Unstatthafte complaint against costs decision in privileged social case

BSG B 10 SF 14/16 SBsg / Division 1014.11.2016Dismissed

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The complainant challenged an LSG order concerning the costs of a social-law interim-relief case. The BSG held that such a complaint against an LSG decision is not statutorily permitted and therefore dismissed it as inadmissible. It further held that, despite the inadmissibility of the remedy, no court costs were to be charged because the complainant belonged to the category of cost-privileged persons under § 183 SGG. The court emphasized that clarifying the limits of legal protection remains covered by the cost privilege, especially for laypersons.

Omnilex-Regeste

§ 177 SGG; complaint against an LSG decision in cost proceedings is inadmissible absent a statutory exception; § 183 SGG and § 197a Abs. 1 sentence 1 SGG: cost privilege for social-law litigants extends to proceedings clarifying the limits of judicial protection, even where the remedy itself is inadmissible. Where a party within the meaning of § 183 SGG is involved, no court costs under the GKG are to be levied merely because the remedy lacked admissibility. The protective purpose of § 183 SGG covers annex proceedings to the main action, particularly for lay litigants whose access to judicial protection would otherwise be unduly burdened (consid. 1-2).

Gesamter Gesetzestext

BSG — B 10 SF 14/16 S, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2016-11-14

Aktenzeichen: B 10 SF 14/16 S

ECLI: ECLI:DE:BSG:2016:141116BB10SF1416S0

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 183 S 1 SGG, § 197a Abs 1 S 1 SGG, § 177 SGG, GKG 2004

Vorinstanz: vorgehend SG Bayreuth, 11. Juli 2016, Az: S 10 SF 92/16 E, Beschlussvorgehend Bayerisches Landessozialgericht, 25. August 2016, Az: L 15 SF 225/16 E, Beschluss

Spruchkörper: 10. Senat

Titelzeile

Sozialgerichtliches Verfahren - kostenprivilegiertes Hauptsacheverfahren - unstatthafte Beschwerde gegen die Kostenentscheidung - Kostenprivilegierung für juristische Laien bei Klärung der Grenzen des Rechtsschutzes - Gerichtskostenfreiheit auch bei unstatthaften Kostenstreitigkeiten

Tenor

Die Beschwerde des Beschwerdeführers gegen den Beschluss des Bayerischen Landessozialgerichts vom 25. August 2016 wird als unzulässig verworfen.

Kosten des Beschwerdeverfahrens sind nicht zu erstatten.

Gründe

1 I. Im Ausgangsverfahren hat der Beschwerdeführer ein Verfahren des einstweiligen Rechtsschutzes aus dem Recht der gesetzlichen Krankenversicherung vor dem SG und LSG geführt, welches ua mit der hälftigen Kostentragungspflicht durch den Träger der gesetzlichen Krankenversicherung endete. Mit Beschluss vom 29.4.2016 (S 15 KR 26/15 ER) setzte die Urkundsbeamtin des SG die zu erstattenden außergerichtlichen Kosten auf 13,40 Euro fest. Die anschließende Erinnerung blieb erfolglos (Beschluss des SG Bayreuth vom 11.7.2016 - S 10 SF 92/16 E) .

2 Das Bayerische LSG hat mit Beschluss vom 25.8.2016 die Beschwerde des Beschwerdeführers gegen den Beschluss des SG als unzulässig verworfen und dem Beschwerdeführer die Kosten des Beschwerdeverfahrens auferlegt. § 172 Abs 1 SGG eröffne die Beschwerde gegen die Beschlüsse des SG nur, soweit nicht im SGG anderes bestimmt sei. Dementsprechend könne nach § 197 Abs 2 SGG gegen die Entscheidung des Urkundsbeamten nur das Gericht angerufen werden, welches endgültig entscheide. Dies beinhalte einen absoluten Rechtsmittelausschluss, eine Beschwerde zum LSG sei ausgeschlossen. Die Kostenentscheidung beruhe auf der entsprechenden Anwendung von § 197a Abs 1 S 1 SGG iVm § 154 Abs 2 VwGO. Eine die Gebührenfreiheit konstituierende Regelung, wie zB § 183 S 1 SGG, § 4 Abs 8 S 1 JVEG, § 56 Abs 2 S 2 RVG oder § 66 Abs 8 S 1 GKG, komme weder direkt noch analog zur Anwendung, da eine gesetzlich bestimmte Gebührenfreiheit nur für statthafte Verfahren gelte. Dies gelte auch dann, wenn der Antragsteller oder Rechtsmittelführer - wie vorliegend - in der Hauptsache nach § 183 S 1 SGG kostenprivilegiert gewesen sei. Hiergegen hat der Beschwerdeführer mit Schreiben vom 31.8.2016 beim BSG Beschwerde eingelegt.

3 II. 1. Die Beschwerde ist nicht statthaft und daher als unzulässig zu verwerfen. Gemäß § 177 SGG können Entscheidungen des LSG - von den hier nicht einschlägigen Ausnahmen nach § 160a Abs 1 SGG und § 17a Abs 4 S 4 GVG abgesehen - nicht mit der Beschwerde an das BSG angefochten werden.

4 2. Die Kostenentscheidung beruht auf §§ 183, 193 SGG. Der Beschwerdeführer hat keine Kosten des von ihm erfolglos geführten Rechtsmittels zu tragen. Zwar greifen vorliegend - wie das LSG zu Recht ausgeführt hat - keine speziellen kostenrechtlichen Vorschriften über Gebührenfreiheit ein, wie zB §§ 4, 4a JVEG oder § 66 Abs 8 S 1 GKG, und das Rechtsmittel des Beschwerdeführers ist unstatthaft. Allerdings sind in diesem Falle grundsätzlich die allgemeinen Regelungen der §§ 183, 197a Abs 1 S 1 SGG heranzuziehen, wonach Kosten nach dem GKG nur dann erhoben werden, wenn in einem Rechtszug weder der Kläger noch der Beklagte zu den in § 183 SGG genannten Personen gehört (s Anmerkung von Loytved zu LSG München vom 7.10.2015 - L 15 RF 40/15 - jurisPR-SozR 17/2016 Anm 3 unter C mwN) . Dies ist vorliegend nicht der Fall; der Kläger ist kostenprivilegiert. Nach Sinn und Zweck des § 183 SGG ist auch die Klärung der Grenzen des Rechtsschutzes für einen privilegierten Kläger grundsätzlich gerichtskostenfrei möglich (vgl Loytved, aaO) als Annex zum Hauptsacheverfahren. Gerade für juristische Laien sind die Grenzen des Rechtsschutzes nicht immer klar erkennbar, sodass ein soziales Schutzbedürfnis als Ausfluss der Kostenprivilegierung nach § 183 SGG auch in unstatthaften Kostenstreitigkeiten der vorliegenden Art besteht.

Schlagwörter

social-law procedurecost privilegeinadmissibilitycomplaintcourt costslegal protectionlay litigant

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether a complaint to the BSG against the LSG's decision on costs is admissible.

Extrahierter Entscheid

The complaint is inadmissible because decisions of the LSG are not challengeable by complaint to the BSG, save for the statutory exceptions, which do not apply here.

Extrahierte Begründung

Under § 177 SGG, LSG decisions are generally final in this procedural context; the statutory exceptions in § 160a Abs. 1 SGG and § 17a Abs. 4 sentence 4 GVG were not applicable.

Kernrechtsfrage

Whether court costs are to be charged for the inadmissible complaint in a legally privileged social-law case.

Extrahierter Entscheid

No court costs are to be charged; the costs of the unsuccessful remedy are not to be borne by the complainant.

Extrahierte Begründung

Although special fee-free provisions did not directly apply and the remedy was inadmissible, the general rules of §§ 183, 197a Abs. 1 sentence 1 SGG lead to no GKG costs where a party in the sense of § 183 SGG is involved. The protection of a legally privileged litigant extends to clarifying the limits of judicial protection, even in inadmissible cost disputes.

Setzen Sie Ihre Recherche in ChatGPT oder Claude fort

Verbinden Sie Omnilex, um den Rechtskorpus über Ihren KI-Assistenten zu durchsuchen.