorgehend BGH, 15. März 2011, Az: VI ZR 237/10, Beschlussvorgehend BGH, 15. März 2011, Az: VI ZR 236/10, Beschlussvorgehend BGH, 23. November 2010, Az: VI ZR 128/10, Beschlussvorgehend BGH, 12. Oktober 2010, Az: XI ZR 394/08, Urteil

Spruchkörper: 1. Senat 3. Kammer

Titelzeile

Nichtannahmebeschluss: Keine Verletzung von Art 101 Abs 1 S 2 GG durch Unterlassen einer Vorlage an den EuGH bei vertretbarer Handhabung der Vorlagepflicht - Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör (Art 103 Abs 1 GG) nicht schlüssig dargelegt

Gründe

1 Die Verfassungsbeschwerde ist nicht zur Entscheidung anzunehmen, weil die Voraussetzungen hierfür nicht vorliegen (§ 93a Abs. 2 BVerfGG). Der Verfassungsbeschwerde kommt keine grundsätzliche verfassungsrechtliche Bedeutung zu. Ihre Annahme ist auch nicht zur Durchsetzung der Grundrechte und grundrechtsgleichen Rechte der Beschwerdeführerin angezeigt (§ 93a Abs. 2 Buchst. b BVerfGG), weil sie keine Aussicht auf Erfolg hat (BVerfGE 90, 22 <25 f.>). Anhaltspunkte dafür, dass die angegriffenen Entscheidungen gegen die als verletzt gerügten verfassungsmäßigen Rechte der Beschwerdeführerin verstoßen, sind auf Grundlage des Vorbringens der Verfassungsbeschwerde nicht ersichtlich.

2 Die Beschwerdeführerin ist in ihrem Recht auf den gesetzlichen Richter (Art. 101 Abs. 1 Satz 2 GG) nicht verletzt. Der Bundesgerichtshof hat in dem angegriffenen Urteil die Vorlagepflicht an den Europäischen Gerichtshof gemäß Art. 267 Abs. 3 AEUV mit einer verfassungsrechtlich tragfähigen Begründung verneint. Er hat seine Annahme, die richtige Auslegung des Art. 5 Nr. 3 EuGVVO sei hier offenkundig, nach Auswertung der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs und anhand einer teleologischen Auslegung der EuGVVO vertretbar begründet.

3 Soweit die Verfassungsbeschwerde geltend macht, der Bundesgerichtshof habe durch die Zurückweisung der Nichtzulassungsbeschwerden den Anspruch der Beschwerdeführerin auf rechtliches Gehör (Art. 103 Abs. 1 GG) verletzt, legt sie dies nicht schlüssig dar. Sie macht nicht geltend, dass der Anlagebetrag vorliegend nicht von in Deutschland geführten Konten überwiesen wurde und zeigt insoweit auch kein übergangenes Vorbringen auf.

4 Von einer weiteren Begründung wird nach § 93d Abs. 1 Satz 3 BVerfGG abgesehen.

5 Diese Entscheidung ist unanfechtbar.

Schlagwörter

constitutional complaintpreliminary referencestatutory judgeright to be heardclear interpretationEU law