Hit-and-run concurrence and partial termination under revision

BGH 4 StR 401/16Bgh / Criminal Chamber 401.02.2017Partially Granted

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The Federal Court partially granted the defendant’s revision. It discontinued and limited the prosecution regarding the hit-and-run conviction because the concurrence question was doubtful: traffic offences during a continuous escape drive are usually in unity, but a separate offence could arise where the defendant later left the accident scene on foot. As a result, the four-month sentence for hit-and-run was removed, yet the overall prison sentence of seven years and six months remained unchanged. The remainder of the revision was dismissed, and the defendant was ordered to bear the remaining appeal costs.

Omnilex-Regeste

§ 154 Abs. 2, § 154a Abs. 2 StPO; concurrence of road traffic offences and unauthorized leaving the scene of an accident: traffic violations committed during one uninterrupted escape drive are generally in ideal concurrence; however, a separate act of leaving the scene may be present where the offender departs on foot after the escape drive has ended. If the challenged count is discontinued, the individual sentence attached to it falls away; the overall sentence may nevertheless remain if the reviewing court can exclude that the trial court would have imposed a lower aggregate sentence without that count (consid. 2-4).

Gesamter Gesetzestext

BGH — 4 StR 401/16, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2017-02-01

Aktenzeichen: 4 StR 401/16

ECLI: ECLI:DE:BGH:2017:010217B4STR401.16.0

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 52 StGB, § 53 StGB, § 142 StGB

Vorinstanz: vorgehend LG Coburg, 9. Mai 2016, Az: 108 Js 4951/15 - 1 KLs

Spruchkörper: 4. Strafsenat

Titelzeile

Unerlaubtes Entfernen vom Unfallort: Konkurrenzverhältnis bei mehreren Verkehrsverstößen im Rahmen der Fluchtfahrt und Entfernen zu Fuß nach Beendigung der Fluchtfahrt

Tenor

  1. Das Verfahren wird gemäß § 154 Abs. 2 StPO eingestellt und die Verfolgung gemäß § 154a Abs. 2 StPO beschränkt, soweit der Angeklagte wegen unerlaubten Entfernens vom Unfallort verurteilt worden ist. Insoweit trägt die Staatskasse die Kosten des Verfahrens und die notwendigen Auslagen des Angeklagten.

  2. Auf die Revision des Angeklagten wird das Urteil des Landgerichts Coburg vom 9. Mai 2016 im Schuldspruch dahin geändert, dass er wegen unerlaubten Handeltreibens mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge in 14 Fällen und wegen fahrlässiger Straßenverkehrsgefährdung in Tateinheit mit vorsätzlichem Fahren ohne Fahrerlaubnis verurteilt ist.

  3. Die weiter gehende Revision wird verworfen.

  4. Der Angeklagte hat die übrigen Kosten des Rechtsmittels zu tragen.

Gründe

1 Das Landgericht hat den Angeklagten unter Freispruch im Übrigen wegen unerlaubten Handeltreibens mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge in 14 Fällen, fahrlässiger Straßenverkehrsgefährdung in Tateinheit mit vorsätzlichem Fahren ohne Fahrerlaubnis und wegen unerlaubten Entfernens vom Unfallort zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von sieben Jahren und sechs Monaten verurteilt. Es hat seine Unterbringung in einer Entziehungsanstalt angeordnet, einen Vorwegvollzug von 21 Monaten der Freiheitsstrafe angeordnet und die Verwaltungsbehörde angewiesen, dem Angeklagten vor Ablauf von drei Jahren keine neue Fahrerlaubnis zu erteilen.

2 Der Senat stellt das Verfahren auf Antrag des Generalbundesanwalts gemäß § 154 Abs. 2 StPO ein bzw. beschränkt gemäß § 154a Abs. 2 StPO die Verfolgung auf die übrigen Tatvorwürfe, soweit der Angeklagte wegen unerlaubten Entfernens vom Unfallort verurteilt worden ist, weil die konkurrenzrechtliche Beurteilung dieser Tat zweifelhaft ist. Zwar werden Verkehrsverstöße, die der Täter im Verlaufe einer einzigen, ununterbrochenen Fluchtfahrt begeht, nach ständiger Rechtsprechung tateinheitlich verübt (vgl. BGH, Beschluss vom 20. Februar 2001 - 4 StR 556/00, NZV 2001, 265, 266 mwN). Hier allerdings könnte entgegen der Auffassung des Generalbundesanwalts ein (weiteres) tatmehrheitliches Entfernen vom Unfallort gegeben sein, weil sich der Angeklagte nach Beendigung der Fluchtfahrt zu Fuß vom Unfallort entfernt hat (vgl. OLG Hamm, VRS 18, 113, 114; vgl. auch BGH, Urteil vom 5. Juni 1973 - 4 StR 234/73, VRS 45, 177).

3 Die Teileinstellung führt zum Wegfall der wegen des unerlaubten Entfernens vom Unfallort verhängten Freiheitsstrafe von vier Monaten. Die Gesamtfreiheitsstrafe kann dennoch bestehen bleiben. Angesichts der weiteren Freiheitsstrafen von vier Jahren sechs Monaten, vier Jahren vier Monaten, vier Jahren zwei Monaten, achtmal drei Jahren zehn Monaten, zweimal drei Jahren drei Monaten, zwei Jahren neun Monaten und ein Jahr zwei Monaten schließt der Senat aus, dass der Tatrichter ohne die Verurteilung wegen unerlaubten Entfernens vom Unfallort eine niedrigere Strafe verhängt hätte.

4 Die Nachprüfung des Urteils auf Grund der Revisionsrechtfertigung hat im Übrigen keinen Rechtsfehler zum Nachteil des Angeklagten ergeben.

Sost-ScheibleRoggenbuckCierniak
BenderQuentin

Schlagwörter

hit-and-runconcurrenceescape driverevisionsentencepartial terminationcostsdriving without a licencedrug trafficking

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the conviction for unauthorized leaving the scene of an accident should be discontinued or limited due to uncertain concurrence with other offences.

Extrahierter Entscheid

The prosecution was terminated under Section 154(2) StPO and limited under Section 154a(2) StPO insofar as the defendant had been convicted of hit-and-run.

Extrahierte Begründung

The concurrence assessment was doubtful because, although traffic violations during one uninterrupted escape drive are usually in ideal concurrence, a separate offence could exist where the defendant left the scene on foot after the escape drive had ended.

Kernrechtsfrage

Whether the sentence must be adjusted after the hit-and-run count is removed.

Extrahierter Entscheid

The four-month sentence for hit-and-run fell away, but the overall seven-year-and-six-month prison sentence remained intact.

Extrahierte Begründung

Given the remaining substantial individual prison sentences, the court excluded that the trial court would have imposed a lower overall sentence without the hit-and-run conviction.

Kernrechtsfrage

Whether the remaining revision arguments disclosed any further legal error.

Extrahierter Entscheid

No further legal error adverse to the defendant was found.

Extrahierte Begründung

The judgment was otherwise reviewed and found free of reversible error.

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