No analogy of family privilege to social insurance recourse

BGH VI ZR 497/15Bgh / Civil Chamber 616.08.2016Dismissed

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The Federal Court of Justice rejected the defendant's complaint against the refusal of leave to appeal. It held that the case did not justify revision under § 543 ZPO and that the lower court correctly refused to extend the family privilege of § 116(6) SGB X by analogy to the recourse claim under § 110(1) SGB VII. The recourse regime already contains its own exclusion mechanism in § 110(2) SGB VII, so there is no planwidrige Regelungslücke. The defendant was ordered to bear the costs.

Omnilex-Regeste

§ 110 Abs. 1, 2 SGB VII; § 116 Abs. 6 SGB X; analoge Anwendung des Familienprivilegs auf den Aufwendungsersatzanspruch des Sozialversicherungsträgers. Eine Analogie scheidet aus, wenn das Gesetz den Ausschluss bzw. die Begrenzung des Rückgriffs bereits eigenständig regelt. § 110 Abs. 2 SGB VII enthält mit dem billigen Ermessen des Sozialversicherungsträgers zum Verzicht auf den Ersatzanspruch eine abschließende Regelung auch für Fälle des häuslichen Zusammenlebens von Schädiger und Verletztem; eine planwidrige Regelungslücke besteht nicht (vgl. Senat, BGHZ 69, 354; 168, 161). § 116 Abs. 6 SGB X berührt den zivilrechtlichen Schadensersatzanspruch des Geschädigten nicht, sondern verhindert nur dessen Übergang auf den Sozialversicherungsträger. Die Beschwerde gegen die Nichtzulassung der Revision ist zurückzuweisen, wenn die Voraussetzungen des § 543 Abs. 2 ZPO nicht dargetan sind.

Gesamter Gesetzestext

BGH — VI ZR 497/15, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2016-08-16

Aktenzeichen: VI ZR 497/15

ECLI: ECLI:DE:BGH:2016:160816BVIZR497.15.0

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 823 Abs 1 BGB, § 110 Abs 1 SGB 7, § 116 Abs 6 SGB 10

Vorinstanz: vorgehend OLG Koblenz, 20. Juli 2015, Az: 12 U 948/14, Urteilvorgehend LG Trier, 10. Juli 2014, Az: 5 O 389/13

Spruchkörper: 6. Zivilsenat

Titelzeile

Gesetzliche Unfallversicherung: Grob fahrlässige Verursachung eines Arbeitsunfalls bei Verletzung eines Kindes durch einen Gabelstapler; entsprechende Anwendung des Familienprivilegs im Rahmen des Aufwendungsersatzanspruchs

Tenor

Die Beschwerde des Beklagten gegen die Nichtzulassung der Revision in dem Urteil des 12. Zivilsenats des Oberlandesgerichts Koblenz vom 20. Juli 2015 wird zurückgewiesen, weil sie nicht aufzeigt, dass die Rechtssache grundsätzliche Bedeutung hat oder die Fortbildung des Rechts oder die Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung eine Entscheidung des Revisionsgerichts erfordert (§ 543 Abs. 2 S. 1 ZPO). Von einer näheren Begründung wird gemäß § 544 Abs. 4 S. 2, 2. Halbs. ZPO abgesehen.

Das Berufungsgericht hat eine analoge Anwendung des in § 116 Abs. 6 SGB X geregelten Familienprivilegs auf den Aufwendungsersatzanspruch aus § 110 Abs. 1 Satz 1 SGB VII zu Recht verneint. Es fehlt an der für eine Analogie erforderlichen planwidrigen Regelungslücke. In § 110 Abs. 2 SGB VII ist ausdrücklich vorgesehen, dass die Sozialversicherungsträger nach billigem Ermessen auf den Ersatzanspruch nach Absatz 1 ganz oder teilweise verzichten können. Wie ihre nahezu wortgleiche Vorgängerbestimmung in 640 RVO enthält die Vorschrift damit bereits eine Regelung über den Ausschluss des Rückgriffsrechts, die auch die Fälle des häuslichen Zusammenlebens von Schädiger und Verletzten erfasst (vgl. Senatsurteil vom 18. Oktober 1977 - VI ZR 62/76, BGHZ 69, 354, 360 f. zu § 640 RVO; BT-Drucks. 13/2204 S. 101). Eine Änderung dieser Rechtslage wäre Sache des Gesetzgebers.

Die Geltung des in § 116 Abs. 6 SGB X geregelten Familienprivilegs für den Regressanspruch aus § 110 SGB VII folgt auch nicht aus der mit dem Gesetz zur Einordnung des Rechts der gesetzlichen Unfallversicherung in das Sozialgesetzbuch vom 7. August 1996 (BGBl. I S. 1254) neu eingefügten Regelung in § 110 Abs. 1 Satz 1 SGB VII, wonach Personen, deren Haftung nach den §§ 104 bis 107 SGB VII beschränkt ist, bei vorsätzlicher oder grob fahrlässiger Herbeiführung des Versicherungsfalls für die infolge des Versicherungsfalls entstandenen Aufwendungen "nur bis zur Höhe des zivilrechtlichen Schadensersatzanspruchs" haften. Diese Bestimmung beschränkt den Aufwendungsersatzanspruch der Sozialversicherungsträger - auch im Hinblick auf ein etwaiges Mitverschulden - auf die Höhe des fiktiven zivilrechtlichen Schadensersatzanspruchs des Geschädigten gegen den Schädiger. Durch die Gesetzesänderung sollte die Haftung des Schädigers bei einem Regress des Sozialversicherungsträgers der Höhe nach an die fiktive zivilrechtliche Haftung gegenüber dem Geschädigten angeglichen werden (vgl. Senatsurteil vom 27. Juni 2006 - VI ZR 143/05, BGHZ 168, 161 Rn. 12, 15; BT-Drucks. 13/2204 S. 101). Die Regelung in § 116 Abs. 6 SGB X lässt den zivilrechtlichen Schadensersatzanspruch des Geschädigten gegen den Schädiger aber unberührt; sie verhindert lediglich den Übergang dieses Anspruchs auf den Sozialversicherungsträger.

Der Beklagte trägt die Kosten des Beschwerdeverfahrens (§ 97 Abs. 1 ZPO).

Streitwert: 88.372,71 €

Galke Wellner von Pentz

Offenloch Müller

Schlagwörter

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Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the complaint against denial of leave to appeal should succeed because the case raises grounds for revision under § 543(2) ZPO.

Extrahierter Entscheid

The complaint did not show any reason requiring a revision decision; it was therefore rejected.

Extrahierte Begründung

The appeal failed to demonstrate fundamental importance, need for development of the law, or need to secure uniform jurisprudence.

Kernrechtsfrage

Whether the family privilege in § 116(6) SGB X applies analogously to the recourse claim under § 110(1) SGB VII.

Extrahierter Entscheid

No analogous application was accepted.

Extrahierte Begründung

There was no planwidrige Regelungslücke. Section 110(2) SGB VII already provides a discretionary waiver of the recourse claim and thus contains a built-in exclusion mechanism that also covers cohabiting family situations; the legislature would have to change this.

Kernrechtsfrage

Whether § 110(1) SGB VII, as amended, limits recourse only to the amount of the hypothetical civil damages claim and thereby implies application of the family privilege.

Extrahierter Entscheid

The amendment only limits the amount of the insurer's recourse claim to the amount of the hypothetical civil claim; it does not affect the injured party's civil claim or transfer rules.

Extrahierte Begründung

Section 116(6) SGB X merely prevents transfer of the injured party's claim to the social insurer and does not change the underlying civil claim against the tortfeasor.

Kernrechtsfrage

Who bears the costs of the complaint proceedings.

Extrahierter Entscheid

The defendant bears the costs.

Extrahierte Begründung

The unsuccessful complainant must pay costs under the Code of Civil Procedure.

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