Concurrent drug possession, gang trafficking and trafficking

BGH 3 StR 427/16Bgh / III. Strafkammer07.03.2017Partially Granted

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The Federal Court partly granted the defendant’s cassation appeal against the Duisburg Regional Court. It corrected the concurrence analysis in a narcotics case: the simultaneous possession of various drug quantities intended partly for resale and partly for personal consumption forms one BtMG offense; acquisition is absorbed into possession. The gang trafficking, trafficking, and possession remained in ideal concurrence. The conviction for acquisition was set aside. The court amended the conviction accordingly and left the four-year prison term in place as the single sentence. The remainder of the appeal was rejected, and the defendant had to bear the costs of the remedy.

Omnilex-Regeste

§ 29a Abs. 1 Nr. 2 BtMG, § 30a Abs. 1 BtMG, § 52 StGB; concurrence of narcotics offenses and absorption of acquisition by possession: simultaneous possession of several drug quantities, even if stored separately and intended partly for resale and partly for personal use, constitutes only one possession offense. Acquisition merges into possession where the acquired substances are included in the later possession. Gang trafficking and ordinary trafficking may stand in ideal concurrence with possession; possession can link the offenses into a single act in the sense of § 52 StGB when the possession encompasses both the gang-related and the non-gang-related dealings. A mere correction of concurrence does not necessarily require reassessment of the sentence if guilt and unlawfulness are not materially affected (consid. 4-6).

Gesamter Gesetzestext

BGH — 3 StR 427/16, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2017-03-07

Aktenzeichen: 3 StR 427/16

ECLI: ECLI:DE:BGH:2017:070317B3STR427.16.0

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 29a Abs 1 Nr 2 BtMG, § 30a Abs 1 BtMG, § 52 StGB

Vorinstanz: vorgehend LG Duisburg, 8. Juli 2016, Az: 36 KLs 7/16

Spruchkörper: 3. Strafsenat

Titelzeile

Idealkonkurrenz: Konkurrenzverhältnis zwischen Betäubungsmittelbesitz, Bandenhandel mit Betäubungsmitteln und dem Handeltreiben mit Betäubungsmitteln

Tenor

  1. Auf die Revision des Angeklagten wird das Urteil des Landgerichts Duisburg vom 8. Juli 2016 - soweit es ihn betrifft - im Schuld- und Strafausspruch dahin geändert, dass der Angeklagte wegen Bandenhandels mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge in Tateinheit mit Handeltreiben mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge und Besitz von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren verurteilt wird.

  2. Die weitergehende Revision wird verworfen.

  3. Der Beschwerdeführer hat die Kosten seines Rechtsmittels zu tragen.

Gründe

1 Das Landgericht hat den Angeklagten wegen Bandenhandels mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge in Tateinheit mit Besitz von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge, wegen Handeltreibens mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge in Tateinheit mit Erwerb von Betäubungsmitteln sowie wegen Besitzes von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von vier Jahren verurteilt. Die auf die allgemeine Sachrüge gestützte Revision des Angeklagten hat den aus der Beschlussformel ersichtlichen Teilerfolg; im Übrigen ist das Rechtsmittel unbegründet im Sinne des § 349 Abs. 2 StPO.

2 1. Nach den Feststellungen des Landgerichts erwarben der Angeklagte und die beiden Mitangeklagten aufgrund einer entsprechenden Abrede regelmäßig größere Mengen Marihuana und Haschisch, die sie jeweils zur Hälfte gewinnbringend weiterveräußerten sowie zum Eigenkonsum verwendeten. Unabhängig von den Mitangeklagten bezog der Angeklagte außerdem größere Mengen Amphetamin, das er ebenfalls gewinnbringend weiterveräußern sowie zu einem geringen Teil selbst konsumieren wollte; der zum Eigenkonsum bestimmte Anteil wies einen Wirkstoffgehalt auf, der unterhalb des Grenzwerts der nicht geringen Menge lag. Schließlich erwarb der Angeklagte ebenfalls unabhängig von den Mitangeklagten regelmäßig größere Mengen Kokain zum Eigenkonsum.

3 2. Die Feststellungen tragen zwar die Verurteilung des Angeklagten wegen Bandenhandels mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge, wegen Handeltreibens mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge und wegen Besitzes von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge. Die konkurrenzrechtliche Beurteilung hält rechtlicher Überprüfung indes nicht stand; infolgedessen entfällt der Schuldspruch wegen Erwerbs von Betäubungsmitteln.

4 Das Landgericht hat zutreffend ausgeführt, dass allein der - hier vorliegende - gleichzeitige Besitz zum Handel bestimmter Betäubungsmittelmengen aus verschiedenen Liefervorgängen nicht geeignet ist, Tateinheit zwischen den selbständigen Taten des Handeltreibens zu begründen (BGH, Urteil vom 11. Januar 2000 - 5 StR 444/99, NStZ 2000, 431). Es hat indes nicht bedacht, dass der gleichzeitige Besitz verschiedener, zum Eigenkonsum bestimmter Betäubungsmittelmengen nur einen Verstoß gegen das BtMG darstellt (BGH, Beschluss vom 19. August 1981 - 1 StR 749/81, StV 1982, 524; Urteil vom 8. April 1997 - 1 StR 65/97, NStZ-RR 1997, 227). Das gilt auch dann, wenn - wie hier - verschiedene Rauschgiftmengen separat an unterschiedlichen Orten aufbewahrt werden (BGH, Beschluss vom 12. Oktober 2004 - 4 StR 358/04, BGHR BtMG § 29a Abs. 1 Nr. 2 Besitz 4). Der Erwerb der Betäubungsmittel geht in diesen Fällen in dem Besitz von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge auf (BGH, Beschluss vom 5. Juli 1994 - 1 StR 304/94, NStZ 1994, 548; Urteil vom 8. April 1997 - 1 StR 65/97, NStZ-RR 1997, 227).

5 Da die von dem Angeklagten erworbenen Mengen von Marihuana und Haschisch sowie Amphetamin von vornherein teils zum Handeltreiben und teils zum Eigenkonsum bestimmt waren, besteht zwischen dem (einheitlichen) Besitz von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge sowie dem Bandenhandel mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge und dem Handeltreiben mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge jeweils Tateinheit im Sinne von § 52 StGB (BGH, Beschluss vom 19. September 2001 - 3 StR 268/01, BGHR BtMG § 29 Abs. 1 Nr. 1 Konkurrenzen 5). Der Besitz von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge verklammert überdies den Bandenhandel mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge und das Handeltreiben mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge zu einer Tat im Rechtssinne, weil nur der Bandenhandel mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge schwerer wiegt (vgl. dazu BGH, Beschlüsse vom 26. März 1982 - 2 StR 700/81, BGHSt 31, 29, 30 f.; vom 13. Januar 2010 - 4 StR 562/09, juris Rn. 2).

6 3. Die Schuldspruchänderung hat zur Folge, dass die festgesetzten Einzelstrafen entfallen. Die vom Landgericht gebildete Gesamtstrafe kann indes als Einzelstrafe bestehen bleiben (§ 354 Abs. 1 analog StPO), weil der Unrechts- und Schuldgehalt durch die geänderte Beurteilung der Konkurrenzverhältnisse hier nicht berührt wird.

7 4. Der geringfügige Erfolg des Rechtsmittels gebietet es nicht, den Angeklagten aus Billigkeitsgründen auch nur teilweise von der Belastung mit Kosten und notwendigen Auslagen freizustellen (§ 473 Abs. 4 StPO).

BeckerSchäferGericke
TiemannHoch

Schlagwörter

narcotics offensesconcurrenceideal concurrencepossessiongang traffickingtraffickingacquisitionsentencingcassationcosts

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether possession, gang trafficking and trafficking in narcotics are in concurrence or one excluded by the other

Extrahierter Entscheid

The court held that the possession of narcotics in non-negligible quantity, the gang trafficking, and the trafficking were in ideal concurrence; the acquisition merged into possession.

Extrahierte Begründung

Simultaneous possession of multiple drug quantities intended partly for resale and partly for personal use constitutes one BtMG offense. Separate storage locations do not change this. Acquisition is absorbed into possession. The possession also links gang trafficking and trafficking into one act under § 52 StGB.

Kernrechtsfrage

Whether the conviction for acquisition of narcotics must remain

Extrahierter Entscheid

The conviction for acquisition was set aside because the acquisition was absorbed by possession.

Extrahierte Begründung

Where the drugs acquired were already included in the later possession, acquisition does not survive as a separate offense.

Kernrechtsfrage

Whether the sentence had to be recalculated after the conviction change

Extrahierter Entscheid

The individual sentences fell away, but the total sentence could stand as the new single sentence because the culpability and unlawfulness were not affected by the concurrence correction.

Extrahierte Begründung

The concurrence correction did not change the underlying wrongfulness and guilt in a way requiring a new sentencing assessment; the previous total sentence was maintained as the single term of imprisonment.

Kernrechtsfrage

Whether the defendant should be exempted from costs due to partial success of the appeal

Extrahierter Entscheid

No partial relief from costs was granted; the defendant bears the costs of the remedy.

Extrahierte Begründung

The appeal succeeded only to a minor extent, which did not justify cost relief on grounds of equity.

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