Need for reasons when determining juvenile sentence

BGH 3 StR 345/15Bgh / III. Strafkammer12.11.2015Partially Granted

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The BGH partly allowed the defendant's cassation against a judgment of the LG Stade. It discontinued the proceedings for one count, amended the conviction accordingly, but set aside the juvenile sentencing part and the related findings. The court held that the sentencing court may have used the wrong statutory maximum and stressed that juvenile punishment must be determined primarily by educational considerations and an express balancing of offense gravity against the impact on the youth's development. The case was remanded to another criminal chamber for a new decision on sentence and remaining appeal costs.

Omnilex-Regeste

§ 18 Abs. 2 JGG; juvenile sentence must be determined primarily by educational considerations; the grounds must show that the court weighed the gravity of the offense against the effects of the punishment on the offender's further development. A mere recitation of adult-style sentencing factors is insufficient. If the sentencing court may have proceeded from an incorrect statutory maximum, the sentence cannot stand where the appellate court cannot exclude an influence on the assessment. Partial discontinuance of proceedings requires corresponding amendment of the conviction and costs consequences under § 349 Abs. 2 StPO.

Gesamter Gesetzestext

BGH — 3 StR 345/15, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2015-11-12

Aktenzeichen: 3 StR 345/15

ECLI: ECLI:DE:BGH:2015:121115B3STR345.15.0

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 18 Abs 2 JGG, § 261 StPO, § 267 StPO, § 244 StGB

Vorinstanz: vorgehend LG Stade, 30. Januar 2015, Az: 1306 KLs 1/14

Spruchkörper: 3. Strafsenat

Titelzeile

Jugendstrafverfahren u.a. wegen schweren Bandendiebstahls: Notwendige Begründung der Bemessung einer Jugendstrafe

Tenor

  1. Auf die Revision des Angeklagten gegen das Urteil des Landgerichts Stade vom 30. Januar 2015 wird

a) das Verfahren eingestellt, soweit der Angeklagte im Fall II. 2. g. (Tat 10) der Urteilsgründe verurteilt worden ist; im Umfang der Einstellung fallen die Kosten des Verfahrens und die notwendigen Auslagen des Angeklagten der Staatskasse zur Last;

b) das vorgenannte Urteil dahin geändert, dass der Angeklagte wegen schweren Bandendiebstahls in zwei Fällen, Diebstahls in zwei Fällen sowie Brandstiftung verurteilt ist;

c) im Rechtsfolgenausspruch mit den zugehörigen Feststellungen aufgehoben.

Im Umfang der Aufhebung wird die Sache zu neuer Verhandlung und Entscheidung, auch über die verbleibenden Kosten des Rechtsmittels, an eine andere Strafkammer des Landgerichts zurückverwiesen.

  1. Die weitergehende Revision wird verworfen.

Gründe

1 Das Landgericht hat den Angeklagten wegen schweren Bandendiebstahls in zwei Fällen, Diebstahls in drei Fällen sowie wegen Brandstiftung zu der Einheitsjugendstrafe von einem Jahr und drei Monaten verurteilt und deren Vollstreckung zur Bewährung ausgesetzt. Die hiergegen gerichtete, auf die allgemeine Sachrüge gestützte Revision des Angeklagten hat den aus der Entscheidungsformel ersichtlichen Teilerfolg. Im Übrigen ist sie unbegründet im Sinne des § 349 Abs. 2 StPO.

2 1. Auf Antrag des Generalbundesanwalts hat der Senat das Verfahren eingestellt, soweit der Angeklagte im Fall II. 2. g. (Tat 10) der Urteilsgründe verurteilt worden ist. Dies bedingt die aus der Entscheidungsformel ersichtliche Änderung des Schuldspruchs.

3 2. Der Rechtsfolgenausspruch hält rechtlicher Überprüfung nicht stand. Das Landgericht ist bei der Bemessung der Jugendstrafe möglicherweise von einem falschen Strafrahmen ausgegangen. Zwar nennt es in den Gründen seiner Entscheidung zutreffend § 18 Abs. 1 Satz 1 JGG als maßgeblich für den anzuwendenden Strafrahmen. Anders als dort vorgesehen geht es sodann aber von einer Strafobergrenze von 10 Jahren statt von fünf Jahren aus. Der Senat kann nicht ausschließen, dass sich dies auf die Bemessung der Jugendstrafe ausgewirkt hat.

4 Für die neu zu treffende Entscheidung weist der Senat auf Folgendes hin: Gemäß § 18 Abs. 2 JGG bemisst sich die Höhe der Jugendstrafe vorrangig nach erzieherischen Gesichtspunkten. Die Urteilsgründe müssen deshalb erkennen lassen, dass dem Erziehungsgedanken die ihm zukommende Beachtung geschenkt und bei der Bemessung der Jugendstrafe das Gewicht des Tatunrechts gegen die Folgen der Strafe für die weitere Entwicklung des Heranwachsenden abgewogen worden ist (st. Rspr.; vgl. BGH, Beschluss vom 28. Februar 2012 - 3 StR 15/12, NStZ-RR 2012, 186, 187 mwN). Beschränkt sich das Tatgericht auf eine Abwägung von Strafzumessungskriterien, wie sie auch im Erwachsenenstrafrecht üblich sind, genügt dies den gesetzlichen Anforderungen nicht.

Becker Hubert Mayer

Gericke Spaniol

Schlagwörter

juvenile sentencingeducational considerationscassationpartial discontinuancesentencing reasonsremand

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether proceedings had to be discontinued for count II.2.g (offense 10).

Extrahierter Entscheid

Yes. The proceedings were discontinued to that extent, and costs and necessary expenses for that part were borne by the state treasury.

Extrahierte Begründung

Upon the Federal Prosecutor General's request, the court discontinued the proceedings for the affected count, which required corresponding correction of the judgment.

Kernrechtsfrage

Whether the conviction had to be amended after the partial discontinuance.

Extrahierter Entscheid

Yes. The conviction was amended to aggravated gang theft in two cases, theft in two cases, and arson.

Extrahierte Begründung

Because one count was discontinued, the operative part of the conviction had to be adjusted accordingly.

Kernrechtsfrage

Whether the juvenile sentence and related findings could stand.

Extrahierter Entscheid

No. The sentencing part, together with the associated findings, was set aside and the case remanded for a new hearing and decision.

Extrahierte Begründung

The juvenile court may have proceeded from an incorrect statutory sentencing range, assuming a maximum of 10 years instead of 5 years. The appellate court could not exclude that this affected the sentence. It also emphasized that juvenile sentencing must be primarily guided by educational considerations under § 18(2) JGG and must reflect a weighing of the gravity of the offense against the impact of punishment on the young offender's development.

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