Admissibility of non-admission complaint on farm succession clause

BSG B 10 LW 5/15 BBsg / Division 1003.03.2016Inadmissible

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The Federal Social Court dismissed as inadmissible a complaint against the denial of leave to appeal. The farmer sought an old-age pension without transferring his farm, arguing that no successor was available and that the farm transfer clause was unconstitutional. The court held that the complaint did not properly substantiate the asserted ground of fundamental importance because it failed to engage with settled case law of the Federal Social Court and the Federal Constitutional Court. The court also ordered that no out-of-court costs be reimbursed.

Omnilex-Regeste

§ 160a Abs. 2 sentence 3 SGG; non-admission complaint based on fundamental importance requires substantiated presentation of a federal-law question needing clarification. A question already answered by the higher courts is not again in need of clarification unless the complaint identifies new, substantial arguments from later doctrine or jurisprudence. Mere repetition of the appellant’s own view is insufficient; a meaningful engagement with the relevant precedent is required (consid. 6).

Gesamter Gesetzestext

BSG — B 10 LW 5/15 B, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2016-03-03

Aktenzeichen: B 10 LW 5/15 B

ECLI: ECLI:DE:BSG:2016:030316BB10LW515B0

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 160a Abs 2 S 3 SGG, § 160 Abs 2 Nr 1 SGG, § 11 Abs 1 Nr 3 ALG, § 21 ALG, Art 2 Abs 1 GG, Art 3 Abs 1 GG, Art 12 GG, Art 14 Abs 1 GG

Vorinstanz: vorgehend SG Nürnberg, 8. Juli 2015, Az: S 16 LW 6/13, Urteilvorgehend Bayerisches Landessozialgericht, 14. September 2015, Az: L 1 LW 14/13, Beschluss

Spruchkörper: 10. Senat

Titelzeile

Nichtzulassungsbeschwerde - Alterssicherung der Landwirte - Verfassungsmäßigkeit der Hofabgabeklausel - keine klärungsbedürftigen Rechtsfragen

Tenor

Die Beschwerde des Klägers gegen die Nichtzulassung der Revision im Beschluss des Bayerischen Landessozialgerichts vom 14. September 2015 wird als unzulässig verworfen.

Die Beteiligten haben einander für das Beschwerdeverfahren keine außergerichtlichen Kosten zu erstatten.

Gründe

1 I. Der Kläger begehrt die Zahlung einer Altersrente aus der landwirtschaftlichen Altersvorsorge ohne Hofabgabe.

2 Der 1944 geborene Kläger ist Landwirt und beantragte 2012, ihm Regelaltersrente nach dem Gesetz über die Alterssicherung für Landwirte (ALG) zu gewähren, obwohl er sein landwirtschaftliches Unternehmen weiterführte. Eine Hofabgabe sei unmöglich, weil ein Nachfolger fehle.

3 Die beklagte Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau lehnte den Antrag ab (Bescheid vom 8.11.2012, Widerspruchsbescheid vom 21.2.2013) . Klage und Berufung blieben ebenfalls ohne Erfolg (Urteil vom 8.7.2013, Beschluss vom 14.9.2015). Das LSG hat ua unter Berufung auf die Rechtsprechung des Senats ausgeführt, das Erfordernis der Hofabgabe verletze keine Grundrechte des Klägers.

4 Mit seiner Beschwerde gegen die Nichtzulassung der Revision in dem angefochtenen Beschluss macht der Kläger geltend, das LSG habe die grundsätzliche Bedeutung der Rechtssache verkannt.

5 II. Die Nichtzulassungsbeschwerde des Klägers ist unzulässig. Die Begründung genügt nicht den gesetzlichen Anforderungen, weil der allein geltend gemachte Zulassungsgrund der grundsätzlichen Bedeutung nicht ordnungsgemäß dargetan worden ist (vgl § 160a Abs 2 S 3 SGG) .

6 Grundsätzliche Bedeutung hat eine Rechtssache nur dann, wenn sie eine Rechtsfrage aufwirft, die allgemeine, über den Einzelfall hinausgehende Bedeutung besitzt (BSGE 40, 158 = SozR 1500 § 160a Nr 11; BSG SozR 1500 § 160a Nr 39) und die Anwendung mindestens einer Vorschrift des Bundesrechts betrifft (siehe § 162 SGG) . Rechtsfragen, die in diesem Sinne klärungsbedürftig sein könnten, sind hier nicht ersichtlich. Denn die Klärungsbedürftigkeit einer aufgeworfenen Rechtsfrage ist ua zu verneinen, wenn diese bereits höchstrichterlich beantwortet ist (vgl BSG SozR 1500 § 160 Nr 51; BSG SozR 1500 § 160a Nr 13, 65) . Falls zu der Rechtsfrage schon Rechtsprechung eines obersten Bundesgerichts oder des BVerfG vorliegt, kommt es darauf an, ob sie erneut klärungsbedürftig geworden ist. Das ist insbesondere der Fall, wenn im neueren Schrifttum bislang noch nicht berücksichtigte Argumente angeführt oder sonst erhebliche Einwände vorgebracht werden (vgl BSG SozR 3-1500 § 160a Nr 21 S 38; Nr 23 S 42; BSG SozR 3-4100 § 111 Nr 1 S 2 f; siehe auch BSG SozR 3-2500 § 240 Nr 33 S 151 f, jeweils mwN) . Zur Darlegung der (erneuten) Klärungsbedürftigkeit reicht es dagegen nicht aus, lediglich die eigene Rechtsmeinung auszubreiten. Vielmehr ist eine substanzielle Auseinandersetzung mit den einschlägigen oberstgerichtlichen Entscheidungen erforderlich (vgl BSG Beschluss vom 10.12.2012 - B 13 R 361/12 B - Juris RdNr 6) . Hieran fehlt es vorliegend vollständig. Die Beschwerde setzt sich in keiner Weise mit den Entscheidungen des Senats zur Hofabgabeklausel auseinander und zeigt daher den (erneuten) Klärungsbedarf nicht auf. Wie der Senat bereits mit Beschlüssen vom 29.8.2012 (ua - B 10 LW 5/12 B - und - B 10 LW 7/12 B - Juris) entschieden hat, sind die Rechtsfragen, ob § 11 iVm § 21 ALG mit dem Grundsatz der Gleichbehandlung nach Art 3 Abs 1 GG vereinbar sind, ob die Hofabgabeklausel des § 21 ALG wegen Verstoßes gegen Art 12 oder 14 Abs 1 GG verfassungswidrig ist und ob die Hofabgabeklausel gegen die nach Art 2 Abs 1 GG gewährleistete allgemeine Handlungsfreiheit verstößt, nicht klärungsbedürftig (vgl BSG Beschluss vom 4.9.2013 - B 10 LW 4/13 B - Juris; Beschluss vom 29.8.2012 - B 10 LW 5/12 B - RdNr 11 mwN zur Rspr des BVerfG) . Ob der Gesetzgeber die Regelungen der landwirtschaftlichen Altersversorgung in Zukunft zu verändern plant, spielt für den Fall des Klägers derzeit keine Rolle.

7 Die Beschwerde ist somit ohne Zuziehung der ehrenamtlichen Richter zu verwerfen (§ 160a Abs 4 S 1 Halbs 2, § 169 SGG) .

8 Von einer weiteren Begründung sieht der Senat ab (vgl § 160a Abs 4 S 2 Halbs 2 SGG).

9 Die Kostenentscheidung beruht auf der entsprechenden Anwendung des § 193 Abs 1 SGG.

Schlagwörter

non-admission complaintfundamental importancefarm transfer clauseold-age pensionconstitutional challengeadmissibilitycosts

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the non-admission complaint adequately substantiated the ground of fundamental importance under § 160a(2) sentence 3 SGG.

Extrahierter Entscheid

No. The complaint did not engage with the existing higher-court case law on the farm transfer clause and therefore failed to show a need for further clarification.

Extrahierte Begründung

Fundamental importance requires a generally relevant federal-law question that is still in need of clarification. Where the Federal Social Court and the Federal Constitutional Court have already answered the question, renewed need for clarification must be substantiated with new arguments. The appellant merely stated his own legal view and did not address the relevant precedent.

Kernrechtsfrage

Whether the constitutional objections to the farm transfer clause under the Farmers' Old-Age Security Act created a need for further clarification.

Extrahierter Entscheid

No. The questions concerning compatibility of §§ 11 and 21 ALG with Articles 2(1), 3(1), 12 and 14(1) GG had already been held not to require clarification.

Extrahierte Begründung

The Senate referred to its prior decisions and found no newly developed, substantial counterarguments. Planned future legislative change was irrelevant to the present case.

Kernrechtsfrage

Costs of the complaint proceedings.

Extrahierter Entscheid

No out-of-court costs are to be reimbursed between the parties.

Extrahierte Begründung

The court applied the costs rule by analogy under § 193(1) SGG.

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