projekte
BGH 3 StR 46/16 ΓÇó Rejection of evidence request for procedural delay intent
BGH 3 StR 46/16Bgh / III. Strafkammer28.06.2016Dismissed
The Federal Court of Justice dismissed the defendants' revisions against the Regional Court of Bad Kreuznach. It held that the challenged rejection of a defense request for the hearing of the hotel porter did not reveal a reviewable error. Even if the reasoning on procedural delay intent might be questionable, the refusal was at least correct because the proposed evidence was completely unsuitable to produce anything favorable to the defendant. Each appellant had to bear the costs of his own appeal.
§ 244 Abs. 3 Satz 2 StPO; rejection of an evidence request for procedural delay intent; the court must be convinced that the requested evidence is objectively incapable of yielding anything favorable to the accused. The decisive criterion is the futility or uselessness of the evidence, i.e. that it is prospectively devoid of exculpatory value under any view. If that strict requirement is not met, a rejection under Variante 6 is impermissible. However, an appellate court may uphold the refusal if it is independently justified under another statutory ground, in particular the complete unsuitability of the evidence under Variante 4 (consid. related).
Entscheidungsdatum: 2016-06-28
Aktenzeichen: 3 StR 46/16
ECLI: ECLI:DE:BGH:2016:280616B3STR46.16.0
Dokumenttyp: Beschluss
Normen: § 244 Abs 3 S 2 StPO
Vorinstanz: vorgehend LG Bad Kreuznach, 4. November 2015, Az: 1022 Js 954/15 - 2 KLs
Spruchkörper: 3. Strafsenat
Strafverfahren: Anforderungen an die Ablehnung eines Beweisantrags wegen Prozessverschleppungsabsicht
Die Revisionen der Angeklagten gegen das Urteil des Landgerichts Bad Kreuznach vom 4. November 2015 werden als unbegründet verworfen, da die Nachprüfung des Urteils auf Grund der Revisionsrechtfertigungen keinen Rechtsfehler zum Nachteil der Angeklagten ergeben hat (§ 349 Abs. 2 StPO).
Jeder Beschwerdeführer hat die Kosten seines Rechtsmittels zu tragen.
Zu der von dem Angeklagten M. erhobenen Rüge der Verletzung des § 244 Abs. 3 Satz 2 StPO wegen Zurückweisung des Antrags seines Verteidigers vom 19. Oktober 2015 auf Vernehmung des am 17. Januar 2015 "diensthabenden Portiers" des Hotel C. bemerkt der Senat ergänzend:
Das Landgericht hat den Antrag auch wegen Prozessverschleppungsabsicht (§ 244 Abs. 3 Satz 2 Variante 6 StPO) abgelehnt. Hierzu hat es zunächst - im Einklang mit der ständigen Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs (vgl. etwa BGH, Urteil vom 3. August 1966 - 2 StR 242/66, BGHSt 21, 118, 121 f.; Beschlüsse vom 18. September 2008 - 4 StR 353/08, NStZ-RR 2009, 21; vom 8. Juni 2011 - 3 StR 49/11, NStZ 2011, 646; jew. mwN) - ausgeführt, Voraussetzung einer Ablehnung wegen Prozessverschleppungsabsicht sei, dass die beantragte Beweiserhebung nichts Sachdienliches erbringen könne. Diese Auffassung hat die Strafkammer alsdann damit begründet, dass die Bestätigung der Beweistatsache "völlig unwahrscheinlich" sei. Dies könnte rechtlichen Bedenken begegnen, weil sie damit möglicherweise einen unzutreffenden Maßstab angelegt hat: Voraussetzung der Ablehnung eines Beweisantrags wegen Verschleppungsabsicht ist insoweit, dass das Gericht zu der Überzeugung gelangt, die Beweiserhebung werde objektiv unter keinem Gesichtspunkt etwas zu Gunsten des Angeklagten erbringen; erforderlich ist mithin die Aussichtslosigkeit der beantragten Beweiserhebung (LR/Becker, StPO, 26. Aufl., § 244 Rn. 269 mwN; vgl. auch MüKoStPO/Trüg/Habetha, § 244 Rn. 322: "Nutzlosigkeit"; ähnlich Meyer-Goßner/Schmitt, StPO, 59. Aufl., § 244 Rn. 68; HK-StPO-Julius, 5. Aufl., § 244 Rn. 38; SK-StPO/Frister, 5. Aufl., § 244 Rn. 173: Beweiserhebung "sinnlos"). Soweit in der Literatur vereinzelt die vom Landgericht verwendete, auf weniger strenge Anforderungen hindeutende Formulierung gebraucht wird (vgl. KK-Krehl, StPO, 7. Aufl., § 244 Rn. 176; SSW-StPO/Sättele, 2. Aufl., § 244 Rn. 219), weist der Senat darauf hin, dass sich diese in den von diesen Autoren zitierten Entscheidungen nicht findet.
Letztlich kann die Frage indes dahinstehen, denn die Rüge ist jedenfalls deshalb unbegründet, weil sich die Ablehnung des Antrags wegen völliger Ungeeignetheit des Beweismittels (§ 244 Abs. 3 Satz 2 Variante 4 StPO) als rechtsfehlerfrei erweist.
Becker Schäfer Mayer
Gericke Spaniol