Fraud damage and sentencing in a Ponzi scheme

BGH 1 StR 433/15Bgh / I. Strafkammer02.03.2016Dismissed

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The BGH rejected the defendant's revision against the LG Nürnberg-Fürth judgment in a large-scale investment fraud case. It held that the investors' full investment amounts were correctly treated as loss because, at the time of the disposals, repayment claims were economically worthless in a scheme dependent on further fraudulent inflows. The court further held that repayments from the fraudulent proceeds could be considered in sentencing without individualized allocation to each investor, as they served to sustain the scheme and were already taken into account in aggregate. The individual sentences in the 188 fraud cases were therefore upheld, and the defendant had to bear the costs of the revision.

Omnilex-Regeste

§ 263 StGB; fraud damage in a Ponzi scheme and sentencing treatment of repayments to investors: For determining damage, the decisive point is the time of the asset disposition. In an investment fraud scheme financed exclusively by further fraudulent inflows, investors' repayment claims may be economically worthless already at that time; later repayments do not affect the statutory damage. For sentencing, repayments from criminal proceeds may be considered in the offender's favor without individual allocation to each victim where they merely serve to maintain the fraud system and their total amount and flow are duly weighed. The sentencing court retains wide discretion in evaluating the mitigating effect of such repayments (consid. 2).

Gesamter Gesetzestext

BGH — 1 StR 433/15, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2016-03-02

Aktenzeichen: 1 StR 433/15

ECLI: ECLI:DE:BGH:2016:020316B1STR433.15.0

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 263 StGB

Vorinstanz: vorgehend LG Nürnberg-Fürth, 26. Februar 2015, Az: 3 KLs 508 Js 1516/12

Spruchkörper: 1. Strafsenat

Titelzeile

Strafzumessung beim Kapitalanlagebetrug: Feststellung des Schadens bei massenhaftem Betrug von Anlegern mittels eines Schneeballsystems; individuelle Zuordnung des Rückflusses von Geldern an Geschädigte

Tenor

Die Revision des Angeklagten gegen das Urteil des Landgerichts Nürnberg-Fürth vom 26. Februar 2015 wird als unbegründet verworfen, da die Nachprüfung des Urteils aufgrund der Revisionsrechtfertigung keinen Rechtsfehler zum Nachteil des Angeklagten ergeben hat (§ 349 Abs. 2 StPO).

Der Beschwerdeführer hat die Kosten des Rechtsmittels zu tragen.

Ergänzend bemerkt der Senat:

  1. Die Angriffe der Revision gegen den Schuldspruch dringen aus den in der Antragsschrift des Generalbundesanwalts genannten Gründen nicht durch. Insbesondere stellt es keinen Rechtsfehler dar, dass das Landgericht als Vermögensschaden der geschädigten Anleger jeweils deren volle Anlagebeträge angesetzt hat. Zum für die Bestimmung des Vermögensschadens aufgrund einer Gesamtsaldierung maßgeblichen Zeitpunkt der Vermögensverfügung (näher BGH, Urteile vom 2. Februar 2016 – 1 StR 435/15 Rn. 20 [zur Veröffentlichung in BGHSt vorgesehen] und 1 StR 437/15 Rn. 33 mwN) konnten die Rückzahlungsansprüche der Anleger als wirtschaftlich wertlos angesehen werden, weil die Möglichkeit der Rückführung der vereinnahmten Gelder sowie ggf. der Auszahlung vertraglich versprochener Renditen ausschließlich von der zukünftigen Einnahme weiterer betrügerisch erlangter Gelder von Anlegern durch den Angeklagten abhing (vgl. BGH, Beschluss vom 18. Februar 2009 – 1 StR 731/08, BGHSt 53, 199, 204 f. Rn. 18). Die späteren Entwicklungen in Gestalt von Rückzahlungen an die Anleger berühren den tatbestandlichen Schaden nicht (BGH, Beschlüsse vom 23. Februar 2012 – 1 StR 586/11, NStZ 2013, 38, 39 Rn. 15 und vom 4. Februar 2014 – 3 StR 347/13, NStZ 2014, 457 jeweils mwN).

  2. Auch die Bemessung der Einzelstrafen in den 188 Fällen der durch den Angeklagten als unmittelbarer Täter verwirklichten Betrugstaten (C.II.1.b der Urteilsgründe) erweist sich unter den hier vorliegenden Umständen als rechtsfehlerfrei.

a) Das Landgericht hat hinsichtlich der vorgenannten Fälle die von den einzelnen Anlegern jeweils ausgekehrten Beträge (einschließlich der Zeitpunkte des Abflusses und der Dauer der Anlage) ebenso rechtsfehlerfrei festgestellt wie die Summe der insgesamt durch den Angeklagten vereinnahmten Gelder der Geschädigten mit 22.175.913,81 Euro. Die Gesamtsumme der Auszahlungen des Angeklagten an einen Teil der Anleger aus den im Tatzeitraum aufgrund dieser Taten vereinnahmten Gelder betrug 9.882.805,62 Euro (UA S. 20). Bei der Bildung der Einzelstrafen jeweils innerhalb des von § 263 Abs. 3 Satz 1, Satz 2 Nr. 1 StGB (gewerbsmäßig) eröffneten Strafrahmens hat das Landgericht die Gesamtsumme der Rückzahlungen an solche Anleger, die Anlagen im Tatzeitraum getätigt haben, zu Gunsten des Angeklagten berücksichtigt (UA S. 59 und 61 f.). Das ist rechtlich nicht zu beanstanden.

Das Landgericht hat erkennbar bedacht, dass der Rückfluss von Geldern an die Geschädigten nicht die Höhe des bereits zeitlich zuvor eingetretenen Vermögensschadens berührt, aber für die Strafzumessung von Bedeutung ist (vgl. BGH, Urteil vom 7. März 2006 – 1 StR 379/05, BGHSt 51, 10, 17 Rn. 23; BGH, Beschluss vom 18. Februar 2009 – 1 StR 731/08, BGHSt 53, 199, 202 Rn. 11; siehe auch BGH, Beschluss vom 16. Februar 2000 – 1 StR 189/99, NStZ 2000, 376, 377). Zwar wird es regelmäßig für die Strafzumessung geboten sein, derartige Rückflüsse an Geschädigte diesen individuell zuzuordnen. In Konstellationen wie der vorliegenden, in denen die Rückzahlungen ausschließlich aus deliktisch erlangten Mitteln stammten und allein der Aufrechterhaltung des betrügerischen Anlagesystems dienten, bedarf es einer solchen individuell-konkreten Zuordnung jedoch nicht (vgl. bereits BGH, Beschluss vom 16. Februar 2000 – 1 StR 189/99, NStZ 2000, 376, 377), wenn und soweit die Zahlungen als solche und ihr (Gesamt)Umfang berücksichtigt worden sind. Das Landgericht hat angesichts des Vorgenannten auch ohne Rechtsfehler die strafzumessungsrechtliche Bedeutung der Rückzahlungen als zu Gunsten des Angeklagten wirkend relativiert. Das hält sich innerhalb des dem Tatrichter eingeräumten Spielraums bei der Festlegung der Bewertungsrichtung strafzumessungsrelevanter Umstände (vgl. BGH, Beschluss vom 10. April 1987 – GSSt 1/86, BGHSt 34, 345, 350).

b) Ausweislich der die Strafzumessung betreffenden Urteilsgründe hat das Landgericht die Möglichkeit des Wegfalls der Regelwirkung der Gewerbsmäßigkeit (§ 263 Abs. 3 Satz 2 Nr. 1 StGB) in den Blick genommen und in die dafür maßgebliche Gesamtabwägung auch die Rückzahlungen an die Geschädigten – was rechtlich nicht durchgängig geboten ist (BGH, Urteil vom 31. März 2004 – 2 StR 482/03, NJW 2004, 2394, 2395) – einbezogen (UA S. 59).

c) Da das Landgericht in keinem der hier fraglichen 188 Fälle des Betrugs das Regelbeispiel gemäß § 263 Abs. 3 Satz 2 Nr. 2 Var. 1 StGB (großes Ausmaß) zugrunde gelegt hat, bedarf es keiner Entscheidung, ob im Hinblick hierauf eine individuell-konkrete Zuordnung von Rückzahlungen selbst in den hier vorliegenden Konstellationen erforderlich gewesen wäre.

  1. Trotz des Antrags des Generalbundesanwalts, die Einzelstrafen in den Fällen C.II.1.b) der Urteilsgründe jeweils auf das gesetzliche Mindestmaß von sechs Monaten (§ 263 Abs. 3 Satz 1 StGB) herabzusetzen, war der Senat nicht gehindert gemäß § 349 Abs. 2 StPO zu entscheiden, denn die Revision hat auch nach Auffassung des Generalbundesanwalts im Ergebnis keinen Erfolg (vgl. BGH, Beschlüsse vom 8. Juli 2009 – 1 StR 214/09 Rn. 9 und vom 23. Juli 2015 – 1 StR 279/15 jeweils mwN).

Raum Radtke Mosbacher

Fischer Bär

Schlagwörter

fraudPonzi schemedamage calculationsentencingrepaymentscommercial fraudappealcosts

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the full investment amounts counted as loss in the fraud cases

Extrahierter Entscheid

Yes. The injured investors' full invested sums were properly treated as damage because, at the time of disposition, their repayment claims were economically worthless in a scheme dependent on further fraud proceeds.

Extrahierte Begründung

Subsequent repayments do not affect the statutory loss. The relevant point is the time of the asset disposition and overall balancing; future return depended solely on continued inflow of new illicit investor money.

Kernrechtsfrage

Whether repayments to some investors had to be individually allocated for sentencing

Extrahierter Entscheid

Not necessarily. In this case, the sentencing court could consider the total repayments as mitigating without individual allocation because the repayments came exclusively from criminal proceeds and served to sustain the fraud scheme.

Extrahierte Begründung

Normally individual allocation is often required for sentencing, but the court accepted a global consideration where repayments only circulated delictual funds within the scheme and the total and timing were already accounted for.

Kernrechtsfrage

Whether the individual sentences for the 188 fraud counts were unlawful

Extrahierter Entscheid

No. The sentencing was within the trial court's discretion and the appellate court saw no legal error, including in its treatment of the aggravating feature of commercial fraud.

Extrahierte Begründung

The trial court had considered the possibility that the commerciality aggravation might lose its typical weight and had included repayments in the balancing. Since no great-scale aggravation was applied, no further ruling on individualized allocation was needed.

Kernrechtsfrage

Whether the revision should be granted on the General Prosecutor's submission to reduce the sentences

Extrahierter Entscheid

No. The appeal remained unsuccessful even under the General Prosecutor's view that the minimum sentence might apply in individual counts.

Extrahierte Begründung

The appellate court could still dispose of the case under the summary procedure because the revision had no prospect of success overall.

Setzen Sie Ihre Recherche in ChatGPT oder Claude fort

Verbinden Sie Omnilex, um den Rechtskorpus über Ihren KI-Assistenten zu durchsuchen.