Hardship equalization must be considered in total sentence

BGH 2 StR 31/16Bgh / II. Strafkammer25.02.2016Partially Granted

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The Federal Court partially upheld the defendant’s revision. It held that the Bonn Regional Court’s total-sentence decision was defective because it had not clarified whether the defendant’s last two prior sentences were still unserved or already served, and therefore had not examined a possible hardship equalization. The court stressed that such hardship equalization must be considered when fixing the total prison sentence, not when setting the individual sentences. It also rejected the prosecution’s request to leave the new sentencing decision to written proceedings under § 354(1b) StPO, because any necessary hardship equalization must be decided by the trial court after a main hearing. The remaining part of the revision was rejected.

Omnilex-Regeste

§ 55 StGB; hardship equalization in the determination of a total sentence: If prior sentences may no longer be available for aggregation, the trial court must examine whether compensation for undue hardship is required; this issue is to be taken into account in the assessment of the total sentence, not in the setting of the individual sentences (consid. 3-4). § 354 Abs. 1b StPO in conjunction with §§ 460, 462 StPO does not permit a substitution of the judgment procedure where a possible hardship equalization remains to be decided; such assessment is reserved to the trial court after a main hearing (consid. 5).

Gesamter Gesetzestext

BGH — 2 StR 31/16, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2016-02-25

Aktenzeichen: 2 StR 31/16

ECLI: ECLI:DE:BGH:2016:250216B2STR31.16.0

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 55 StGB, § 354 Abs 1b StPO, § 460 StPO, § 462 StPO

Vorinstanz: vorgehend LG Bonn, 29. Oktober 2015, Az: 21 KLs 20/15vorgehend BGH, 8. Juli 2015, Az: 2 StR 139/15, Urteilvorgehend LG Bonn, 31. Oktober 2014, Az: XX

Spruchkörper: 2. Strafsenat

Titelzeile

Revision in Strafsachen: Berücksichtigung des Härteausgleichs bei Bemessung der Gesamtfreiheitsstrafe; Entscheidung über den Härteausgleich im Beschlussverfahren

Tenor

  1. Auf die Revision des Angeklagten wird das Urteil des Landgerichts Bonn vom 29. Oktober 2015 im Ausspruch über die Gesamtfreiheitsstrafe aufgehoben.

  2. Im Umfang der Aufhebung wird die Sache zu neuer Verhandlung und Entscheidung, auch über die Kosten des Rechtsmittels, an eine andere Strafkammer des Landgerichts zurückverwiesen.

  3. Die weiter gehende Revision des Angeklagten wird verworfen.

Gründe

1 Das Landgericht hat den Angeklagten in einem ersten Urteil wegen bandenmäßigen Handeltreibens mit Betäubungsmitteln in 52 Fällen zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von zwei Jahren verurteilt. Nach Aufhebung dieses Urteils im Strafausspruch mit den zugehörigen Feststellungen durch Urteil des Senats vom 8. Juli 2015 – 2 StR 139/15 – hat das Landgericht den Angeklagten nunmehr zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von einem Jahr und neun Monaten verurteilt. Hiergegen richtet sich die Revision des Angeklagten mit der Sachrüge. Das Rechtsmittel hat in dem aus der Entscheidungsformel ersichtlichen Umfang Erfolg; im Übrigen ist es unbegründet im Sinne von § 349 Abs. 2 StPO.

2 Der Schuldspruch ist durch das Senatsurteil in Rechtskraft erwachsen. Der neue Ausspruch des Landgerichts über die Einzelstrafen ist rechtsfehlerfrei. Jedoch begegnet die Entscheidung über die Gesamtfreiheitsstrafe durchgreifenden rechtlichen Bedenken.

3 Das Landgericht hat keine Feststellungen zu den Tatzeitpunkten und dem Vollstreckungsstand der letzten beiden Vorverurteilungen getroffen. Soweit diese Vorstrafen zur Zeit des angefochtenen Urteils noch nicht vollstreckt waren, kam möglicherweise eine Gesamtstrafenbildung oder eine Entscheidung nach § 53 Abs. 2 Satz 2 StGB in Betracht; dies kann der Senat im Hinblick auf die mitgeteilten Urteilsdaten jedenfalls nicht ausschließen. Waren die Strafen dagegen bereits vollstreckt, so wäre vom Tatgericht die Frage eines etwaigen Härteausgleichs zu erörtern gewesen, insbesondere wenn die Geldstrafen als Ersatzfreiheitsstrafen vollstreckt wurden (vgl. Senat, Beschluss vom 17. September 2014 - 2 StR 325/14; Beschluss vom 11. Februar 2016 - 2 StR 397/15). Die Strafkammer hat eine solche Prüfung unterlassen. Danach kann nicht ausgeschlossen werden, dass bei Vornahme eines Härteausgleichs eine niedrigere Gesamtstrafe verhängt worden wäre.

4 Der Härteausgleich ist - gegebenenfalls - in die Bemessung der Gesamtfreiheitsstrafe einzustellen und nicht bei der Festsetzung der Einzelfreiheitsstrafen zu würdigen (vgl. BGH, Urteil vom 29. Juli 1982 - 4 StR 75/82, BGHSt 31, 102, 103; Beschluss vom 27. Mai 2009 - 5 StR 187/09; Bußmann in Matt/Renzikowski, StGB 2013, § 55 Rn. 28; SSW/Eschelbach, StGB, 2. Aufl., § 55 Rn. 20; Fischer, StGB, 63. Aufl., § 55 Rn. 22a; LK/Rissing-van Saan, StGB, 12. Aufl., § 55 Rn. 32), weshalb die Einzelstrafen bestehen bleiben können (im Einzelfall anders BGH, Beschluss vom 2. Dezember 2015 - 4 StR 423/15). Da die getroffenen Feststellungen von dem Rechtsfehler nicht betroffen sind, können sie bestehen bleiben.

5 Die neu zu treffende Entscheidung über den Strafausspruch kann– entgegen dem Antrag des Generalbundesanwalts – nicht gemäß § 354 Abs. 1b StPO dem Beschlussverfahren gemäß § 460, § 462 StPO überlassen werden, weil die möglicherweise erforderliche Entscheidung über einen Härteausgleich nicht in den Regelungsbereich dieser Vorschriften fällt; sie ist dem Urteil des Tatgerichts nach Durchführung einer Hauptverhandlung vorbehalten (vgl. BGH, Beschluss vom 7. Januar 2014 - 3 StR 337/13; Beschluss vom 17. September 2014 - 2 StR 325/14).

Fischer Appl Eschelbach Ott Zeng

Schlagwörter

total sentencehardship equalizationprior convictionsrevisionsentencingremandwritten procedure

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the total prison sentence had to be quashed because the trial court failed to consider hardship equalization in light of prior convictions and their enforcement status.

Extrahierter Entscheid

The total-sentence determination could not stand because the trial court had not clarified the timing and enforcement status of the last two prior convictions and had not examined whether hardship equalization was required.

Extrahierte Begründung

If the prior sentences were still unserved, further total sentencing or § 53(2) sentence combination could have been relevant; if they had already been served, hardship equalization had to be addressed. Because this was left open, a lower total sentence could not be excluded.

Kernrechtsfrage

Whether the new sentencing decision could be left to written proceedings under § 354(1b) StPO in conjunction with §§ 460, 462 StPO.

Extrahierter Entscheid

No. Any potentially necessary hardship equalization falls outside the scope of those provisions and must be decided by the trial court after a main hearing.

Extrahierte Begründung

The required assessment is reserved to the judgment of the trial court and cannot be outsourced to the dismissal/decision procedure under the cited provisions.

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