No constitutional complaint review of liability under § 335 HGB

BVerfG 1 BvR 364/09Bverfg / 1. Senat 3. Kammer14.10.2010Dismissed

Zusammenfassung

The Federal Constitutional Court did not admit the constitutional complaint against a Bonn Regional Court decision concerning attribution of fault under § 278 BGB in the application of § 335 HGB. The Court held that the complaint raised no fundamental constitutional issue and had no realistic prospect of success. It further stated that no separate constitutional discussion was needed on the lower court’s approach, because that decision showed that the relevant factor was the liquidator’s own organizational fault. The Court also referred to its prior case-law confirming the constitutionality of § 335(1) sentence 2 HGB.

Regest

§ 93a Abs. 2, § 93d Abs. 1 Satz 3 BVerfGG; Nichtannahme einer Verfassungsbeschwerde gegen eine auf § 335 Abs. 1 Satz 2 HGB gestützte Entscheidung: Die Verfassungsbeschwerde ist nicht zur Entscheidung anzunehmen, wenn ihr weder grundsätzliche verfassungsrechtliche Bedeutung zukommt noch sie zur Durchsetzung von Grundrechten oder grundrechtsgleichen Rechten angezeigt ist. Eine gesonderte verfassungsrechtliche Prüfung der Zurechnung nach § 278 BGB innerhalb des § 335 HGB erübrigt sich, wenn die angegriffene Entscheidung tragend auf eigenem Organisationsverschulden des Betroffenen beruht. § 335 Abs. 1 Satz 2 HGB ist verfassungsrechtlich bereits als unbedenklich anerkannt (vgl. BVerfG, 1 BvR 3413/08).

Gesamter Gesetzestext

BVerfG — 1 BvR 364/09, Nichtannahmebeschluss

Entscheidungsdatum: 2010-10-14

Aktenzeichen: 1 BvR 364/09

ECLI: ECLI:DE:BVerfG:2010:rk20101014.1bvr036409

Dokumenttyp: Nichtannahmebeschluss

Normen: GG, § 278 BGB, § 335 Abs 1 S 2 HGB

Vorinstanz: vorgehend LG Bonn, 5. Januar 2009, Az: 37 T 60/08, Beschluss

Spruchkörper: 1. Senat 3. Kammer

Titelzeile

Nichtannahmebeschluss: Zurechnung von Verschulden gem § 278 BGB im Rahmen des § 335 HGB

Gründe

1 Die Verfassungsbeschwerde ist nicht zur Entscheidung anzunehmen, weil die Voraussetzungen dafür nicht vorliegen (§ 93a Abs. 2 BVerfGG). Ihr kommt keine grundsätzliche verfassungsrechtliche Bedeutung zu. Ihre Annahme ist auch nicht zur Durchsetzung der Grundrechte oder grundrechtsgleichen Rechte der Beschwerdeführerin angezeigt; denn sie hat keine Aussicht auf Erfolg.

2 Die Verfassungsbeschwerde gibt insbesondere zu einer Stellungnahme keinen Anlass, ob die Zurechnung durch das Landgericht gemäß § 278 BGB innerhalb des § 335 HGB einer verfassungsrechtlichen Überprüfung standhielte (für eine analoge Anwendung des § 278 BGB vgl. LG Bonn, Beschluss vom 29. Oktober 2008 - 30 T 104/08 -, DStR 2009, S. 451 f., Gottschalk, FD-HGR 2008, 272704; Stollenwerk/Kurpat, BB 2009, S. 150 <152 f.>; Wolf, DStR 2009, S. 452; dagegen vgl. LG Bonn, Beschluss vom 7. Dezember 2009

  • 31 T 579/09 -, NJW-RR 2010, S. 698 <699>). Die Entscheidung des Landgerichts lässt mit ausreichender Deutlichkeit erkennen, es habe ein eigenes Organisationsverschulden des Liquidators der Beschwerdeführerin für entscheidungserheblich erachtet.

3 Dass § 335 Abs. 1 Satz 2 HGB vor dem Grundgesetz Bestand hat, lässt sich der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts bereits entnehmen (vgl. BVerfG, Beschluss der 3. Kammer des Ersten Senats vom 11. März 2009 - 1 BvR 3413/08 -, NJW 2009, S. 2588 <2589>).

4 Von einer weiteren Begründung wird nach § 93d Abs. 1 Satz 3 BVerfGG abgesehen.

5 Diese Entscheidung ist unanfechtbar.

Schlagwörter

constitutional complaintinadmissibilityliability attributionorganizational faultcommercial registerliquidator