Court fees for an objection despite prior legal aid

BSG B 13 SF 7/16 SBsg / Division 1302.03.2016Dismissed

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The claimant objected to a final cost statement charging EUR 60 for an unsuccessful hearing complaint in a compensation case concerning excessive length of proceedings. He argued that the case was fee-free and that earlier legal aid covered the complaint. The BSG rejected the objection: over-length proceedings are subject to fees under the GKG, the hearing complaint is a separate procedural route with its own fee, and the earlier legal-aid order did not extend to that separate proceeding. The objection proceedings themselves were also made free of court fees, with no reimbursement of out-of-court costs.

Omnilex-Regeste

§ 197a Abs. 1 S. 1 SGG i.V.m. § 202 S. 2 SGG; separate court fee for hearing complaints under No. 7400 KV; legal aid under § 122 Abs. 1 Nr. 1 Buchst. a ZPO does not extend beyond the proceeding for which it was granted: An unsuccessful Anhörungsrüge in proceedings for compensation due to excessive length of proceedings gives rise to a separate fee under the GKG. The hearing complaint constitutes an independent procedural stage within the meaning of § 119 Abs. 1 S. 1 ZPO and requires a separate application for legal aid. A prior legal-aid order for the preceding complaint against denial of leave to appeal does not cover the later hearing complaint; absent a specific extension, court fees may be charged for that later proceeding. The fee amount follows directly from the statute and is independent of the value in dispute.

Gesamter Gesetzestext

BSG — B 13 SF 7/16 S, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2016-03-02

Aktenzeichen: B 13 SF 7/16 S

ECLI: ECLI:DE:BSG:2016:020316BB13SF716S0

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 1 Abs 5 GKG 2004, § 21 Abs 1 S 1 GKG 2004, § 22 Abs 1 S 1 GKG 2004, § 29 Nr 1 GKG 2004, § 35 GKG 2004, § 66 Abs 1 S 1 GKG 2004, § 66 Abs 5 S 1 GKG 2004, § 66 Abs 6 S 1 GKG 2004, § 178 SGG, § 178a SGG, § 197a Abs 1 S 1 SGG, § 202 S 2 SGG, § 154 Abs 2 VwGO, § 198 GVG, § 119 Abs 1 S 1 ZPO, § 122 Abs 1 Nr 1 Buchst a ZPO

Spruchkörper: 13. Senat

Titelzeile

Kostenerhebung für eine Anhörungsrüge im sozialgerichtlichen Verfahren trotz vorangegangener Bewilligung von Prozesskostenhilfe

Tenor

Die Erinnerung gegen die Festsetzung der Gerichtskosten in der Schlusskostenrechnung vom 9. November 2015 - B 10 ÜG 12/15 C - wird zurückgewiesen.

Die Entscheidung ergeht gerichtsgebührenfrei. Außergerichtliche Kosten werden nicht erstattet.

Gründe

1 I. Der 10. Senat des BSG hat auf Beschwerde des Klägers und Erinnerungsführers mit Beschluss vom 12.2.2015 (B 10 ÜG 8/14 B - SozR 4-1720 § 198 Nr 8) einen Beschluss des LSG Baden-Württemberg vom 3.3.2014 aufgehoben und die zugrunde liegenden Streitsachen - 138 Entschädigungsklagen gemäß § 198 GVG wegen angeblich überlanger Verfahrensdauer - zur Verhandlung und Entscheidung an das LSG zurückverwiesen. Die vom Kläger und Erinnerungsführer hiergegen erhobene Anhörungsrüge hat der 10. Senat mit Beschluss vom 30.9.2015 (B 10 ÜG 12/15 C) als unzulässig verworfen; dabei hat er dem Kläger gemäß § 197a Abs 1 S 1 SGG iVm § 154 Abs 2 VwGO die Kosten des Anhörungsrügeverfahrens auferlegt.

2 Die Urkundsbeamtin der Geschäftsstelle hat in der Schlusskostenrechnung vom 9.11.2015 die vom Kläger als Kostenschuldner zu zahlenden Gerichtskosten für das Anhörungsrügeverfahren gemäß Nr 7400 des Kostenverzeichnisses (KV - Anlage 1; zu § 3 Abs 2 GKG) auf 60 Euro festgesetzt. Der Kläger hat hierzu in einem am 30.12.2015 eingegangenen Schriftstück mitgeteilt: "Erinnerung gg obigen Kostenansatz u. Antrag gem § 21 GKG - Die Verfahren sind kostenfrei!"

3 Die Kostenbeamtin hat der Erinnerung gegen den Kostenansatz nicht abgeholfen. Der Kostenprüfungsbeamte ist dieser Entscheidung beigetreten.

4 II. Zur Entscheidung über die Erinnerung ist der 13. Senat des BSG gemäß § 66 Abs 1 S 1 GKG iVm RdNr 13 Ziffer 2 des Geschäftsverteilungsplans des BSG für das Jahr 2016 berufen. Er entscheidet durch den zuständigen Berichterstatter als Einzelrichter (§ 66 Abs 6 S 1 iVm § 1 Abs 5 GKG) .

5 Die Erinnerung, deren Einlegung abweichend von § 73 Abs 4 SGG keine Vertretung durch einen beim BSG zugelassenen Prozessbevollmächtigten erfordert (§ 66 Abs 5 S 1 iVm § 1 Abs 5 GKG) , bleibt ohne Erfolg. Die Festsetzung der Gebühr für ein erfolgloses Anhörungsrügeverfahren iHv 60 Euro zu Lasten des Erinnerungsführers ist nicht zu beanstanden.

6 Insbesondere liegt kein Fall unrichtiger Sachbehandlung iS von § 21 Abs 1 S 1 GKG vor. Der Erinnerungsführer irrt, wenn er meint, dass Entschädigungsklagen wegen angeblich überlanger Verfahrensdauer gemäß § 202 S 2 SGG iVm § 198 GVG kostenfrei seien. Das Gegenteil ergibt sich aus § 197a Abs 1 S 1 SGG ("… oder handelt es sich um ein Verfahren wegen eines überlangen Gerichtsverfahrens <§ 202 Satz 2>, werden Kosten nach den Vorschriften des Gerichtskostengesetzes erhoben; die §§ 184 bis 195 finden keine Anwendung; die §§ 154 bis 162 der Verwaltungsgerichtsordnung sind entsprechend anzuwenden."). Dementsprechend sind für eine erfolglose Anhörungsrüge in Bezug auf ein solches Entschädigungsverfahren gesondert für diesen Verfahrensabschnitt (s hierzu Mutschler in Mutschler , Kostenrecht in öffentlich-rechtlichen Streitigkeiten, 2003, § 1 RdNr 55) die Kosten von demjenigen zu tragen, der das Verfahren beantragt hat bzw dem sie - wie hier dem Kläger und Erinnerungsführer - durch gerichtliche Entscheidung auferlegt wurden (§ 22 Abs 1 S 1, § 29 Nr 1 GKG) .

7 Nichts anderes ergibt sich daraus, dass dem Kläger und Erinnerungsführer mit Beschluss vom 23.5.2014 (B 10 ÜG 3/14 BH) für das Verfahren der Nichtzulassungsbeschwerde vor dem BSG Prozesskostenhilfe (PKH) ohne Ratenzahlung bewilligt wurde. Zwar bewirkt die Bewilligung von PKH gemäß § 122 Abs 1 Nr 1 Buchst a) ZPO, dass die Bundeskasse entstehende Gerichtskosten nur nach Maßgabe der vom Gericht bei der Bewilligung getroffenen Bestimmungen geltend machen kann. Solche Bestimmungen - insbesondere zu Ratenzahlungen - fehlen hier. Die genannte Freistellung von Gerichtskosten gilt aber nur in dem Umfang, wie PKH bewilligt wurde. Das betraf hier ausweislich des PKH-Bewilligungsbeschlusses vom 23.5.2014 nur das Verfahren der Beschwerde gegen die Nichtzulassung der Revision, das mit dem in der Hauptsache ergangenen, die Zurückverweisung der Sache an das LSG anordnenden Beschluss vom 12.2.2015 beendet war. Die gleichwohl vom Kläger selbst (dh nicht von seiner beigeordneten Rechtsanwältin) gegen diese Entscheidung erhobene Anhörungsrüge nach § 178a SGG eröffnete einen eigenständigen Rechtszug iS von § 119 Abs 1 S 1 ZPO (vgl § 35 GKG) , da in Nr 7400 KV eine gesonderte Gerichtsgebühr speziell für das Anhörungsrügeverfahren normiert ist (vgl Motzer in Münchener Komm zur ZPO, 4. Aufl 2013, § 119 RdNr 2; Fischer in Musielak/Voit, ZPO, 12. Aufl 2015, § 119 RdNr 3). Für dieses gerichtskostenrechtlich eigenständige Verfahren der Anhörungsrüge hätte daher PKH gesondert beantragt werden müssen (vgl BGH Beschluss vom 28.1.2014 - XI ZR 372/12 - Juris) . Das ist hier nicht geschehen und hätte im Übrigen im Fall einer Antragstellung auch keine Aussicht auf Erfolg gehabt, wie sich aus dem die Anhörungsrüge als unzulässig verwerfenden Beschluss des 10. Senats vom 30.9.2015 im Einzelnen ergibt. Mangels Bewilligung von PKH auch für das Anhörungsrügeverfahren kann sich der Kläger und Erinnerungsführer mithin nicht darauf berufen, dass er auch von den Gerichtskosten für das Anhörungsrügeverfahren freigestellt sei.

8 Die Höhe der Gerichtskosten für das erfolglose Anhörungsrügeverfahren ergeben sich unabhängig vom Streitwert des zugrunde liegenden Verfahrens unmittelbar aus dem Gesetz (60 Euro gemäß Nr 7400 KV) .

9 Die Kostenentscheidung für das Verfahren der Erinnerung beruht auf § 66 Abs 8 GKG.

Schlagwörter

court feeshearing complaintlegal aidsocial court proceedingsoverlength proceedingscost assessmentindependent procedural step

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the court-fee assessment for the hearing complaint was erroneous because the underlying compensation proceedings were allegedly fee-free

Extrahierter Entscheid

No. The hearing complaint in the compensation proceedings was subject to statutory court fees, and the assessment of EUR 60 was correct.

Extrahierte Begründung

Section 197a(1) SGG in conjunction with section 202 sentence 2 SGG subjects over-length proceedings to costs under the GKG; a separate fee arises for the hearing complaint under No. 7400 of the fee schedule.

Kernrechtsfrage

Whether prior legal aid for the earlier complaint proceeding exempted the claimant from fees in the later hearing complaint

Extrahierter Entscheid

No. Legal aid covered only the prior complaint against non-admission of appeal, not the later hearing complaint, which was a separate procedural step requiring separate legal aid.

Extrahierte Begründung

Under section 122(1)(1)(a) ZPO, legal aid relieves only for the proceedings it covers. The hearing complaint was an independent legal remedy under section 178a SGG and thus required a separate application.

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