Duty to notify plea-related talks in open hearing

BGH 5 StR 607/16Bgh / Criminal Chamber 524.01.2017Dismissed

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The Federal Court of Justice rejected the defendant’s revision against the Chemnitz Regional Court judgment. The only relevant complaint concerned an alleged breach of the court’s duty to disclose plea-related discussions under § 243(4) sentence 1 StPO. The Senate held that the discussions had taken place in a public main hearing before the case was referred under § 270(1) StPO, in the presence of the defendant and his counsel, and therefore were not covered by the statutory notification duty. No analogous application of § 243(4) StPO was justified. The revision was therefore unfounded and the defendant had to bear the costs.

Omnilex-Regeste

§ 243 Abs. 4 S. 1 StPO; Verständigungsgespräche in öffentlicher Hauptverhandlung vor Verweisung nach § 270 Abs. 1 StPO: Die Mitteilungspflicht über verständigungsbezogene Erörterungen erfasst nur Gespräche im Sinne von §§ 202a, 212 StPO bzw. außerhalb der öffentlichen Hauptverhandlung. Werden entsprechende Erörterungen in öffentlicher Hauptverhandlung in Anwesenheit des Angeklagten und seines Verteidigers geführt, besteht keine Mitteilungspflicht; eine analoge Anwendung des § 243 Abs. 4 S. 1 StPO scheidet aus, weil es an einer planwidrigen Regelungslücke und an der vergleichbaren Interessenlage fehlt (vgl. Erwägungen des Senats).

Gesamter Gesetzestext

BGH — 5 StR 607/16, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2017-01-24

Aktenzeichen: 5 StR 607/16

ECLI: ECLI:DE:BGH:2017:240117B5STR607.16.0

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 243 Abs 4 S 1 StPO, § 257c StPO

Vorinstanz: vorgehend LG Chemnitz, 28. September 2016, Az: 840 Js 33876/14 - 6 KLs

Spruchkörper: 5. Strafsenat

Titelzeile

Strafverfahren: Gerichtliche Mitteilungspflicht bei verständigungsbezogenen Erörterungen in der Hauptverhandlung

Tenor

Die Revision des Angeklagten gegen das Urteil des Landgerichts Chemnitz vom 28. September 2016 wird als unbegründet verworfen, da die Nachprüfung des Urteils auf Grund der Revisionsrechtfertigung keinen Rechtsfehler zum Nachteil des Angeklagten ergeben hat.

Der Beschwerdeführer hat die Kosten des Rechtsmittels zu tragen.

Ergänzend bemerkt der Senat:

Die Rüge einer Verletzung von § 243 Abs. 4 Satz 1 StPO dringt schon deshalb nicht durch, weil es sich bei den Gesprächen vor dem Schöffengericht vor der Verweisung nach § 270 Abs. 1 StPO nicht um solche im Sinne von §§ 202a, 212 StPO gehandelt hat, sondern diese in einer öffentlichen Hauptverhandlung in Anwesenheit des Angeklagten und seines Verteidigers geführt wurden. Für solche Konstellationen sieht der Senat auch keinen Anlass für eine analoge Anwendung von § 243 Abs. 4 Satz 1 StPO.

SanderSchneiderDölp
KönigMosbacher

Schlagwörter

revisionnotification dutyplea discussionspublic hearinganalogycriminal procedure

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the court had to notify plea-related discussions under § 243(4) sentence 1 StPO for talks held in a public hearing before referral under § 270(1) StPO.

Extrahierter Entscheid

No. The discussions were not talks within §§ 202a, 212 StPO, but were held in a public main hearing in the presence of the defendant and defense counsel; no analogous application of § 243(4) sentence 1 StPO was warranted.

Extrahierte Begründung

The statutory notification duty is aimed at plea-related talks conducted outside a public main hearing. Here, the talks took place openly before the Schöffengericht with the defendant and counsel present, so the rationale for the disclosure requirement did not apply.

Setzen Sie Ihre Recherche in ChatGPT oder Claude fort

Verbinden Sie Omnilex, um den Rechtskorpus über Ihren KI-Assistenten zu durchsuchen.