Non-admission complaint inadmissible; legal aid denied

BSG B 9 V 17/14 BBsg / Division 902.09.2014Inadmissible

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The Federal Social Court rejected the plaintiff's request for legal aid and appointed counsel, because the intended non-admission complaint offered no sufficient prospects of success. It also dismissed the complaint as inadmissible. The Court held that the complaint did not properly identify a ground for leave to appeal: alleged defects in the assessment of evidence do not amount to a cognizable procedural error, inaccuracies in the facts section must be pursued by a timely correction request, and a breach of the free-evaluation rule cannot support a procedural complaint. No out-of-court costs were awarded.

Omnilex-Regeste

§ 73a SGG i.V.m. § 114 ZPO; § 160a Abs. 2 S. 3 SGG; requirements for substantiating a non-admission complaint and limits of procedural review: legal aid before the Federal Social Court requires a sufficiently promising intended action. A complaint is inadmissible unless a statutory ground for leave to appeal is duly pleaded. A challenge based on § 128 Abs. 1 S. 2 SGG must show that decisive matters were not addressed in the reasons; mere attacks on the correctness of fact-finding or evidential evaluation are insufficient. Inaccuracies in the statement of facts cannot be raised as procedural defects by non-admission complaint but must be corrected by a timely request under § 139 Abs. 1 SGG. A complaint cannot rely on an alleged violation of free judicial assessment of evidence under § 128 Abs. 1 S. 1 SGG, because § 160 Abs. 2 Nr. 3 Halbs. 2 SGG excludes such reliance.

Gesamter Gesetzestext

BSG — B 9 V 17/14 B, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2014-09-02

Aktenzeichen: B 9 V 17/14 B

ECLI: ECLI:DE:BSG:2014:020914BB9V1714B0

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 160a Abs 2 S 3 SGG, § 160 Abs 2 Nr 3 Halbs 2 SGG, § 128 Abs 1 S 2 SGG, § 128 Abs 1 S 1 SGG, § 139 Abs 1 SGG, § 73a SGG, § 114 ZPO

Vorinstanz: vorgehend SG Koblenz, 20. April 2012, Az: S 4 VG 21/08, Urteilvorgehend Landessozialgericht Rheinland-Pfalz, 5. Februar 2014, Az: L 4 VG 10/12, Urteil

Spruchkörper: 9. Senat

Titelzeile

Nichtzulassungsbeschwerde - sozialgerichtliches Verfahren - Verfahrensfehler - Angabe der Gründe für die richterliche Überzeugung im Urteil - freie Beweiswürdigung - Unrichtigkeiten im Tatbestand - Darlegungsanforderungen - Prozesskostenhilfe

Tenor

Der Antrag der Klägerin, ihr Prozesskostenhilfe zu gewähren und Rechtsanwältin L aus B beizuordnen, wird abgelehnt.

Die Beschwerde der Klägerin gegen die Nichtzulassung der Revision im Urteil des Landessozialgerichts Rheinland-Pfalz vom 5. Februar 2014 wird als unzulässig verworfen.

Die Beteiligten haben einander für das Beschwerdeverfahren keine außergerichtlichen Kosten zu erstatten.

Gründe

1 Mit Urteil vom 5.2.2014 hat das LSG Rheinland-Pfalz einen Anspruch der Klägerin auf Gewährung von Versorgung nach dem Opferentschädigungsgesetz verneint.

2 Gegen die Nichtzulassung der Revision in dieser Entscheidung hat die Klägerin Beschwerde zum BSG eingelegt und Prozesskostenhilfe unter Beiordnung ihrer Prozessbevollmächtigten beantragt. Zur Begründung macht sie geltend, das Urteil beruhe auf einem Verfahrensmangel, weil es unzureichende tatsächliche Feststellungen enthalte. Gerügt werde insbesondere die Verletzung von § 128 Abs 1 S 2 SGG.

3 Die Klägerin hat keinen Anspruch auf Gewährung von Prozesskostenhilfe und Beiordnung ihrer Prozessbevollmächtigten. Nach § 73a SGG iVm § 114 ZPO kann einem Beteiligten für das Verfahren vor dem BSG nur dann Prozesskostenhilfe bewilligt werden, wenn die beabsichtigte Rechtsverfolgung hinreichende Aussicht auf Erfolg bietet. Dies ist hier nicht der Fall. Die von ihrer Prozessbevollmächtigten begründete Nichtzulassungsbeschwerde ist unzulässig.

4 Die Begründung genügt nicht den gesetzlichen Anforderungen, weil kein Zulassungsgrund ordnungsgemäß dargetan worden ist (vgl § 160a Abs 2 S 3 SGG) .

5 Die von der Beschwerde behaupteten Verfahrensmängel sind nicht hinreichend dargelegt.

6 Die von der Beschwerde gerügte Verletzung von § 128 Abs 1 S 2 SGG ist nicht hinreichend dargelegt. Nach dieser Vorschrift sind in dem Urteil die Gründe anzugeben, die für die richterliche Überzeugung leitend gewesen sind. Eine Rüge der Verletzung der Norm mit der Nichtzulassungsbeschwerde setzt die Darlegung voraus, dass, ausgehend von der Rechtsauffassung des LSG, wesentliche entscheidungserhebliche Gesichtspunkte, insbesondere die Tatsachenfeststellungen, in den Entscheidungsgründen nicht behandelt worden sind (Keller in Meyer-Ladewig/Keller/Leitherer, SGG, 10. Aufl 2012, § 128 RdNr 18) . Eine solche Darlegung enthält die Nichtzulassungsbeschwerde nicht. Denn sie wirft dem LSG nicht vor, bestimmte Tatsachenfeststellungen überhaupt nicht behandelt zu haben, sondern meint vielmehr, das LSG habe Tatsachen unrichtig festgestellt und in seinem Urteil falsch gewürdigt.

7 Soweit die Klägerin ihre Beschwerde deshalb darauf stützen will, der Tatbestand des Urteils enthalte falsche Feststellungen über den Verfasser eines bestimmten Schriftsatzes, übersieht sie, dass Unrichtigkeiten des Tatbestandes mit der Nichtzulassungsbeschwerde nicht als Verfahrensfehler geltend gemacht werden können. Vielmehr muss der Beteiligte, der Nachteile aus einer Unrichtigkeit im Tatbestand befürchtet, statt einer Verfahrensrüge mit der Nichtzulassungsbeschwerde innerhalb der gesetzlichen Fristen einen Tatbestandsberichtigungsantrag stellen (Kummer, Die Nichtzulassungsbeschwerde, 2. Aufl 2010, RdNr 768 unter Hinweis auf BVerwG Urteil vom 16.10.1984 - 9 C 67/83 - Juris sowie BGH Beschluss vom 22.09.2008 - II ZR 235/07 - Juris; vgl auch BSG SozR 4-1500 § 140 Nr 1) . Die Klägerin hat nicht vorgetragen, rechtzeitig innerhalb der Frist von § 139 Abs 1 SGG einen solchen Antrag auf Tatbestandsberichtigung gestellt zu haben.

8 Indem die Beschwerde darüber hinaus geltend macht, die Begründung des angefochtenen Urteils entspreche nicht den Feststellungen eines vom LSG darin zitierten rechtsmedizinischen Gutachtens aus dem staatsanwaltschaftlichen Ermittlungsverfahren und lasse vermuten, das Gericht habe dieses Gutachten gar nicht zur Kenntnis genommen, so wendet sie sich in der Sache gegen die Beweiswürdigung des LSG und die daraus gezogenen Schlussfolgerungen. Damit kann die Beschwerde nicht durchdringen. Denn nach § 160 Abs 2 Nr 3 Halbs 2 SGG kann sie den geltend gemachten Verfahrensmangel von vornherein nicht auf eine Verletzung des Grundsatzes der freien Beweiswürdigung aus § 128 Abs 1 S 1 SGG stützen.

9 Die Beschwerde ist somit ohne Zuziehung der ehrenamtlichen Richter zu verwerfen (§ 160a Abs 4 S 1 Halbs 2, § 169 SGG) .

10 Von einer weiteren Begründung sieht der Senat ab (vgl § 160a Abs 4 S 2 Halbs 2 SGG) .

11 Die Kostenentscheidung beruht auf der entsprechenden Anwendung des § 193 Abs 1 SGG.

Schlagwörter

legal aidnon-admission complaintprocedural defectfree evaluation of evidencefacts section correctionvictim compensationinadmissibility

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether legal aid and appointment of counsel should be granted for the complaint before the Federal Social Court

Extrahierter Entscheid

No. The intended legal pursuit had no sufficient prospects of success because the non-admission complaint was inadmissible.

Extrahierte Begründung

Under Section 73a SGG in conjunction with Section 114 ZPO, legal aid requires reasonable prospects of success. Since no admissible ground for leave to appeal was properly substantiated, the complaint could not succeed.

Kernrechtsfrage

Whether the non-admission complaint was admissible

Extrahierter Entscheid

No. The statement of grounds did not satisfy the statutory requirements for a properly substantiated ground for leave to appeal.

Extrahierte Begründung

The alleged procedural defects were not sufficiently pleaded. A challenge under Section 128(1)(2) SGG requires showing that decisive matters were not addressed, not merely that evidence was wrongly assessed. Errors in the facts section cannot be raised as procedural defects by non-admission complaint; a timely correction request was not shown. Complaints about free evaluation of evidence are barred by Section 160(2)(3) second half-sentence SGG.

Setzen Sie Ihre Recherche in ChatGPT oder Claude fort

Verbinden Sie Omnilex, um den Rechtskorpus über Ihren KI-Assistenten zu durchsuchen.