Umlage financing of a special-purpose association

BVerwG 3 C 22/15, 3 C 22/15 (3 C 44/09)Bverwg / 3. Abteilung19.09.2016Modified

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The parties jointly declared the dispute settled in revision proceedings concerning municipal levy financing of a special-purpose association. The Federal Administrative Court therefore discontinued the proceedings, held the judgments of the lower courts ineffective, and ordered the defendant to bear the costs. It reasoned that the Commission’s binding state-aid decision and the subsequent liquidation of the association meant that, absent the settling event, the plaintiffs would probably have succeeded. The court also noted the primacy of the Commission decision under Art. 288(4) TFEU and the related EU and constitutional court rulings.

Omnilex-Regeste

Art. 288 Abs. 4 AEUV; effect of a final Commission decision in national proceedings; settlement in administrative revision proceedings. A binding Commission decision is enforceable in the Member States and precludes national courts from adopting contrary decisions (consid. 2). Where the parties jointly declare the dispute settled, the proceedings are to be terminated; the challenged lower-court judgments become ineffective. Cost allocation under § 161 Abs. 2 VwGO is based on an equitable assessment of the prior factual and legal situation; as a rule, costs are borne by the party that would probably have lost absent the settling event (consid. 1, 4).

Gesamter Gesetzestext

BVerwG — 3 C 22/15, 3 C 22/15 (3 C 44/09), Beschluss

Entscheidungsdatum: 2016-09-19

Aktenzeichen: 3 C 22/15, 3 C 22/15 (3 C 44/09)

ECLI: ECLI:DE:BVerwG:2016:190916B3C22.15.0

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: Art 288 Abs 4 AEUV

Vorinstanz: vorgehend Oberverwaltungsgericht Rheinland-Pfalz, 24. November 2009, Az: 6 A 10113/09, Urteilvorgehend VG Trier, 2. Dezember 2008, Az: 1 K 533/08.TR, Urteil

Spruchkörper: 3. Senat

Titelzeile

Umlagefinanzierung eines Zweckverbandes

Tenor

Das Verfahren wird eingestellt.

Das Urteil des Oberverwaltungsgerichts Rheinland-Pfalz vom 24. November 2009 und das Urteil des Verwaltungsgerichts Trier vom 2. Dezember 2008 sind unwirksam.

Der Beklagte trägt die Kosten des Verfahrens.

Gründe

1 Die Klägerinnen und der Beklagte haben den Rechtsstreit übereinstimmend für erledigt erklärt. Das hat zur Folge, dass die Urteile der Vorinstanzen wirkungslos sind und das Verfahren einzustellen ist (§ 141 Satz 1, § 125 Abs. 1, § 92 Abs. 3 VwGO i.V.m. § 269 Abs. 3 Satz 1 ZPO in entsprechender Anwendung). Über die Kosten des Verfahrens ist unter Berücksichtigung des bisherigen Sach- und Streitstandes nach billigem Ermessen zu entscheiden (§ 161 Abs. 2 VwGO). In der Regel entspricht es der Billigkeit, dem Beteiligten die Kosten aufzuerlegen, der ohne Eintritt des erledigenden Ereignisses voraussichtlich unterlegen wäre.

2 Der Rechtsstreit betrifft die Umlagefinanzierung des beklagten Zweckverbands durch Landkreise und kreisfreie Städte. Mit ihrer Negativentscheidung vom 25. April 2012 (SA.25051) hat die Europäische Kommission beschlossen, dass die Umlage eine staatliche Beihilfe darstelle und mit dem Binnenmarkt unvereinbar sei. Zugleich hat sie Deutschland verpflichtet, die ausgezahlten Beihilfen zurückzufordern und weitere Zahlungen einzustellen. Das Gericht der Europäischen Union (Urteile vom 16. Juli 2014 - T-309/12 [ECLI:EU:T:2014:676], Zweckverband Tierkörperbeseitigung/Kommission - und T-295/12 [ECLI:EU:T:2014:675], Deutschland/Kommission -) und der Gerichtshof der Europäischen Union (Urteil vom 18. Februar 2016 - C-446/14 P [ECLI:EU:C:2016:97], Deutschland/Kommission -) haben die gegen die Negativentscheidung der Kommission gerichteten Nichtigkeitsklagen rechtskräftig abgewiesen. Der bestandskräftige Beschluss der Kommission ist gemäß Art. 288 Abs. 4 AEUV verbindlich und verbietet den nationalen Gerichten zuwiderlaufende Entscheidungen (vgl. EuGH, Urteil vom 14. Dezember 2000 - C-344/98 [ECLI:EU:C:2000:689], Masterfoods und HB - Rn. 50, 52).

3 Der Zweckverband wurde auf das Urteil des Gerichts der Europäischen Union aufgelöst und befindet sich in Liquidation. Auf der Grundlage des Gesetzes zur Neuorganisation der Tierkörperbeseitigung in Rheinland-Pfalz ist der Beklagte vollständig aus dem Markt ausgeschieden, weshalb eine Notwendigkeit zur Beseitigung einer Wettbewerbsverfälschung nicht mehr gegeben ist und die Kommission auf die Rückforderung der unzulässigen Beihilfe verzichtet hat. Darauf beruht die Erledigungserklärung der Klägerinnen, der sich der Beklagte angeschlossen hat.

4 Vor diesem Hintergrund und auf der Grundlage des Beschlusses des Bundesverfassungsgerichts vom 29. Oktober 2015 - 2 BvR 1493/11 -, mit dem das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 16. Dezember 2010 - 3 C 44.09 - aufgehoben und die Sache zurückverwiesen wurde, wäre der auf Rückzahlung und Unterlassen ungenehmigter Beihilfen gerichteten Klage ohne das erledigende Ereignis aller Voraussicht nach in vollem Umfang stattzugeben gewesen. Es entspricht daher billigem Ermessen, dem Beklagten die Kosten des gesamten Verfahrens aufzuerlegen.

5 Einer Festsetzung des Streitwerts bedarf es nicht. Er ergibt sich aus den fortbestehenden Beschlüssen der Vorinstanzen sowie für das Revisionsverfahren aus dem Beschluss des Senats vom 16. Dezember 2010 (300 000 €).

Schlagwörter

state aidsettlementcost allocationadministrative proceedingsbinding EU decisionspecial-purpose associationrevocation of judgments

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the proceedings should be terminated after the parties jointly declared the case settled.

Extrahierter Entscheid

Yes. The proceedings were discontinued because the dispute had become moot by mutual declaration of settlement.

Extrahierte Begründung

A joint declaration of settlement makes the prior judgments ineffective and requires termination of the proceedings under the VwGO provisions applied by analogy to the ZPO.

Kernrechtsfrage

Whether the lower court judgments remained effective.

Extrahierter Entscheid

No. The judgments of the Higher Administrative Court of Rhineland-Palatinate and the Administrative Court Trier became ineffective.

Extrahierte Begründung

Once the dispute was declared settled, the prior judgments lost effect as a consequence of termination of the proceedings.

Kernrechtsfrage

How the costs of the proceedings should be allocated.

Extrahierter Entscheid

The defendant had to bear the costs of the entire proceedings.

Extrahierte Begründung

Cost allocation follows equitable discretion based on the prior factual and legal situation; without the settling event, the plaintiffs would probably have prevailed in full.

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