Concurrent liability under § 89a StGB and terrorist membership

BGH 3 StR 466/15Bgh / III. Strafkammer09.08.2016Dismissed

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The Federal Court of Justice rejected the defendant’s revision against the Higher Regional Court of Düsseldorf. It held that any possible illegality in the US military seizure of Abbottabad documents did not create a German exclusionary rule. It further confirmed that preparation of a serious violent act endangering the state under § 89a StGB is not displaced by membership in a foreign terrorist organization under §§ 129a, 129b StGB, because the offences protect different interests and address different dangers. The defendant must bear the costs of the revision.

Omnilex-Regeste

§ 89a StGB; §§ 129a, 129b StGB; concurrence of offences between preparation of a serious violent act endangering the state and membership in a terrorist organization; the provisions are not mutually exclusive. § 89a StGB and the association offences pursue different protective purposes and sanction different forms of danger: organizational criminality and its intensified abstract danger on the one hand, and concretely defined preparatory conduct committed with firm resolve to carry out the planned act on the other (consid. 3 f.). An alleged völkerrechtswidrige seizure of evidence does not, without more, entail an evidentiary prohibition in the domestic criminal trial. The clarity function of the conviction requires that the full tatbestandmäßige injustice of the act be reflected in the conviction.

Gesamter Gesetzestext

BGH — 3 StR 466/15, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2016-08-09

Aktenzeichen: 3 StR 466/15

ECLI: ECLI:DE:BGH:2016:090816B3STR466.15.0

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 52 StGB, § 89a Abs 1 StGB, § 89a Abs 2 StGB, § 129 StGB, §§ 129ff StGB, § 129a Abs 1 StGB, § 129b Abs 1 StGB

Vorinstanz: vorgehend BGH, 3. Mai 2016, Az: 3 StR 466/15, Beschlussvorgehend OLG Düsseldorf, 13. November 2014, Az: III-6 StS 1/12

Spruchkörper: 3. Strafsenat

Titelzeile

Konkurrenzen: Tateinheit bei Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung und Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat

Tenor

  1. Die Revision des Angeklagten gegen das Urteil des Oberlandesgerichts Düsseldorf vom 13. November 2014 wird verworfen.

  2. Der Beschwerdeführer hat die Kosten seines Rechtsmittels zu tragen.

Gründe

1 Das Landgericht hat den Angeklagten wegen Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung in Tateinheit mit Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat zu einer Freiheitsstrafe von neun Jahren verurteilt. Hiergegen wendet sich der Beschwerdeführer mit seiner Revision, mit der er die Verletzung formellen und materiellen Rechts rügt. Das Rechtsmittel ist aus den zutreffenden Gründen der Antragsschrift des Generalbundesanwalts vom 8. Januar 2016 unbegründet im Sinne von § 349 Abs. 2 StPO. Der näheren Erörterung bedarf nur Folgendes:

2 1. Es kann offen bleiben, ob die Rüge, das Oberlandesgericht hätte den Inhalt der vom US-Militär am 2. Mai 2011 beim Einsatz gegen Usama bin Laden in Abbottabad/Pakistan sichergestellten Urkunden nicht verwerten dürfen, zulässig erhoben worden ist und ob die Sicherstellung der Urkunden gegen geltendes Völkerrecht verstieß. Aus den in der Antragsschrift des Generalbundesanwalts ausführlich dargestellten Gründen hätte eine etwaige Völkerrechtswidrigkeit jedenfalls kein Verwertungsverbot in dem gegen den Angeklagten gerichteten Strafverfahren zur Folge.

3 2. Zutreffend ist das Landgericht davon ausgegangen, dass der Angeklagte auch der tateinheitlich begangenen Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat (§ 89a Abs. 1 und 2 StGB) schuldig ist. Diese wird nicht im Wege der Gesetzeskonkurrenz durch die Strafbarkeit wegen der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung gemäß § 129a Abs. 1, § 129b Abs. 1 StGB verdrängt (AnwK-StGB/Gazeas, 2. Aufl., § 89a Rn. 78; SK-StGB/Zöller, 132. Lfg., § 89a Rn. 45; S/S-Sternberg-Lieben, StGB, 29. Aufl., § 89a Rn. 24; aA OLG München, Urteil vom 15. Juli 2015 - 7 St 4/14 (7) - StV 2016, 505, 506; Kauffmann, Das Gesetz zur Verfolgung der Vorbereitung schwerer staatsgefährdender Gewalttaten, S. 140 f.). Die Annahme von Gesetzeseinheit würde der Klarstellungsfunktion des Schuldspruchs nicht gerecht, der das gesamte tatbestandsmäßige Unrecht einer Tat zum Ausdruck bringen soll (vgl. etwa BGH, Urteil vom 30. März 1995 - 4 StR 768/94, BGHSt 41, 113, 116 mwN).

4 Beiden Straftatbeständen ist zwar die Vorverlagerung des Strafrechtsschutzes in das Vorbereitungsstadium von Straftaten gemeinsam. Gleichwohl sind der Anwendungsbereich und der Strafgrund der Vorschriften nicht deckungsgleich: Die §§ 129 ff. StGB sollen die erhöhte kriminelle Intensität erfassen, die in der Gründung und Fortführung einer festgefügten Organisation ihren Ausdruck findet, welche kraft der ihr innewohnenden Eigendynamik eine erhöhte abstrakte Gefährlichkeit für wichtige Güter der Gemeinschaft mit sich bringt. Diese größere Personenzusammenschlüsse kennzeichnende Eigendynamik hat ihre besondere Gefährlichkeit darin, dass sie geeignet ist, dem einzelnen Beteiligten die Begehung von Straftaten zu erleichtern und bei ihm das Gefühl persönlicher Verantwortung zurückzudrängen (st. Rspr., vgl. etwa BGH, Urteile vom 11. Oktober 1978 - 3 StR 105/78, BGHSt 28, 147, 148 f.; vom 21. Oktober 2004 - 3 StR 94/04, BGHSt 49, 268, 271; vom 28. Oktober 2010 - 3 StR 179/10, BGHSt 56, 28, 31; Beschluss vom 17. Dezember 2014 - StB 10/14, NJW 2015, 1032, 1033 mwN). Demgegenüber erfasst § 89a StGB besondere Gefährdungslagen, die durch konkret umschriebene Handlungen begründet werden und die der Gesetzgeber unabhängig von der Einbindung des Täters in eine terroristische Vereinigung als - schon vor Eintritt in das Versuchsstadium der geplanten Straftat - strafbedürftig eingestuft hat (vgl. BT-Drucks. 16/12428, S. 12, 15). Die Verwirklichung derartiger Handlungen setzt eine mitgliedschaftliche Betätigung im Sinne von § 129a StGB nicht voraus; hiernach bedarf es zudem auch nicht der - von § 89a StGB implizierten - späteren Beteiligung an der vorbereiteten Tat. In subjektiver Hinsicht tritt hinzu, dass der Täter bei Vornahme der in § 89a Abs. 2 StGB normierten Vorbereitungshandlung bereits zur Begehung der schweren staatsgefährdenden Gewalttat fest entschlossen sein muss; bedingter Vorsatz bezüglich des "Ob" der Begehung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat genügt - anders als im Fall von § 129a Abs. 1, § 129b Abs. 1 StGB - nicht (BGH, Urteil vom 8. Mai 2014 - 3 StR 243/13 - BGHSt 59, 218, 239 f.).

| VRiBGH Becker ist wegen Urlaubs an der Unterschrift gehindert. | | Hubert | | RiBGH Mayer ist wegen Urlaubs an der Unterschrift gehindert. | | --- | --- | --- | --- | --- | | Hubert | | | | Hubert | | | Gericke | | Tiemann | |

Schlagwörter

terrorist organizationconcurrencepreparation of violent actmembership offenseevidence admissibilityinternational lawrevisioncosts

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the Abbottabad documents obtained by the US military were admissible in the German criminal trial.

Extrahierter Entscheid

Any possible violation of international law in the seizure would not, in any event, create an exclusionary rule in this criminal proceeding.

Extrahierte Begründung

The court left open admissibility of the objection but held that an alleged breach of international law does not automatically bar use of the evidence against the defendant.

Kernrechtsfrage

Whether preparation of a serious violent act endangering the state is displaced by membership in a terrorist organization.

Extrahierter Entscheid

No. § 89a StGB is not superseded by membership liability under §§ 129a, 129b StGB; both offences may stand in concurrence.

Extrahierte Begründung

The provisions protect different interests and address different dangers. Membership provisions target the organizational danger and collective dynamics of a fixed association, whereas § 89a StGB criminalizes specifically defined preparatory conduct once the offender is already firmly resolved to commit the planned act.

Kernrechtsfrage

Whether the revision should succeed on procedural or substantive grounds.

Extrahierter Entscheid

The revision was unfounded.

Extrahierte Begründung

The Federal Public Prosecutor General’s submission was correct; no reversible error was shown.

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