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BVerfG 2 BvR 2550/09 ΓÇó Constitutional complaint inadmissible for failure to exhaust remedies in pretrial detention
BVerfG 2 BvR 2550/09Bverfg / 2. Senat 3. Kammer08.02.2010Inadmissible
The Federal Constitutional Court declined to admit a constitutional complaint challenging restrictive measures during pretrial detention. It held that the Federal Court of Justice order only extended detention and did not address the concrete detention conditions. To challenge such conditions, the complainant first had to seek a decision from the competent detention judge under § 119(6) StPO in conjunction with § 126 StPO. Because that remedy had not been exhausted, the complaint was inadmissible.
§ 90 Abs. 1 S. 1 BVerfGG; § 119 Abs. 6 S. 1 StPO, § 126 StPO: constitutional complaint against restrictions in the execution of pretrial detention is inadmissible absent exhaustion of the available detention-judge remedy. A decision ordering only detention continuation beyond nine months does not itself regulate individual detention conditions and does not, without more, disclose a possible fundamental-rights violation in that respect. Measures in the execution of pretrial detention are not subject to formal or material res judicata; the competent judge may therefore decide anew at any time on application or ex officio (consid. 2–3).
Entscheidungsdatum: 2010-02-08
Aktenzeichen: 2 BvR 2550/09
ECLI: ECLI:DE:BVerfG:2010:rk20100208.2bvr255009
Dokumenttyp: Nichtannahmebeschluss
Normen: § 90 Abs 1 S 1 BVerfGG, § 119 Abs 6 S 1 StPO, § 126 StPO
Spruchkörper: 2. Senat 3. Kammer
Nichtannahmebeschluss: Mangels Rechtswegerschöpfung unzulässige Verfassungsbeschwerde zur Überprüfung beschränkender Maßnahmen im Vollzug der Untersuchungshaft
1 Die Verfassungsbeschwerde wird nicht zur Entscheidung angenommen; die Annahmevoraussetzungen des § 93a Abs. 2 BVerfGG sind nicht erfüllt (BVerfGE 90, 22 <25 f.>; 96, 245 <248>).
2 Die Verfassungsbeschwerde ist unzulässig, da die Möglichkeit eines die Haftbedingungen betreffenden Grundrechtsverstoßes durch den angegriffenen Beschluss nicht aufgezeigt ist. Der Beschluss des Bundesgerichtshofs vom 10 . September 2009 ordnet lediglich gemäß §§ 122, 121 StPO die Haftfortdauer über neun Monate hinaus an und enthält keine Regelung zu den einzelnen Haftbedingungen.
3 Hinsichtlich der von der Beschwerdeführerin in der Sache begehrten Überprüfung der beschränkenden Maßnahmen im Vollzug der Untersuchungshaft hat sie nach ihrem Vortrag den Rechtsweg nicht erschöpft. Vor Einlegung einer Verfassungsbeschwerde muss der Betroffene alle zumutbaren prozessualen Möglichkeiten ergreifen, um die vermeintliche Grundrechtsverletzung abzuwenden (vgl. BVerfGE 68, 384 <388>). Für die Anordnung von Beschränkungen im Vollzug der Untersuchungshaft (§ 119 Abs. 3 StPO) ist gemäß § 119 Abs. 6 Satz 1, § 126 StPO der Haftrichter zuständig. Da solche Beschränkungen im Vollzug der Untersuchungshaft weder der formellen noch der materiellen Rechtskraft zugänglich sind (vgl. BVerfGE 34, 384 <397 f.>; Schultheis, in: Karlsruher Kommentar zur StPO, 6. Aufl. 2008, § 119 Rn. 93; Hilger in: Löwe-Rosenberg, StPO, 26. Aufl. 2007, § 119 Rn. 159), kann der zuständige Richter jederzeit auf Antrag oder von Amts wegen über die Beschränkung neu entscheiden. Obwohl die ursprüngliche Anordnung schon länger zurückliegt und die Beschwerdeführerin mit ihrer Verfassungsbeschwerde besondere Belastungen durch die lange Dauer der Beschränkungen geltend macht, hat sie, soweit ersichtlich, eine gerichtliche Entscheidung gemäß § 119 Abs. 6 StPO über die beanstandeten Haftbedingungen vor Erhebung der Verfassungsbeschwerde nicht beantragt.
4 Von einer weiteren Begründung wird nach § 93d Abs. 1 Satz 3 BVerfGG abgesehen.
5 Diese Entscheidung ist unanfechtbar.