Interim injunction against ELENA provisions denied

BVerfG 1 BvR 872/10Bverfg / 1. Senat 1. Kammer14.09.2010Dismissed

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The Federal Constitutional Court rejected an application for an interim injunction seeking to suspend enforcement of Sections 97(1) and 98(1) SGB IV as part of the ELENA regime. The Court held that the applicants had not sufficiently demonstrated the urgency required under Section 32(1) BVerfGG, even though they plausibly pointed to potential risks arising from data storage and possible misuse. Because suspending a statute is a particularly serious interference with legislative freedom, only especially weighty reasons can justify such relief.

Omnilex-Regeste

§ 32 Abs. 1 BVerfGG; suspension of a statute by interim injunction; heightened requirements for urgency and weighing of consequences. An interim injunction that temporarily renders statutory provisions inoperative is permissible only with the greatest restraint, since it constitutes a substantial interference with legislative freedom. It requires particularly weighty reasons and a showing that immediate relief is urgently necessary. Under § 23 Abs. 1 Satz 2 Halbs. 1 BVerfGG, the applicant must substantiate the need for interim relief in a concrete and convincing manner. Mere allegations of possible future rights violations or abstract risks to privacy do not suffice where statutory safeguards reduce or exclude the feared use of the data (consid. 2-3).

Gesamter Gesetzestext

BVerfG — 1 BvR 872/10, Ablehnung einstweilige Anordnung

Entscheidungsdatum: 2010-09-14

Aktenzeichen: 1 BvR 872/10

ECLI: ECLI:DE:BVerfG:2010:rk20100914.1bvr087210

Dokumenttyp: Ablehnung einstweilige Anordnung

Normen: Art 1 Abs 1 GG, Art 2 Abs 1 GG, § 23 Abs 1 S 2 Halbs 1 BVerfGG, § 32 Abs 1 BVerfGG, ELENA-VfG, § 97 Abs 1 SGB 4 vom 28.03.2009, § 98 Abs 1 SGB 4 vom 28.03.2009

Spruchkörper: 1. Senat 1. Kammer

Titelzeile

Ablehnung des Erlasses einer eA, den Vollzug der §§ 97 Abs 1, 98 Abs 1 SGB 4 idF vom 28.03.2009 (ELENA-VfG) einstweilen auszusetzen - Unzulässigkeit wg unzureichender Darlegung der Eilbedürftigkeit

Tenor

  1. Der Antrag auf Erlass einer einstweiligen Anordnung wird abgelehnt.

Gründe

1 Der Antrag auf Erlass einer einstweiligen Anordnung nach § 32 Abs. 1 BVerfGG, der auf die Aussetzung des Vollzugs von § 97 Abs. 1 und § 98 Abs. 1 des Vierten Buches Sozialgesetzbuch (im Folgenden: SGB IV) in der Fassung des Art. 1 des Gesetzes über das Verfahren des elektronischen Entgeltnachweises (ELENA-Verfahrensgesetz) vom 28. März 2009 (BGBl I S. 634) gerichtet ist, ist unzulässig. Er ist nicht den Anforderungen von § 23 Abs. 1 Satz 2 Halbsatz 1 BVerfGG entsprechend begründet.

2 Gemäß § 32 Abs. 1 BVerfGG kann das Bundesverfassungsgericht im Streitfall einen Zustand durch einstweilige Anordnung vorläufig regeln, wenn dies zur Abwehr schwerer Nachteile, zur Verhinderung drohender Gewalt oder aus einem anderen wichtigen Grund zum gemeinen Wohl dringend geboten ist. Wird die Aussetzung des Vollzugs eines Gesetzes begehrt, darf das Bundesverfassungsgericht von seiner Befugnis, das Inkrafttreten eines Gesetzes zu verzögern oder ein in Kraft getretenes Gesetz wieder außer Kraft zu setzen, nur mit größter Zurückhaltung Gebrauch machen, weil der Erlass einer solchen einstweiligen Anordnung stets ein erheblicher Eingriff in die Gestaltungsfreiheit des Gesetzgebers ist. Ein Gesetz darf deshalb nur dann im Wege einer einstweiligen Anordnung vorläufig außer Kraft gesetzt werden, wenn die Gründe, die für den Erlass der einstweiligen Anordnung sprechen, ein ganz besonderes Gewicht haben (vgl. BVerfGE 104, 23 <27 f.>; 112, 284 <292>; 117, 126 <135>; 122, 342 <361 f.>). Nur unter diesen Voraussetzungen besteht die für den Erlass einer den Vollzug gesetzlicher Regelungen aussetzenden einstweiligen Anordnung nach § 32 Abs. 1 BVerfGG erforderliche Eilbedürftigkeit, weil der Erlass einer solchen Anordnung dringend geboten ist.

3 Nach diesen Maßstäben haben die Beschwerdeführer die notwendige Eilbedürftigkeit nicht den Anforderungen von § 23 Abs. 1 Satz 2 Halbsatz 1 BVerfGG entsprechend dargetan. Zwar legen sie substantiiert dar, dass die Datenspeicherung - auch wenn ein Abruf der gespeicherten Daten grundsätzlich erst ab 1. Januar 2012 erfolgen kann - ein Eingriff ist, der ein Risiko unbefugter und missbräuchlicher Datenzugriffe schafft und, wie im Hauptsacheverfahren näher zu prüfen sein wird, ihre Grundrechte möglicherweise verletzt. Angesichts der Regelungen, die der Gefahr solcher Zugriffe entgegenwirken, die rechtmäßige Datenverwendung begrenzen oder sie außer zu Erprobungszwecken derzeit noch gänzlich ausschließen, reicht dies jedoch zur Darlegung eines Eilfalls, der den Erlass der begehrten einstweiligen Anordnung dringend geboten erscheinen lässt, nicht aus.

4 Diese Entscheidung ist unanfechtbar.

Schlagwörter

interim injunctionurgencydata protectionstatutory suspensionconstitutional complaint

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether an interim injunction should suspend enforcement of Sections 97(1) and 98(1) SGB IV pending the constitutional complaint.

Extrahierter Entscheid

The request was inadmissible because the applicants did not sufficiently substantiate the urgent need required for interim relief.

Extrahierte Begründung

Suspending a statute is an exceptional interference with legislative freedom and requires particularly weighty reasons. Although the applicants alleged risks from data storage and possible misuse, the safeguards and current limits on data use meant they had not shown that immediate suspension was urgently required.

Setzen Sie Ihre Recherche in ChatGPT oder Claude fort

Verbinden Sie Omnilex, um den Rechtskorpus über Ihren KI-Assistenten zu durchsuchen.