No continued pay under superseded tariff agreement

BAG 5 AZR 170/12Bag / 5. Abteilung13.03.2013Dismissed

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The Federal Labour Court dismissed the claimant’s revision. A meat inspector had been paid under an older tariff agreement, but from 1 September 2008 the new TV-Fleischuntersuchung applied. The claimant sought a declaration that the employer had to continue paying under the former agreement. The Court upheld the lower courts: the new tariff regime supplanted the old one, and the shift from piece-rate to time-based pay did not infringe property rights, occupational freedom, human dignity, or negative freedom of association. The claimant also had to bear the costs of the revision.

Omnilex-Regeste

TV-Fleischuntersuchung § 7; individual contractual reference to tariff agreements in their respective version; effect of a new sectoral tariff agreement on remuneration claims. Where an employment contract refers to tariffs in their current version, a subsequent collective agreement replacing the former remuneration system governs remuneration from its entry into force; the employee has no claim to continued application of the superseded tariff regime. The conversion from piece-rate remuneration to time-based remuneration does not, as such, constitute an encroachment on property, occupational freedom or human dignity, nor does the contractual dynamic reference impair negative freedom of association, because each employee remains free to withdraw from such reference. Cost consequences follow the unsuccessful revision pursuant to § 97 Abs. 1 ZPO.

Gesamter Gesetzestext

BAG — 5 AZR 170/12, Urteil

Entscheidungsdatum: 2013-03-13

Aktenzeichen: 5 AZR 170/12

Dokumenttyp: Urteil

Vorinstanz: vorgehend ArbG Halle (Saale), 21. Januar 2010, Az: 5 Ca 1789/09 E, Urteilvorgehend Landesarbeitsgericht Sachsen-Anhalt, 27. Oktober 2011, Az: 3 Sa 138/10, Urteil

Spruchkörper: 5. Senat

Tenor

  1. Die Revision der Klägerin gegen das Urteil des Landesarbeitsgerichts Sachsen-Anhalt vom 27. Oktober 2011 - 3 Sa 138/10 - wird zurückgewiesen.

  2. Die Klägerin hat die Kosten der Revision zu tragen.

Tatbestand

1 Die Parteien streiten über die Höhe der Vergütung.

2 Die nicht tarifgebundene Klägerin trat 1991 als Fleischkontrolleurin in die Dienste des Rechtsvorgängers des beklagten Landkreises und wird in Großbetrieben eingesetzt. Die Klägerin wurde bis Ende August 2008 nach dem Tarifvertrag über die Regelung der Rechtsverhältnisse der amtlichen Tierärzte und Fleischkontrolleure außerhalb öffentlicher Schlachthöfe-Ost vom 9. November 1994 (im Folgenden: TV Ang-O aöS) vergütet, an den der Beklagte kraft Mitgliedschaft in einem kommunalen Arbeitgeberverband und damit der VKA gebunden war. Zum 1. September 2008 trat der von der VKA geschlossene Tarifvertrag zur Regelung der Rechtsverhältnisse der Beschäftigten in der Fleischuntersuchung (im Folgenden: TV-Fleischuntersuchung) in Kraft, der TV Ang-O aöS trat außer Kraft.

3 Die Klägerin hat sinngemäß beantragt festzustellen, dass der Beklagte verpflichtet sei, weiterhin Vergütung nach dem TV Ang-O aöS zu leisten. Der Beklagte hat Klageabweisung beantragt.

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Das Arbeitsgericht hat die Klage abgewiesen. Das Landesarbeitsgericht hat die Berufung zurückgewiesen. Mit der vom Landesarbeitsgericht zugelassenen Revision wird das Klagebegehren weiterverfolgt.

Entscheidungsgründe

5 Die Revision ist unbegründet.

6 I. Das Landesarbeitsgericht hat die Berufung gegen das die Klage abweisende Urteil des Arbeitsgerichts zu Recht und mit zutreffender Begründung in Anwendung der Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts (vgl. BAG 16. Dezember 2009 - 5 AZR 888/08 - AP TVG § 1 Bezugnahme auf Tarifvertrag Nr. 73 = EzA TVG § 3 Bezugnahme auf Tarifvertrag Nr. 44; 23. März 2011 - 5 AZR 153/10 -; 18. April 2012 - 4 AZR 392/10 - NZA 2012, 1171) zurückgewiesen. Die Vergütung richtet sich seit dem 1. September 2008 nach dem TV-Fleischuntersuchung. Die gemäß § 7 TV-Fleischuntersuchung an Stelle der Stückvergütung neu eingeführte Zeitvergütung greift weder in bestehende Eigentumspositionen noch in die Berufsfreiheit der in der Fleischuntersuchung Beschäftigten ein. Die tarifliche Neuregelung verletzt nicht deren Menschenwürde. Die vom Landesarbeitsgericht vorgenommene Auslegung der einzelvertraglichen Bezugnahme auf Tarifverträge in ihrer jeweiligen Fassung berührt nicht die negative Koalitionsfreiheit der Beschäftigen (vgl. BAG 24. Februar 2010 - 4 AZR 691/08 - Rn. 47, 48, AP TVG § 1 Bezugnahme auf Tarifvertrag Nr. 75 = EzA TVG § 3 Bezugnahme auf Tarifvertrag Nr. 47; 10. November 2010 - 5 AZR 633/09 - ZTR 2011, 150) . Denn jedem einzelnen Arbeitnehmer bleibt es unbenommen, von einer einzelvertraglichen Bezugnahme auf einen Tarifvertrag Abstand zu nehmen.

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II. Die Kostenentscheidung beruht auf § 97 Abs. 1 ZPO.

Müller-GlögeLauxBiebl
BuschA. Christen

Schlagwörter

employment remunerationcollective agreementtariff referencepiece-rate paytime-based payfreedom of associationproperty rightshuman dignityrevision costs

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the employer remained bound to pay wages under the superseded TV Ang-O aöS after 1 September 2008.

Extrahierter Entscheid

The employer was not obliged to continue paying under the expired agreement; remuneration was governed by the new TV-Fleischuntersuchung.

Extrahierte Begründung

The new tariff agreement replaced the former regime; the new time-based pay under § 7 TV-Fleischuntersuchung did not interfere with property, occupational freedom, or human dignity, and the interpretation of the contractual reference to tariffs in their current version did not infringe negative freedom of association.

Kernrechtsfrage

Costs of the revision

Extrahierter Entscheid

The claimant must bear the costs of the revision.

Extrahierte Begründung

Cost allocation follows the outcome of the unsuccessful revision under § 97(1) ZPO.

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