Objective market value as theft sentencing criterion

BGH 3 StR 136/17Bgh / III. Strafkammer30.05.2017Dismissed

Zusammenfassung

The Federal Court of Justice dismissed the defendants' revisions against the Düsseldorf Regional Court judgment as unfounded. It held that, for sentencing in theft cases, the objective market value of the stolen goods is the relevant benchmark. Where items are taken from retail premises and intended for sale, the gross retail price, including VAT, may be used; there is no need to determine net acquisition costs. The court also approved the refusal to deduct seasonal promotional markdowns, as the regular sales price reflects the market's valuation.

Regest

§§ 243 Abs. 2, 248a StGB; objectifying valuation of stolen goods for sentencing and low-value threshold: The objective market value of the stolen item at the time of the offense is the decisive criterion both for assessing the harm value in sentencing and for determining the low-value threshold. Where the item is intended for retail sale and is taken from the merchant's possession, its concrete sales price constitutes the actual market price; gross retail price, including VAT, is relevant. Acquisition or production costs are not controlling. Seasonal or other promotional reductions need not be deducted where the ordinary sales price reflects the market valuation (consid. 1-2).

Gesamter Gesetzestext

BGH — 3 StR 136/17, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2017-05-30

Aktenzeichen: 3 StR 136/17

ECLI: ECLI:DE:BGH:2017:300517B3STR136.17.0

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 243 Abs 2 StGB, § 248a StGB

Vorinstanz: vorgehend LG Düsseldorf, 16. November 2016, Az: 4 KLs 10/16

Spruchkörper: 3. Strafsenat

Titelzeile

Bestimmung des Erfolgsunwertes bei Diebstahlstaten: Objektiver Verkehrswert der gestohlenen Sache als taugliches Strafzumessungskriterium; Geringwertigkeitsgrenze

Tenor

Die Revisionen der Angeklagten gegen das Urteil des Landgerichts Düsseldorf vom 16. November 2016 werden als unbegründet verworfen, da die Nachprüfung des Urteils auf Grund der Revisionsrechtfertigungen keinen Rechtsfehler zum Nachteil der Angeklagten ergeben hat.

Jeder Beschwerdeführer hat die Kosten seines Rechtsmittels zu tragen.

Zu den Verfahrensrügen des Angeklagten V. und der näher ausgeführten Sachbeschwerde des Angeklagten L. bemerkt der Senat ergänzend:

  1. Das Landgericht hat im Rahmen der Strafzumessung, um den Erfolgsunwert der Diebstahlstaten zu bestimmen, rechtsfehlerfrei auf den Bruttoverkaufspreis der in den Geschäftsräumen des Einzelhandels entwendeten Kleidungsartikel abgestellt; es war nicht gehalten, den Nettoeinkaufspreis zu ermitteln:

Der objektive Verkehrswert der gestohlenen Sache zum Zeitpunkt der Tat stellt ein taugliches Strafzumessungskriterium dar. Die Grenze der Geringwertigkeit nach § 243 Abs. 2 und § 248a StGB, in der nach der gesetzlichen Wertung ein erheblich verminderter Erfolgsunwert zum Ausdruck kommt (vgl. Schäfer/Sander/van Gemmeren, Praxis der Strafzumessung, 5. Aufl., Rn. 581), richtet sich ebenfalls nach diesem Wert (vgl. BGH, Beschluss vom 29. Oktober 1980 - 4 StR 534/80, NStZ 1981, 62, 63; ferner RG, Urteil vom 12. November 1917 - 1 D 437/17, GA 65 [1918], 545, 546; OLG Düsseldorf, Beschluss vom 16. März 1987 - 5 Ss 44/87 - 48/87 I, NJW 1987, 1958).

Ist die Sache beim Gewahrsamsinhaber zum Verkauf bestimmt, so bemisst sich der objektive Verkehrswert nach ihrem konkreten Verkaufspreis als dem tatsächlichen Marktpreis (vgl. SSW-StGB/Kudlich, 3. Aufl., § 243 Rn. 43; MüKoStGB/Schmitz, 2. Aufl., § 243 Rn. 67; LK/Vogel, StGB, 12. Aufl., § 243 Rn. 58). Auch die im Einzelhandel ausgewiesene Umsatzsteuer ist dabei Bestandteil dieses Preises (s. AG Kassel, Urteil vom 12. Dezember 2012 - 282 Ds - 2820 Js 13802/12, juris Rn. 35). Auf Wiederbeschaffungs- oder Herstellungskosten kommt es für die Verkehrswertbemessung hingegen nicht an (vgl. LK/Vogel, aaO). Das gilt umso mehr, als anderenfalls der Verkehrswert von schuldindifferenten Zufälligkeiten abhinge, beispielsweise davon, ob in Verkaufsräumlichkeiten Ware, die ein Kunde bereits an sich genommen hat, vor oder nach dem Bezahlvorgang gestohlen wird.

  1. Ebenso ohne Rechtsfehler hat das Landgericht davon abgesehen, bei der Tat II. 5 etwaige saisonbedingte Preisreduzierungen zur Verkaufsförderung in Abzug zu bringen. Der dem zugrundeliegende Gedanke, dass der reguläre Verkaufspreis die Wertvorstellung der Marktteilnehmer prägt, ist sachlich nicht zu beanstanden.
SchäferGerickeSpaniol
BergHoch

Schlagwörter

theftsentencingmarket valueretail pricelow-value thresholdcostsVATrevision