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BVerfG 1 BvR 2377/11 ΓÇó Constitutional complaint inadmissible for failure to exhaust remedies
BVerfG 1 BvR 2377/11Bverfg / 1. Senat 1. Kammer29.09.2011Inadmissible
The Federal Constitutional Court did not accept the constitutional complaint of the publisher of the B.-Zeitung against an order of the President of the Regional Court Frankfurt am Main requiring pixelation of persons in a criminal trial. It held that the measure was an administrative act issued by the court president in his capacity as head of the court and therefore had to be challenged first before the administrative courts. Because the complainant had not exhausted that remedy, the complaint was inadmissible. The Court also saw no need to accept the complaint for reasons of fundamental constitutional importance.
Art. 90 Abs. 2 S. 1 BVerfGG; constitutional complaint against an order of a court president governing press reporting in criminal proceedings is inadmissible for failure to exhaust legal remedies. An order issued by the president of a regional court as head of the court in exercise of house-rights powers constitutes an administrative act of a functional public authority and is challengeable before the administrative courts. If such legal recourse is not pursued, the constitutional complaint is non-admissible. Lack of fundamental constitutional importance may additionally preclude acceptance under § 93a BVerfGG (consid. 2-7).
Entscheidungsdatum: 2011-09-29
Aktenzeichen: 1 BvR 2377/11
ECLI: ECLI:DE:BVerfG:2011:rk20110929.1bvr237711
Dokumenttyp: Nichtannahmebeschluss
Normen: Art 5 Abs 1 S 2 GG, § 90 Abs 2 S 1 BVerfGG, § 12 GVG, § 169 GVG
Spruchkörper: 1. Senat 1. Kammer
Nichtannahme einer mangels Rechtswegerschöpfung (§ 90 Abs 2 S 1 BVerfGG) unzulässigen Verfassungsbeschwerde: Anordnung eines Gerichtspräsidenten über Modalitäten der verfahrensbezogenen Presseberichterstattung als Verwaltungsakt, gegen den im Verwaltungsrechtsweg Rechtsschutz begehrt werden kann
1 Die Verfassungsbeschwerde richtet sich gegen eine Anordnung des Präsidenten des Landgerichts Frankfurt am Main vom 15. August 2011 gegenüber der "B."-Zeitung Angeklagte, Zeugen oder Nebenkläger in einem Wirtschaftsstrafverfahren nur "verpixelt" abzubilden. Die Beschwerdeführerin, die die "B."-Zeitung verlegt, rügt die Verletzung ihres Grundrechts auf Pressefreiheit gemäß Art. 5 Abs. 1 Satz 2 GG.
2 1. Der Verfassungsbeschwerde kommt keine grundsätzliche verfassungsrechtliche Bedeutung zu (§ 93a Abs. 2 Buchstabe a BVerfGG). Das Bundesverfassungsgericht hat zur Frage der Veröffentlichung von Bildern von Angeklagten in der Gerichtsberichterstattung schon mehrfach Stellung bezogen (BVerfGE 91, 125; 119, 309).
3 2. Die Annahme der Verfassungsbeschwerde zur Durchsetzung von in § 90 Abs. 1 BVerfGG genannten Rechten der Beschwerdeführerin ist nicht angezeigt (§ 93 a Abs. 2 Buchstabe b BVerfGG), weil die Verfassungsbeschwerde unzulässig ist.
4 Die Beschwerdeführerin hat den Rechtsweg nicht gemäß § 90 Abs. 2 Satz 1 BVerfGG erschöpft.
5 Die angegriffene Anordnung hat hier nicht der Vorsitzende der zuständigen Strafkammer des Landgerichts erlassen, sondern der Präsident des Landgerichts.
6 Der Präsident des Landgerichts erlässt die Anordnung als Behördenleiter im Rahmen seines Hausrechts (Kissel/Mayer, GVG, 6. Aufl. 2010, § 169 Rn. 89; § 12 Rn. 93 ff.; vgl. auch Nr. 129 Abs. 4 RiStBV). Eine solche Anordnung stellt einen Verwaltungsakt des Gerichtspräsidenten als Behörde im funktionellen Sinne dar, der auf dem Verwaltungsrechtsweg angegriffen werden kann (vgl. Kissel/Mayer, GVG, 6. Aufl. 2010, § 12 Rn. 100; Lehr, Bildberichterstattung der Medien über Strafverfahren, NStZ 2001, S. 63 <66>; bezüglich Hausverbot/Durch-suchungsanordnung: OVG Schleswig, NJW 1994, S. 340).
7 Dies hat die Beschwerdeführerin hier unterlassen.
8 Von einer weiteren Begründung wird nach § 93d Abs. 1 Satz 3 BVerfGG abgesehen.
9 Diese Entscheidung ist unanfechtbar.