PKH for joint plaintiff on appeal requires new financial disclosure

BGH 5 StR 95/17Bgh / Criminal Chamber 525.04.2017Dismissed

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The joint plaintiff E. requested legal aid with appointment of counsel for the revision stage after the defendant filed a revision. The Federal Court of Justice rejected the request because legal aid must be granted separately for each instance and requires renewed disclosure of financial circumstances, preferably on the prescribed form. No sufficient renewed disclosure was made, and the court had no duty to investigate ex officio. In addition, legal representation was unnecessary because only the defendant’s revision was pending and it was unfounded.

Omnilex-Regeste

§ 397a Abs. 2 S. 1 StPO, § 119 Abs. 1 S. 1 ZPO; Prozesskostenhilfe für den Nebenkläger ist in jedem Rechtszug gesondert zu beantragen und setzt eine erneute Darlegung der wirtschaftlichen Verhältnisse voraus. Regelmäßig ist hierfür der Vordruck nach § 117 Abs. 4 ZPO zu verwenden; eine Bezugnahme auf frühere Erklärungen genügt nur ausnahmsweise. Das Revisionsgericht ist nicht gehalten, die wirtschaftlichen Verhältnisse von Amts wegen zu ermitteln oder vor der Ablehnung einen Hinweis zu erteilen. Zudem kommt PKH nur in Betracht, wenn anwaltliche Vertretung zur Wahrnehmung der Interessen erforderlich oder zumutbar ist; fehlt es daran, ist der Antrag auch materiell-rechtlich unbegründet (vgl. BGH, Beschl. v. 13.3.2014 – 4 StR 57/14; 23.7.2015 – 1 StR 52/15).

Gesamter Gesetzestext

BGH — 5 StR 95/17, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2017-04-25

Aktenzeichen: 5 StR 95/17

ECLI: ECLI:DE:BGH:2017:250417B5STR95.17.0

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 397a Abs 2 S 1 StPO, § 114 ZPO, § 117 Abs 4 ZPO, § 119 Abs 1 S 1 ZPO

Vorinstanz: vorgehend LG Saarbrücken, 10. November 2016, Az: 1 Ks 16/16

Spruchkörper: 5. Strafsenat

Titelzeile

Revision in Strafsachen: Notwendige Darlegung der wirtschaftlichen Verhältnisse im Prozesskostenhilfeantrag eines Nebenklägers

Tenor

Der Antrag der Nebenklägerin E. vom 7. März 2017 auf Bewilligung von Prozesskostenhilfe unter Beiordnung eines Rechtsanwalts für das Revisionsverfahren wird abgelehnt.

Gründe

1 Prozesskostenhilfe ist für jeden Rechtszug gesondert zu gewähren (§ 397a Abs. 2 Satz 1 StPO, § 119 Abs. 1 Satz 1 ZPO); dies erfordert in jeder Instanz erneut die Prüfung und deshalb die Darlegung der wirtschaftlichen Verhältnisse des Antragstellers, der sich insoweit grundsätzlich des vorgeschriebenen Vordrucks, § 117 Abs. 4 ZPO, zu bedienen hat. In besonderen Fällen kann zwar die Bezugnahme auf eine in der früheren Instanz abgegebene Erklärung ausreichen (vgl. BGH, Beschluss vom 16. März 1983 – IV b ZB 73/82, NJW 1983, 2145), aber auch eine solche Bezugnahme hat die Nebenklägerin unterlassen. Allein der Antrag auf Gewährung von Prozesskostenhilfe löst auch keine Verpflichtung des Revisionsgerichts aus, die wirtschaftlichen Verhältnisse zu ermitteln. Das Erfordernis der Darlegung ergibt sich aus dem Gesetz, eines Hinweises auf diese Sachlage und eines Zuwartens mit der abschließenden Entscheidung durch den Senat bedurfte es nicht. Prozesskostenhilfe kann nicht über den Zeitpunkt hinaus rückwirkend bewilligt werden, zu dem erstmals ein vollständiges genehmigungsfähiges Gesuch dem Gericht vorliegt (vgl. BGH, Beschluss vom 13. März 2014 – 4 StR 57/14).

2 Im Übrigen kam schon allein deswegen keine Gewährung von Prozesskostenhilfe in Betracht, da eine anwaltliche Vertretung im Hinblick auf die nur vom Angeklagten eingelegte und nach § 349 Abs. 2 StPO unbegründete Revision nicht erforderlich ist. Nach § 397a Abs. 2 Satz 1 StPO darf Prozesskostenhilfe bei Vorliegen der wirtschaftlichen Voraussetzungen nur gewährt werden, wenn der Verletzte seine Interessen selbst nicht ausreichend wahrnehmen kann oder ihm dies nicht zuzumuten ist. Keine dieser Voraussetzungen liegt vor (vgl. zum Ganzen auch BGH, Beschluss vom 23. Juli 2015 – 1 StR 52/15 mwN).

Mutzbauer

Schlagwörter

legal aidjoint plaintiffrevision proceedingsfinancial disclosureappointed counselprescribed formseparate instanceex officio investigation

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether legal aid for the revision stage was admissible without a renewed disclosure of financial circumstances

Extrahierter Entscheid

Legal aid must be applied for separately in each instance; the applicant must again disclose her financial circumstances, generally using the prescribed form. No sufficient renewed disclosure was made here.

Extrahierte Begründung

A new examination is required at each level of proceedings under § 397a(2) sentence 1 StPO and § 119(1) sentence 1 ZPO. A reference to an earlier declaration can suffice only in special cases, but even that was omitted. The court had no duty to investigate the applicant’s finances on its own and no warning was required.

Kernrechtsfrage

Whether legal aid could be granted because legal representation was not necessary in the revision proceedings

Extrahierter Entscheid

No. Given that only the defendant had filed a revision and it was unfounded under § 349(2) StPO, the joint plaintiff did not require appointed counsel to protect her interests.

Extrahierte Begründung

Under § 397a(2) sentence 1 StPO, legal aid is granted only if the victim cannot adequately protect her interests herself or if it is unreasonable to expect her to do so. Those conditions were not met.

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