No leave to appeal: insufficient procedural complaint in social security case

BSG B 14 AS 8/14 BBsg / Division 1430.07.2014Dismissed

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The BSG rejected as inadmissible the plaintiffs' complaints against denial of leave to appeal in a social security case. It held that none of the statutory grounds under § 160 Abs. 2 SGG had been properly substantiated. The divergence complaint lacked the necessary precise comparison of legal statements, and the alleged procedural defects were not adequately shown. In particular, the challenge based on a supposed need for a partial referral to the civil courts for state-liability claims failed in light of settled case law rejecting partial jurisdictional referrals. The plaintiffs must bear their own out-of-court costs.

Omnilex-Regeste

§ 160 Abs. 2, § 160a Abs. 2 Satz 3 SGG; requirements for a complaint against denial of leave to appeal. The complainant must identify and substantiate one of the statutory grounds for leave to appeal in a manner that is precise and self-contained. A divergence complaint requires a concrete juxtaposition of decisive legal propositions from the appealed decision and from a comparison decision of the BSG, GmSOGB or BVerfG. A procedural-defect complaint must show, in a legally relevant way, that the challenged judgment may have been based on the alleged defect. Social courts may not order a partial referral to the ordinary courts under § 17a Abs. 2 GVG where they retain jurisdiction at least over part of the asserted claims; a partial referral is not provided for by the GVG.

Gesamter Gesetzestext

BSG — B 14 AS 8/14 B, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2014-07-30

Aktenzeichen: B 14 AS 8/14 B

ECLI: ECLI:DE:BSG:2014:300714BB14AS814B0

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 160 Abs 2 Nr 3 SGG, § 17 GVG, § 17a Abs 2 GVG

Vorinstanz: vorgehend SG Berlin, 13. Juni 2012, Az: S 185 AS 29423/09, Gerichtsbescheidvorgehend Landessozialgericht Berlin-Brandenburg, 21. November 2013, Az: L 20 AS 2322/12, Urteil

Spruchkörper: 14. Senat

Titelzeile

Sozialgerichtliches Verfahren - Revisionszulassung - Verfahrensfehler - Rechtsweg - Unzulässigkeit der Teilverweisung an die Zivilgerichtsbarkeit

Tenor

Die Beschwerden der Klägerinnen gegen die Nichtzulassung der Revision im Urteil des Landessozialgerichts Berlin-Brandenburg vom 21. November 2013 werden als unzulässig verworfen.

Außergerichtliche Kosten der Beschwerdeverfahren sind nicht zu erstatten.

Gründe

1 Die Beschwerden gegen die Nichtzulassung der Revision im bezeichneten Urteil des Landessozialgerichts Berlin-Brandenburg (LSG) sind als unzulässig zu verwerfen (§ 160a Abs 4 Satz 1 iVm § 169 Satz 2 Sozialgerichtsgesetz ) .

2 Nach § 160 Abs 2 SGG ist die Revision nur zuzulassen, wenn die Rechtssache grundsätzliche Bedeutung hat (Nr 1) , das Urteil des LSG von einer Entscheidung des Bundessozialgerichts (BSG), des Gemeinsamen Senats der obersten Gerichtshöfe des Bundes (GmSOGB) oder des Bundesverfassungsgerichts (BVerfG) abweicht und auf dieser Abweichung (Divergenz) beruht (Nr 2) oder wenn ein Verfahrensmangel geltend gemacht wird, auf dem die angefochtene Entscheidung beruhen kann (Nr 3) . Keinen der in § 160 Abs 2 SGG abschließend aufgeführten Zulassungsgründe haben die Klägerinnen zur Begründung der Beschwerde schlüssig dargelegt oder bezeichnet (§ 160a Abs 2 Satz 3 SGG) .

3 Soweit in der Beschwerdebegründung eine Divergenz geltend gemacht wird (§ 160 Abs 2 Nr 2 SGG) , wird schon nicht aufgezeigt, mit welcher genau bezeichneten entscheidungserheblichen rechtlichen Aussage die angefochtene Entscheidung des LSG von welcher ebenfalls genau bezeichneten rechtlichen Aussage des BSG, des GmSOGB oder des BVerfG abweicht (vgl zu dieser Anforderung BSG SozR 1500 § 160a Nr 21, 29 und 54) .

4 Soweit Verfahrensmängel geltend gemacht werden, ist der Beschwerdebegründung nicht hinreichend zu entnehmen, dass das Urteil des LSG auf einem Verfahrensmangel iS des § 160 Abs 2 Nr 3 Halbsatz 1 SGG beruhen kann. Soweit gerügt wird, das LSG habe einen völlig anderen Klagantrag zugrunde gelegt, ist die Beschwerdebegründung unschlüssig. Denn danach sei mit dem Hauptantrag die isolierte Aufhebung des Widerspruchsbescheides vom 17.7.2009 und Kostenerstattung für das Widerspruchsverfahren nach § 63 Zehntes Buch Sozialgesetzbuch sowie mit dem Hilfsantrag die Aufhebung und Zurückverweisung an das Sozialgericht begehrt worden; eben diese Anträge hat indes das LSG ausweislich des Tatbestands seines ohne mündliche Verhandlung ergangenen Urteils, den die Beschwerdebegründung insoweit zum Gegenstand des Vortrags gemacht hat, dem Vorbringen der Klägerinnen auch entnommen.

5 Soweit gerügt wird, das LSG habe nicht vorab über einen Antrag auf Rechtswegbestimmung nach § 17a Gerichtsverfassungsgesetz (GVG) in Bezug auf amtshaftungsrechtliche Ansprüche entschieden, auf die das Kostenerstattungsbegehren hilfsweise gestützt worden sei, unterlässt die Beschwerdebegründung jede Auseinandersetzung mit der einschlägigen Rechtsprechung des BSG. Nach dieser darf ein Gericht der Sozialgerichtsbarkeit keine Teilverweisung an das Zivilgericht vornehmen, weil einerseits das GVG keine Teilverweisung kennt und andererseits der Verweisung des gesamten Rechtsstreits der Grundsatz entgegensteht, dass eine solche nicht erfolgen darf, wenn das angerufene Gericht zumindest für einen Teil der einschlägigen materiellen Ansprüche zuständig ist. Deshalb ist auch von dem Ausspruch einer teilweisen Unzulässigkeit des Rechtsweges und einer teilweisen Verweisung des Rechtsstreits an die für Amtshaftungsansprüche zuständigen ordentlichen Gerichte gemäß § 17a Abs 2 GVG abzusehen (vgl BSG Beschluss vom 31.10.2012 - B 13 R 437/11 B - juris RdNr 10, unter Hinweis auf BSG SozR 4-1500 § 153 Nr 11 RdNr 23, jeweils mwN) . Mit Blick auf diese Rechtsprechung hätte es eingehender Darlegungen in der Beschwerdebegründung bedurft, warum vorliegend dennoch ein Verfahrensmangel in Betracht kommen soll, auf dem die angefochtene Entscheidung beruhen kann.

6 Die Verwerfung der Beschwerden erfolgt in entsprechender Anwendung des § 169 Satz 3 SGG ohne Zuziehung der ehrenamtlichen Richter.

7 Die Kostenentscheidung beruht auf einer entsprechenden Anwendung des § 193 Abs 1 SGG.

Schlagwörter

leave to appealprocedural defectdivergencejurisdictionpartial referralsocial securitycosts

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the complaints against denial of leave to appeal were admissible

Extrahierter Entscheid

The complaints were inadmissible because no statutory ground for leave to appeal had been properly and specifically substantiated.

Extrahierte Begründung

Under § 160 Abs. 2 SGG, leave to appeal requires a substantiated showing of fundamental importance, divergence, or procedural defect; the complaint did not meet these requirements.

Kernrechtsfrage

Whether a divergence was sufficiently demonstrated

Extrahierter Entscheid

No. The complaint did not identify a decisive legal statement of the LSG and a conflicting legal statement of the cited higher courts with the required precision.

Extrahierte Begründung

A divergence complaint must compare exactly specified legal propositions; this was not done.

Kernrechtsfrage

Whether a procedural defect concerning the claim request and jurisdictional transfer was sufficiently shown

Extrahierter Entscheid

No. The alleged mischaracterization of the claim request was contradicted by the LSG's factual findings, and the argument on partial transfer to civil courts did not engage with settled case law rejecting partial referrals.

Extrahierte Begründung

The complaint failed to show that the judgment could have rested on a procedural defect; in particular, social courts may not make a partial referral to ordinary courts for damages claims when they retain jurisdiction over part of the dispute.

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