Unsubstantiated constitutional complaint and abuse fee

BVerfG 2 BvR 2978/10Bverfg / 2. Senat 3. Kammer21.04.2011Dismissed

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The Federal Constitutional Court did not accept the constitutional complaint for decision because it was manifestly inadmissible and insufficiently substantiated. The submission failed to engage with the challenged decisions in a legally meaningful way and instead consisted largely of incoherent assertions, accusations, and insulting remarks. Because the filing was abusive and lacked any objective seriousness, the Court imposed an abuse fee of EUR 200 on the complainant.

Omnilex-Regeste

§§ 23 Abs. 1 Satz 2, 92 BVerfGG; substantiation of a constitutional complaint against judicial decisions; abuse fee under § 34 Abs. 2 BVerfGG. A constitutional complaint must set out in a comprehensible and legally reasoned manner the possibility of a violation of fundamental rights and, where directed against a court decision, must address the challenged reasoning in detail. A submission that is incoherent, unsupported, and limited to defamatory or insulting allegations does not satisfy these requirements and is manifestly inadmissible. If the filing is abusive in external form and devoid of factual seriousness, the Federal Constitutional Court may impose an abuse fee; the amount is to be fixed according to the circumstances and the gravity of the abuse (consid. 1-2).

Gesamter Gesetzestext

BVerfG — 2 BvR 2978/10, Nichtannahmebeschluss

Entscheidungsdatum: 2011-04-21

Aktenzeichen: 2 BvR 2978/10

ECLI: ECLI:DE:BVerfG:2011:rk20110421.2bvr297810

Dokumenttyp: Nichtannahmebeschluss

Normen: § 23 Abs 1 S 2 BVerfGG, § 34 Abs 2 BVerfGG, § 92 BVerfGG

Vorinstanz: vorgehend Verfassungsgerichtshof des Landes Berlin, 14. September 2010, Az: 100/10, Beschlussvorgehend AG Neukölln, kein Datum verfügbar, Az: 70 C 51/10, Entscheidungvorgehend AG Neukölln, kein Datum verfügbar, Az: 70 C 208/09, Entscheidungvorgehend AG Neukölln, kein Datum verfügbar, Az: 70 C 207/09, Entscheidungvorgehend AG Neukölln, kein Datum verfügbar, Az: 70 C 47/09, Entscheidungvorgehend AG Neukölln, kein Datum verfügbar, Az: 70 C 148/09, Entscheidungvorgehend AG Neukölln, kein Datum verfügbar, Az: 70 C 164/09, Entscheidungvorgehend AG Neukölln, kein Datum verfügbar, Az: 70 C 185/09, Entscheidungvorgehend AG Neukölln, kein Datum verfügbar, Az: 70 C 149/09, Entscheidungvorgehend AG Neukölln, kein Datum verfügbar, Az: 70 C 47/07, Entscheidung

Spruchkörper: 2. Senat 3. Kammer

Titelzeile

Nichtannahmebeschluss: Substantiierungsanforderungen an Urteilsverfassungsbeschwerde - Auferlegung einer Missbrauchsgebühr iHv 200 Euro bei herabsetzender und beleidigender, unsachlicher Beschwerdebegründung

Tenor

Die Verfassungsbeschwerde wird nicht zur Entscheidung angenommen.

Dem Beschwerdeführer wird eine Missbrauchsgebühr in Höhe von 200 € (in Worten: zweihundert Euro) auferlegt.

Gründe

1 1. Die Verfassungsbeschwerde wird nicht zur Entscheidung angenommen, weil die Voraussetzungen einer notwendigen Annahme (§ 93a Abs. 2 BVerfGG) nicht vorliegen. Der Verfassungsbeschwerde kommt weder grundsätzliche verfassungsrechtliche Bedeutung zu, noch ist ihre Annahme zur Durchsetzung der als verletzt gerügten Rechte angezeigt. Vielmehr ist die Verfassungsbeschwerde offensichtlich unzulässig, weil sie nicht den Anforderungen der § 23 Abs. 1 Satz 2, § 92 BVerfGG entsprechend begründet ist.

2 a) Eine substantiierte Begründung erfordert, dass der Beschwerdeführer die Möglichkeit einer Verletzung seiner Grundrechte oder grundrechtsähnlichen Rechte hinreichend deutlich aufzeigt (vgl. BVerfGE 6, 132 <134>; 20, 323 <329 f.>; 28, 17 <19>; 89, 155 <171>; 98, 169 <196>). Richtet sich die Verfassungsbeschwerde gegen eine gerichtliche Entscheidung, bedarf es in der Regel einer ins Einzelne gehenden argumentativen Auseinandersetzung mit der angegriffenen Entscheidung und deren konkreter Begründung (vgl. BVerfGE 88, 40 <45>; 101, 331 <345>; 105, 252 <264>; BVerfG, Beschluss der 2. Kammer des Ersten Senats vom 5. Januar 2010 - 1 BvR 2973/06 -, juris; BVerfG, Beschluss der 2. Kammer des Ersten Senats vom 11. März 2010 - 1 BvR 2909/08 -, juris).

3 b) Im vorliegenden Fall ist der wirre Sachvortrag der Beschwerdeschrift kaum nachvollziehbar. Er lässt jegliche Begründung im obigen Sinne vermissen und beschränkt sich auf offensichtlich haltlose Bezichtigungen Dritter, Straftaten zum Nachteil des Beschwerdeführers begangen zu haben, sowie herabsetzende Äußerungen über die im Ausgangsverfahren tätig gewesenen Gerichte und eine Vielzahl von Beleidigungen auf niedrigstem Niveau.

4 2. Die Auferlegung einer Missbrauchsgebühr in der angemessen erscheinenden Höhe von 200 € beruht auf § 34 Abs. 2 BVerfGG.

5 Das Bundesverfassungsgericht kann nach § 34 Abs. 2 BVerfGG eine Gebühr bis zu 2.600 € auferlegen, wenn die Einlegung der Verfassungsbeschwerde einen Missbrauch darstellt. Ein Missbrauch liegt unter anderem dann vor, wenn die Verfassungsbeschwerde in ihrer äußeren Form beleidigenden oder verletzenden Charakter aufweist und jegliche Sachlichkeit vermissen lässt (BVerfG, Beschluss der 3. Kammer des Zweiten Senats vom 23. Juni 1998 - 2 BvR 1916/97 -, NJW 1999, S. 207; Beschluss der 2. Kammer des Zweiten Senats vom 24. Oktober 1999 - 2 BvR 1960/99 -, juris; Beschluss der 3. Kammer des Ersten Senats vom 9. Juni 2004 - 1 BvR 915/04 -, NJW 2004, S. 2959 <2960>). Dies ist vorliegend der Fall. Die Begründung der Verfassungsbeschwerde erschöpft sich im Wesentlichen in herabsetzenden und beleidigenden Äußerungen über die im Ausgangsverfahren tätig gewesenen Gerichte. Das Bundesverfassungsgericht muss nicht hinnehmen, dass es an der Erfüllung seiner Aufgaben durch für jedermann erkennbar aussichtslose Verfassungsbeschwerden behindert wird und dadurch anderen Bürgern den ihnen zukommenden Grundrechtsschutz nur verzögert gewähren kann (BVerfGK 6, 219; 10, 94 <97>; stRspr).

6 Von einer weiteren Begründung wird nach § 93d Abs. 1 Satz 3 BVerfGG abgesehen.

7 Diese Entscheidung ist unanfechtbar.

Schlagwörter

constitutional complaintsubstantiationinadmissibilityabuse feeinsulting languagejudicial decisionprocedural admissibility

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the constitutional complaint should be accepted for decision

Extrahierter Entscheid

No. The complaint lacked the required substantiation and was therefore manifestly inadmissible; neither fundamental constitutional significance nor a need for enforcement of rights justified acceptance.

Extrahierte Begründung

A constitutional complaint against judicial decisions must engage specifically and in detail with the challenged reasoning. The filing here was incoherent and consisted mainly of unsupported accusations and insulting language, so it did not meet §§ 23(1) sentence 2 and 92 BVerfGG.

Kernrechtsfrage

Whether an abuse fee should be imposed

Extrahierter Entscheid

Yes. Because the complaint was objectively abusive and lacked any factual seriousness, a fee of EUR 200 was imposed under § 34(2) BVerfGG.

Extrahierte Begründung

A constitutional complaint that is insulting, injurious, and obviously hopeless may constitute an abuse. The Court may impose a fee up to EUR 2,600; EUR 200 was considered appropriate here.

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