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BVerfG 2 BvR 43/10, 2 BvR 86/10, 2 BvR 140/10 ΓÇó Constitutional complaint inadmissible without hearing objection
BVerfG 2 BvR 43/10, 2 BvR 86/10, 2 BvR 140/10Bverfg / 2. Senat 3. Kammer02.03.2011Inadmissible
The Federal Constitutional Court refused to accept the consolidated constitutional complaints. The complainant alleged that submissions by the General Prosecutor's Office had not been disclosed in the proceedings before the Higher Regional Court of Nuremberg, thus violating the right to be heard. The Court held that such a complaint requires exhaustion of the legal remedy of a hearing objection under § 33a StPO in conjunction with § 120 StVollzG, if available. Because no hearing objection had been raised, the constitutional complaints were inadmissible.
Art. 103 Abs. 1 GG; § 90 Abs. 2 S. 1 BVerfGG; § 33a StPO; § 120 StVollzG; constitutional complaint alleging denial of hearing is inadmissible absent prior hearing objection. A complaint based on an alleged hearing defect must, where the remedy is statutorily available, first be pursued by way of the hearing objection; that remedy forms part of the remedies to be exhausted under § 90(2) sentence 1 BVerfGG. This applies even where the alleged defect concerns non-disclosure of the opposing party's submissions. The right to be heard protects not only the correctness of the decision but also the parties' procedural status; nonetheless, federal constitutional review is barred until the ordinary remedy designed to cure the defect has been used (cf. consid. 1-2).
Entscheidungsdatum: 2011-03-02
Aktenzeichen: 2 BvR 43/10, 2 BvR 86/10, 2 BvR 140/10
Dokumenttyp: Nichtannahmebeschluss
Normen: Art 103 Abs 1 GG, § 90 Abs 2 S 1 BVerfGG, § 33a StPO, § 120 StVollzG
Vorinstanz: vorgehend OLG Nürnberg, 26. November 2009, Az: 2 Ws 562/09, Beschlussvorgehend OLG Nürnberg, 3. Dezember 2009, Az: 2 Ws 578/09, Beschlussvorgehend OLG Nürnberg, 7. Dezember 2009, Az: 1 Ws 659/09, Beschluss
Spruchkörper: 2. Senat 3. Kammer
Nichtannahmebeschluss: Verfassungsbeschwerde mangels Rechtswegerschöpfung <§ 90 Abs 2 S 1 BVerfGG> unzulässig, wenn eine Verletzung von Art 103 Abs 1 GG gerügt wird, aber im fachgerichtlichen Verfahren keine Anhörungsrüge erhoben wurde
1 Die Voraussetzungen, unter denen eine Verfassungsbeschwerde zur Entscheidung anzunehmen ist (§ 93a Abs. 2 BVerfGG) liegen nicht vor, weil die Verfassungsbeschwerden mangels Erschöpfung des Rechtswegs unzulässig sind. Der Beschwerdeführer rügt einen Gehörsverstoß, ohne zunächst die Anhörungsrüge (§ 33a StPO i.V.m. § 120 StVollzG) erhoben zu haben, die, soweit statthaft, zum Rechtsweg gehört (vgl. BVerfGE 122, 190 <198>).
2 Der Beschwerdeführer beanstandet unter anderem, dass die Stellungnahmen der Generalstaatsanwaltschaft ihm im Verfahren vor dem Oberlandesgericht nicht zur Kenntnis gegeben worden seien. Damit macht er substantiiert eine Verletzung seines Anspruchs auf rechtliches Gehör (Art. 103 Abs. 1 GG) geltend. Die Verfahrensbeteiligten müssen grundsätzlich Gelegenheit haben, sich zu Stellungnahmen der Gegenseite in tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht zu äußern (vgl. BVerfGE 19, 32 <36>; 49, 325 <328>; BVerfGK 7, 438 <441>; BVerfG, Beschluss der 2. Kammer des Zweiten Senats vom 6. August 1992 - 2 BvR 628/92 -, juris; Beschluss der 3. Kammer des Ersten Senats vom 24. Februar 2009 - 1 BvR 188/09 -, NVwZ 2009, S. 580; Beschluss der 3. Kammer des Zweiten Senats vom 30. Juli 2009 - 2 BvR 1575/09 -, juris). Der Anspruch auf rechtliches Gehör ist daher verletzt, wenn das Gericht einem Verfahrensbeteiligten, bevor es eine ihm ungünstige Entscheidung trifft, keine Gelegenheit gibt, zu der im Verfahren abgegebenen Stellungnahme der Gegenseite Stellung zu nehmen (vgl. BVerfG, Beschluss der 3. Kammer des Zweiten Senats vom 15. November 2010 - 2 BvR 1183/09 -, juris). Dies gilt - auch wenn der Gehörsverstoß zur Aufhebung der ergangenen Entscheidung nur unter der Voraussetzung führt, dass sie auf dem Verstoß beruht (vgl. BVerfGE 7, 239 <241>; 13, 132 <145>; 52, 131 <152 f.>; 89, 381 <392 f.>; stRspr) - unabhängig davon, ob unter den gegebenen Umständen von der Möglichkeit auszugehen ist, dass eine mögliche Gegenstellungnahme Einfluss auf das Entscheidungsergebnis gewinnt, oder nicht. Denn der grundrechtliche Anspruch auf rechtliches Gehör dient nicht nur der Gewährleistung sachrichtiger Entscheidungen, sondern auch der Wahrung der Subjektstellung der Beteiligten im gerichtlichen Verfahren (vgl. BVerfGE 107, 395 <409>; zur Bedeutung des Rechts auf Äußerung zum Vortrag der Gegenseite als Grundlage des Vertrauens der Verfahrensbeteiligten in die Arbeit der Justiz vgl. auch EGMR, Urteil vom 21. Februar 2002, Ziegler v. Switzerland, Appl. no. 33499/96, Rn. 38; Urteil vom 19. Mai 2005, Steck-Risch et al. v. Liechtenstein, Appl. no. 63151/00, Rn. 57).
3 Von einer weiteren Begründung wird gemäß § 93d Abs. 1 Satz 3 BVerfGG abgesehen.
4 Diese Entscheidung ist unanfechtbar.