Revision dismissed in payroll tax and social security evasion case

BGH 1 StR 122/16Bgh / I. Strafkammer21.04.2016Dismissed

Zusammenfassung

The Federal Court of Justice dismissed the defendant's revision against a Regional Court judgment in a case involving payroll tax evasion by failure to file wage tax returns and withholding of social security contributions. The court held that the filing period for wage tax returns was monthly, so each omitted monthly filing constituted a separate offense under § 370 Abs. 1 Nr. 2 AO. It also noted that the lower court's concurrence analysis regarding employer and employee social security contributions under § 266a StGB was incorrect, but this did not prejudice the defendant. The appeal was unfounded, and the defendant had to bear the costs.

Regest

§ 370 Abs. 1 Nr. 2 AO, § 41a Abs. 2 EStG; monthly failure to file wage tax returns as separate offenses; error in aggregating omissions under the concurrence doctrine is immaterial if it does not worsen the defendant's position. If the thresholds for quarterly or annual wage tax filing are exceeded, returns must be filed monthly; each omitted filing constitutes an independent omission offense. An incorrect assumption of unity or Tateinheit in relation to simultaneous violations of § 266a Abs. 1 StGB and § 266a Abs. 2 Nr. 2 StGB does not warrant reversal where it does not affect the overall unjustness or culpability and the additional offense may still be considered in sentencing (consid. 1, 2).

Gesamter Gesetzestext

BGH — 1 StR 122/16, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2016-04-21

Aktenzeichen: 1 StR 122/16

ECLI: ECLI:DE:BGH:2016:210416B1STR122.16.0

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 370 Abs 1 Nr 2 AO, § 52 StGB, § 53 StGB, § 266a Abs 1 StGB, § 266a Abs 2 Nr 2 StGB

Vorinstanz: vorgehend LG Koblenz, 27. Oktober 2015, Az: 4 KLs 2050 Js 63238/14

Spruchkörper: 1. Strafsenat

Titelzeile

Lohnsteuerhinterziehung durch Nichtabgabe von Lohnsteueranmeldungen und Vorenthalten von Sozialversicherungsbeiträgen: Auswirkungen der unzutreffenden Beurteilung des Konkurrenzverhältnisses

Tenor

Die Revision des Angeklagten gegen das Urteil des Landgerichts Koblenz vom 27. Oktober 2015 wird als unbegründet verworfen (§ 349 Abs. 2 StPO).

Der Beschwerdeführer hat die Kosten des Rechtsmittels zu tragen.

Ergänzend bemerkt der Senat:

  1. Soweit das Landgericht „zu Gunsten des Angeklagten“ (UA S. 6) hinsichtlich der durch Nichtabgabe von Lohnsteueranmeldungen gemäß § 370 Abs. 1 Nr. 2 AO begangenen Steuerhinterziehungen von lediglich einer Unterlassungstat jährlich ausgegangen ist, hält dies rechtlicher Nachprüfung nicht stand. Gemäß § 41a Abs. 2 Satz 1 EStG ist der Lohnsteuer-Anmeldezeit-raum grundsätzlich der Kalendermonat. Wenn die Lohnsteuer für das vorangegangene Kalenderjahr mehr als 1.080 Euro (im Tatzeitraum 2009 – 2013: 1.000 Euro), aber nicht mehr als 4.000 Euro betragen hat, ist das Kalendervierteljahr der Lohnsteuer-Anmeldungszeitraum (§ 41a Abs. 2 Satz 2 1. HS EStG). Lediglich dann, wenn die Lohnsteuer für das vergangene Kalenderjahr nicht mehr als 1.080 Euro (im Tatzeitraum: 1.000 Euro) betragen hat, ist der Lohnsteueranmeldungszeitraum das Kalenderjahr (§ 41a Abs. 2 Satz 2 2. HS EStG). Da diese Grenzen im Tatzeitraum jeweils überschritten wurden, hätte der Angeklagte jeweils monatliche Lohnsteueranmeldungen abgeben müssen. Die Nichtabgabe jeder einzelnen dieser Lohnsteueranmeldungen stellt eine eigenständige Steuerhinterziehung des Angeklagten durch Unterlassen dar (§ 370 Abs. 1 Nr. 2 AO). Das Landgericht hätte deshalb die Besteuerungsgrundlagen für die jeweiligen monatlichen Anmeldezeiträume– soweit erforderlich durch Schätzung (vgl. dazu BGH, Beschluss vom 10. November 2009 – 1 StR 283/09, NStZ 2010, 635 sowie Jäger in Klein, AO, 12. Aufl., § 370 Rn. 98 mwN) – ermitteln und die verkürzte Lohnsteuer errechnen müssen.

Der Senat schließt jedoch aus, dass sich die rechtsfehlerhafte Zusammenfassung mehrerer Unterlassungstaten zu jährlich einer Tat zum Nachteil des Angeklagten ausgewirkt hat. Denn die unzutreffende Beurteilung des Konkurrenzverhältnisses beeinflusst den materiellen Unrechts- und Schuldgehalt der Taten insgesamt nicht (vgl. BVerfG, Beschluss vom 1. März 2004– 2 BvR 2251/03, BVerfGK 3, 20; BGH, Beschlüsse vom 14. Januar 2015– 4 StR 440/14, Rn. 5, NStZ-RR 2015, 113 und vom 21. Januar 2014– 2 StR 507/13; jeweils mwN). Das Landgericht hat auch für keine der Steuerhinterziehungen wegen Verkürzung von Steuern in großem Ausmaß gemäß § 370 Abs. 3 Satz 2 Nr. 1 AO die Strafe dem Strafrahmen des § 370 Abs. 3 AO für besonders schwere Fälle entnommen.

  1. Der Umstand, dass das Landgericht bei gleichzeitigem Vorenthalten von Arbeitgeberbeiträgen nach § 266a Abs. 1 StGB und Arbeitnehmerbeiträgen nach § 266a Abs. 2 Nr. 2 StGB entgegen der Rechtsprechung des Senats (vgl. BGH, Beschlüsse vom 24. Juni 2015 – 1 StR 76/15 Rn. 15, wistra 2015, 393 und vom 18. Mai 2010 – 1 StR 111/10, wistra 2010, 408) nicht von einer einheitlichen Tat, sondern von Tateinheit ausgegangen ist, beschwert den Angeklagten ebenfalls nicht. Denn die zusätzliche Verwirklichung von § 266a Abs. 2 Nr. 2 StGB durfte im Rahmen des Schuldumfangs Berücksichtigung finden (vgl. BGH aaO).

| | | RiBGH Prof. Dr. Graf befindet sich im Urlaub und ist deshalb an der Unterschriftsleistung gehindert. | | | | --- | --- | --- | --- | --- | | Raum | | Raum | | Jäger | | | Radtke | | Fischer | |

Schlagwörter

tax evasionomissionwage tax returnssocial security contributionsconcurrencemonthly filing periodappeal costs