Prospect liability: no duty to warn about defective withdrawal notice

BGH XI ZR 14/16Bgh / Civil Chamber 1111.10.2016Dismissed

Zusammenfassung

The Federal Court of Justice rejected the plaintiff’s complaint against the non-admission of revision. It held that the case raised no ground for admission under Section 543 ZPO. On the merits, the court confirmed that an investment intermediary must provide correct and complete information about material investment facts and must check a prospectus for coherence and accuracy where reasonably possible. However, a defective withdrawal notice is not a specific economic risk of the investment, but a separate statutory duty of the entrepreneur. Therefore, no duty to warn existed in the context of investment brokerage.

Regest

§ 543 Abs. 2 ZPO; no admission of revision where no fundamental question or need to secure uniform case law exists; in investment brokerage, the intermediary’s duty to provide correct and complete information extends to material investment facts and to a plausibility check of the prospectus, but not to separate legal defects of the entrepreneur’s withdrawal notice. The defectiveness of a withdrawal notice is a breach of a statutory duty toward the consumer, not a specific economic risk of the capital investment; accordingly, no disclosure duty arises solely on that basis (consid. 2-3).

Gesamter Gesetzestext

BGH — XI ZR 14/16, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2016-10-11

Aktenzeichen: XI ZR 14/16

ECLI: ECLI:DE:BGH:2016:111016BXIZR14.16.0

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 280 BGB

Vorinstanz: vorgehend OLG Stuttgart, 8. Dezember 2015, Az: 6 U 199/14vorgehend LG Hechingen, 19. November 2014, Az: 1 O 250/13

Spruchkörper: 11. Zivilsenat

Titelzeile

Prospekthaftung einer Fondsgesellschaft: Aufklärungspflicht bei Anlagevermittlung hinsichtlich der Erteilung einer ordnungsgemäßen Widerrufsbelehrung

Tenor

Die Beschwerde des Klägers gegen die Nichtzulassung der Revision in dem Urteil des 6. Zivilsenats des Oberlandesgerichts Stuttgart vom 8. Dezember 2015 wird zurückgewiesen.

Der Kläger trägt die Kosten des Beschwerdeverfahrens einschließlich der außergerichtlichen Kosten der Streithelferinnen der Beklagten (§ 97 Abs. 1, § 101 Abs. 1 ZPO).

Der Gegenstandswert des Beschwerdeverfahrens beträgt bis zu 40.000 €.

Gründe

1 Die Rechtssache hat weder grundsätzliche Bedeutung (§ 543 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 ZPO) noch ist eine Entscheidung des Revisionsgerichts zur Fortbildung des Rechts oder zur Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung erforderlich (§ 543 Abs. 2 Satz 1 Nr. 2 ZPO).

2 Nach der ständigen Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs schuldet der Anlagevermittler dem Anleger eine richtige und vollständige Information über diejenigen tatsächlichen Umstände, die für dessen Anlageentschluss von besonderer Bedeutung sind (st.Rspr.; vgl. nur BGH, Urteile vom 13. Mai 1993 - III ZR 25/92, WM 1993, 1238, 1239, vom 12. Februar 2004 - III ZR 359/02, BGHZ 158, 110, 116, vom 17. Februar 2011 - III ZR 144/10, WM 2011, 505 Rn. 9 und vom 30. Oktober 2014 - III ZR 493/13, WM 2014, 2310 Rn. 23). Vertreibt der Vermittler die Anlage anhand eines Prospekts, muss er im Rahmen der geschuldeten Plausibilitätsprüfung den Prospekt darauf kontrollieren, ob dieser ein in sich schlüssiges Gesamtbild über das Beteiligungsobjekt gibt und ob die darin enthaltenen Informationen, soweit er dazu mit zumutbarem Aufwand zu überprüfen in der Lage ist, sachlich vollständig und richtig sind (vgl. BGH, Urteile vom 17. Februar 2011 - III ZR 144/10, aaO, und vom 30. Oktober 2014 - III ZR 493/13, aaO).

3 Dieses Pflichtenprogramm hat die Beklagte nach den Feststellungen des Berufungsgerichts nicht verletzt. Die wirtschaftlichen Risiken des Schiffsfonds werden im Prospekt hinreichend beschrieben. Die Frage der Ordnungsmäßigkeit der Widerrufsbelehrung stellt dagegen kein wirtschaftliches Risiko im eigentlichen Sinne dar, auch wenn das Fondskonzept auf einer unkündbaren gesellschaftsvertraglichen Bindung bis Ende 2024 basierte. Die Erteilung einer ordnungsgemäßen Widerrufsbelehrung ist eine echte Rechtspflicht des Unternehmers, auf deren Erfüllung der Verbraucher einen Rechtsanspruch hat. Die Erteilung einer nicht ordnungsgemäßen Widerrufsbelehrung stellt daher eine Pflichtverletzung der Fondsgesellschaft dar, die regelmäßig kein spezifisches Risiko der Kapitalanlage ist (vgl. dazu allgemein BGH, Urteil vom 11. Dezember 2014 - III ZR 365/13, WM 2015, 128 Rn. 24), so dass eine Aufklärungspflicht jedenfalls im Rahmen einer Anlagevermittlung nicht besteht (vgl. OLG Hamm, Beschluss vom 6. August 2015 - 34 U 155/14, juris Rn. 8).

4 Von einer weiteren Begründung wird gemäß § 544 Abs. 4 Satz 2 Halbs. 2 ZPO abgesehen.

Ellenberger Grüneberg Maihold

Menges Derstadt

Schlagwörter

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