Expired child detention order makes appeal inadmissible

BGH XII ZB 623/15Bgh / Civil Chamber 1227.07.2016Dismissed

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The BGH rejected the legal complaint of the minor's aunt against the OLG Hamm decision upholding the family court's approval of closed placement. The time-limited authorization had already expired when the BGH decided, so the necessary current grievance had fallen away and the complaint was inadmissible. A declaration of unlawfulness under Section 62 FamFG was also unavailable because the aunt had not requested it and, in any event, was not entitled to seek such relief in her own name. Court fees were not charged; no extrajudicial costs were reimbursed.

Omnilex-Regeste

§ 1631b BGB, § 62 FamFG, § 70 Abs. 3 Satz 1 FamFG; the legal complaint against an authorization of closed placement becomes inadmissible once the time-limited order has expired, because the grievance required for review must exist at the time of the appellate decision. After mootness, a declaration of unlawfulness under § 62 FamFG is in principle available only to the person whose own rights were affected; third persons such as relatives or confidants are generally not entitled to make such a request in their own name. The mere status as family member or confidant does not confer standing to assert a violation of rights. Consid. 3-4.

Gesamter Gesetzestext

BGH — XII ZB 623/15, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2016-07-27

Aktenzeichen: XII ZB 623/15

ECLI: ECLI:DE:BGH:2016:270716BXIIZB623.15.0

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 1631b BGB, § 62 FamFG, § 70 Abs 3 S 1 FamFG

Vorinstanz: vorgehend OLG Hamm, 4. Dezember 2015, Az: II-13 UF 177/15, Beschlussvorgehend AG Coesfeld, 4. September 2015, Az: 5 F 154/15

Spruchkörper: 12. Zivilsenat

Titelzeile

Elterliche Sorge: Rechtsbeschwerde der Tante gegen eine durch Zeitablauf erledigte freiheitsentziehende Unterbringung eines minderjährigen Kindes

Tenor

Die Rechtsbeschwerde der weiteren Beteiligten zu 4 gegen den Beschluss des 13. Senats für Familiensachen des Oberlandesgerichts Hamm vom 4. Dezember 2015 wird verworfen.

Gerichtskosten für das Rechtsbeschwerdeverfahren werden nicht erhoben. Außergerichtliche Kosten sind nicht zu erstatten.

Wert: 3.000 €

Gründe

I.

1 Das Amtsgericht hat die Unterbringung des im November 2002 geborenen betroffenen Kindes, das unter anderem unter einer Störung des Sozialverhaltens leidet, in einer geschlossenen Einrichtung bis zum 10. Mai 2016 familiengerichtlich genehmigt. Die Tante des Kindes (Beteiligte zu 4) hat dagegen als dessen Vertrauensperson Beschwerde eingelegt. Das Oberlandesgericht hat die Beschwerde zurückgewiesen. Dagegen richtet sich die am 3. Mai 2016 begründete Rechtsbeschwerde der Beteiligten zu 4, mit der sie sich weiterhin gegen die Unterbringung wendet.

II.

2 Die nach § 70 Abs. 3 Satz 1 FamFG statthafte Rechtsbeschwerde ist unzulässig, weil die Genehmigung der geschlossenen Unterbringung sich wegen des Ablaufs der Frist erledigt hat und mithin die Beschwer für den Antrag auf Aufhebung der Unterbringung entfallen ist.

3 1. Die vom Amtsgericht nach § 1631 b BGB ausgesprochene Genehmigung einer freiheitsentziehenden Unterbringung hat sich mit Ablauf des 10. Mai 2016 erledigt. Denn die Genehmigung war bis zu diesem Tag befristet. Daher fehlt es an der für die Rechtsbeschwerde erforderlichen Beschwer, die noch zum Zeitpunkt der Entscheidung vorliegen muss (vgl. Johannsen/​Henrich/Althammer Familienrecht 6. Aufl. § 61 FamFG Rn. 6). Der Verfahrensbevollmächtigte der Beteiligten zu 4 ist vom Senat auf den Ablauf der Frist hingewiesen worden.

4 2. Einen Antrag auf Feststellung der Rechtswidrigkeit nach § 62 FamFG hat die Beteiligte zu 4 nicht gestellt. Sie wäre für diesen Antrag auch nicht antragsberechtigt gewesen. Denn nach Erledigung der Hauptsache kann ein Feststellungsantrag nach § 62 FamFG grundsätzlich nur vom Betroffenen gestellt werden, weil nur dieser in seinen Rechten verletzt sein kann (Senatsbeschluss vom 20. August 2014 - XII ZB 205/14 - FamRZ 2014, 1916 Rn. 6 f. mwN zum Betreuungsverfahren; BGHZ 196, 118 = FGPrax 2013, 131 Rn. 9 ff. zur Abschiebehaft). Der Senat hat dementsprechend einen Feststellungsantrag der Vertrauensperson im Betreuungsverfahren mangels Antragsberechtigung als unzulässig angesehen (Senatsbeschluss vom 24. Oktober 2012 - XII ZB 404/12 - FamRZ 2013, 29 Rn. 6 ff.; vgl. auch BGH Beschluss vom 26. Juni 2014 - V ZB 5/14 NJW-RR 2014, 1155 Rn. 5 ff.). Ebenfalls hat er einen im eigenen Namen gestellten Antrag der Eltern eines nach § 1631 b BGB untergebrachten Kindes als mangels eigener Rechtsverletzung unzulässig angesehen (Senatsbeschluss vom 13. November 2013 - XII ZB 681/12 - FamRZ 2014, 108 Rn. 4 f.). Das gilt mithin ebenfalls für die Beteiligte zu 4, die sich weder als Tante des betroffenen Kindes noch als dessen Vertrauensperson auf eine Verletzung in eigenen Rechten berufen kann.

Dose Klinkhammer Nedden-Boeger

Guhling Krüger

Schlagwörter

closed placementmootnessstandinglegal complaintfamily courtcurrent grievance

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the legal complaint against the expired authorization for closed placement was still admissible

Extrahierter Entscheid

No. Once the time-limited authorization expired, the required current grievance no longer existed.

Extrahierte Begründung

The authorization under Section 1631b BGB had lapsed by 2016-05-10. For a legal complaint, the grievance must still exist at the time of decision.

Kernrechtsfrage

Whether the aunt could seek a declaration of unlawfulness under Section 62 FamFG after the matter had become moot

Extrahierter Entscheid

No. She had neither made such a request nor was she entitled to do so, because only the person whose rights were affected may generally seek this declaration after mootness.

Extrahierte Begründung

After mootness, a declaration request under Section 62 FamFG is in principle available only to the affected person. The aunt, as aunt and confidante, could not invoke a violation of her own rights.

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