Rechtsbeschwerde against dismissal of appeal and denial of legal aid

BGH IX ZB 58/16Bgh / Civil Chamber 920.09.2016Dismissed

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The Federal Court of Justice construed the defendant's self-drafted filings as a Rechtsbeschwerde against the Higher Regional Court's order dismissing her appeal as inadmissible and refusing legal aid for the appeal stage. It held the remedy inadmissible: as to the dismissal of the appeal, no ground for admission under § 574 Abs. 2 ZPO existed, because the objections concerned only alleged defects before the first-instance judge and no continued violation in appeal was shown. As to legal aid, no Rechtsbeschwerde lay absent appellate leave. The filing was also defective because it was not made by a BGH-admitted lawyer. Costs were imposed on the defendant.

Omnilex-Regeste

§ 522 Abs. 1 S. 4, § 574 Abs. 1 S. 1 Nr. 1, Abs. 2, § 575 Abs. 1 S. 1, § 78 Abs. 1 S. 3 ZPO; admissibility of Rechtsbeschwerde against dismissal of appeal and refusal of legal aid. A Rechtsbeschwerde against an appellate order under § 522 Abs. 1 ZPO requires a statutory admissibility ground under § 574 Abs. 2 ZPO; mere criticism of alleged violations in first-instance proceedings is insufficient where no continuing interference by the appellate court is shown. A Rechtsbeschwerde is not available against the denial of legal aid for appellate proceedings unless the appellate court has expressly allowed it. In addition, the Rechtsbeschwerde must be filed by an attorney admitted to practice before the Federal Court of Justice; otherwise it is inadmissible (consid. 4-6).

Gesamter Gesetzestext

BGH — IX ZB 58/16, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2016-09-20

Aktenzeichen: IX ZB 58/16

ECLI: ECLI:DE:BGH:2016:200916BIXZB58.16.0

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 114 ZPO, §§ 114ff ZPO, § 522 Abs 1 S 4 ZPO, § 574 Abs 1 S 1 Nr 1 ZPO, § 574 Abs 2 ZPO, § 577 Abs 1 S 2 ZPO

Vorinstanz: vorgehend OLG Frankfurt, 13. Juni 2016, Az: 6 U 96/16, Beschlussvorgehend LG Limburg, 23. Mai 2016, Az: 1 O 51/15

Spruchkörper: 9. Zivilsenat

Titelzeile

Rechtsbeschwerde gegen die Verwerfung einer Berufung und gegen die Versagung von Prozesskostenhilfe für das Berufungsverfahren

Tenor

Die Rechtsbeschwerde gegen den Beschluss des 6. Zivilsenats des Oberlandesgerichts Frankfurt am Main vom 13. Juni 2016, berichtigt durch die Beschlüsse vom 21. Juni 2016 und 14. Juli 2016, wird auf Kosten der Beklagten als unzulässig verworfen.

Gründe

I.

1 Die Beklagte schloss vor dem Landgericht einen Prozessvergleich. Mit selbst verfassten Schreiben legte sie "Berufung", "Widerspruch" und "Beschwerde" gegen den Vergleichsschluss ein. Mit Beschluss vom 13. Juni 2016 verwarf das Berufungsgericht gemäß § 522 Abs. 1 ZPO die Berufung als unzulässig und versagte Prozesskostenhilfe für das Berufungsverfahren. Hiergegen wendet sich die Beklagte mit ihrer "Abänderungsklage mit Vollstreckungsabwehrklage" sowie mit ihren als "Widerspruch" bezeichneten Schreiben vom 14. und 24. Juli 2016.

II.

2 1. Die Eingabe der Beklagten ist als Rechtsbeschwerde auszulegen. Die Beklagte begehrt die Aufhebung sämtlicher gerichtlichen Entscheidungen durch den Bundesgerichtshof. Dieses Ziel könnte sie allenfalls mit der Rechtsbeschwerde erreichen (vgl. BGH, Beschluss vom 21. März 2002 - IX ZB 18/02, WM 2002, 1512).

3 2. Die Rechtsbeschwerde ist gemäß § 577 Abs. 1 Satz 2 ZPO als unzulässig zu verwerfen.

4 a) Sie ist nach § 574 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1, § 522 Abs. 1 Satz 4 ZPO statthaft, soweit sich die Beklagte gegen die Verwerfung ihrer Berufung als unzulässig wendet. Es fehlt indes an einem Zulässigkeitsgrund im Sinne des § 574 Abs. 2 ZPO. Insbesondere liegt der allein in Betracht kommende Grund der Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung nicht vor. Die von der Beklagten mit der Rechtsbeschwerde vorgebrachten Angriffe betreffen das Verfahren vor dem erstinstanzlichen Richter im Vorfeld des Vergleichsschlusses. Die Beklagte macht hingegen keine Verletzung von Verfahrensgrundrechten durch das Berufungsgericht geltend. Es ist weder dargetan noch sonst ersichtlich, dass sich eine etwaige Verletzung von Verfahrensgrundrechten durch das Erstgericht im Berufungsverfahren fortgesetzt hätte.

5 b) Soweit sich die Beklagte gegen die Versagung von Prozesskostenhilfe für das Berufungsverfahren wendet, ist eine Rechtsbeschwerde nicht statthaft. Eine Zulassung durch das Berufungsgericht ist nicht erfolgt.

6 c) Die Rechtsbeschwerde ist auch deshalb unzulässig, weil sie nicht durch einen beim Bundesgerichtshof zugelassenen Rechtsanwalt eingelegt worden ist (§ 575 Abs. 1 Satz 1, § 78 Abs. 1 Satz 3 ZPO).

Kayser Vill Lohmann

Pape Möhring

Schlagwörter

civil procedureappeal inadmissibilitylegal aidRechtsbeschwerdeadmissibility requirementsrepresentation before the Federal Court of Justicecosts

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the defendant's submission could be treated as a admissible Rechtsbeschwerde against the Higher Regional Court's order dismissing the appeal as inadmissible.

Extrahierter Entscheid

The submission was to be construed as a Rechtsbeschwerde, but it was inadmissible because no admissibility ground under § 574 Abs. 2 ZPO was shown.

Extrahierte Begründung

The attack concerned alleged procedural defects before the first-instance judge in connection with the settlement, not a violation by the appellate court. Any first-instance defect was not shown to have continued in the appeal proceedings, so the need to secure uniform case law was lacking.

Kernrechtsfrage

Whether a Rechtsbeschwerde lay against the denial of legal aid for the appeal proceedings.

Extrahierter Entscheid

No Rechtsbeschwerde was statutorily available because the Higher Regional Court had not granted leave.

Extrahierte Begründung

A challenge to the refusal of legal aid in the appeal stage is not subject to Rechtsbeschwerde absent authorization by the appellate court.

Kernrechtsfrage

Whether the Rechtsbeschwerde was validly filed before the Federal Court of Justice.

Extrahierter Entscheid

It was also inadmissible because it had not been filed by an attorney admitted to practice before the Federal Court of Justice.

Extrahierte Begründung

§ 575 Abs. 1 Satz 1 and § 78 Abs. 1 Satz 3 ZPO require representation by a BGH-admitted lawyer for filing the Rechtsbeschwerde.

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