Youth sentence: consideration of unlawful delay in educational need

BGH 4 StR 73/17Bgh / Criminal Chamber 409.05.2017Dismissed

Zusammenfassung

In this juvenile criminal cassation decision, the Federal Court of Justice dismissed the defendants’ revisions against a judgment of the Regional Court of Münster. It held that the lower court had correctly taken account of an unlawful delay when determining the extent of educational need. For educational measures and disciplinary sanctions under §§ 10(1) no. 4 and 15(1) no. 4 JGG, the execution-solution approach is not appropriate because it would not adequately serve the educational purpose of juvenile law. The appellants were ordered to bear the costs of their own remedies.

Regest

§§ 10 Abs. 1 Nr. 4, 15 Abs. 1 Nr. 4 JGG; Berücksichtigung einer rechtsstaatswidrigen Verfahrensverzögerung bei Jugendmaßregeln und Zuchtmitteln: Die rechtsstaatswidrige Verfahrensverzögerung ist bei der Bemessung des Erziehungsbedarfs zu berücksichtigen. Bei Weisungen und Auflagen ist eine Kompensation im Wege der Vollstreckungslösung regelmäßig ungeeignet, weil sie den erzieherischen Zweck der jugendstrafrechtlichen Maßnahmen nicht wahrt. Maßgeblich ist vielmehr eine Berücksichtigung bereits auf der Ebene der Rechtsfolgenbemessung; dies gilt jedenfalls dort, wo die Sanktion primär erzieherischen Zwecken dient (vgl. BGHSt 52, 124; consid. ergänzend).

Gesamter Gesetzestext

BGH — 4 StR 73/17, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2017-05-09

Aktenzeichen: 4 StR 73/17

ECLI: ECLI:DE:BGH:2017:090517B4STR73.17.0

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 10 Abs 1 Nr 4 JGG, § 15 Abs 1 Nr 4 JGG, Art 6 Abs 1 S 1 MRK

Vorinstanz: vorgehend LG Münster, 4. November 2016, Az: 31 KLs 2/16

Spruchkörper: 4. Strafsenat

Titelzeile

Jugendstrafsache: Berücksichtigung einer rechtsstaatswidrigen Verfahrensverzögerung bei der Bestimmung des Maßes des Erziehungsbedarfs

Tenor

Die Revisionen der Angeklagten gegen das Urteil des Landgerichts Münster vom 4. November 2016 werden als unbegründet verworfen, da die Nachprüfung des Urteils auf Grund der Revisionsrechtfertigungen keinen Rechtsfehler zum Nachteil der Angeklagten ergeben hat (§ 349 Abs. 2 StPO).

Jeder Beschwerdeführer hat die Kosten seines Rechtsmittels zu tragen.

Ergänzend bemerkt der Senat:

Rechtsfehlerfrei hat das Landgericht die eingetretene rechtsstaatswidrige Verfahrensverzögerung bei der Bestimmung des Maßes des Erziehungsbedarfs berücksichtigt. Bei den hier angeordneten Auflagen (§ 15 Abs. 1 Nr. 4 JGG) und Weisungen (§ 10 Abs. 1 Nr. 4 JGG) ist die Anwendung der Vollstreckungslösung (BGH - GS -, Beschluss vom 17. Januar 2008 - GSSt 1/07, BGHSt 52, 124) nicht geeignet, die mit Erziehungsmaßregeln und Zuchtmitteln verfolgten erzieherischen Zwecke zu erreichen und damit dem Erziehungsgedanken Rechnung zu tragen (so auch OLG Hamm, Beschluss vom 8. Dezember 2011 - III-3 RVs 102/11, StRR 2012, 110, zum Jugendarrest; vgl. hingegen zur Jugendstrafe BGH, Beschlüsse vom 27. November 2008 - 5 StR 495/08, NStZ 2010, 94, und vom 28. September 2010 - 5 StR 330/10, NStZ 2011, 524, 525).

Sost-ScheibleRoggenbuckCierniak
BenderFeilcke

Schlagwörter

juvenile criminal lawprocedural delayeducational needrevisionsjuvenile measuressanctionscosts