Doppelverwertungsverbot in sentencing for drug courier

BGH 3 StR 543/15Bgh / III. Strafkammer26.01.2016Partially Granted

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The Federal Court of Justice partly upheld the defendant’s criminal appeal against a judgment of the Regional Court of Kleve. The conviction for drug importation in non-negligible quantity in concurrence with aiding drug trafficking and the ancillary confiscation/forfeiture measures were left untouched. However, the sentence of three years and six months’ imprisonment was set aside because the trial court had relied, to the defendant’s detriment, on the fact that he consciously undertook the courier trip, thereby breaching the prohibition on double use of the same fact under Section 46(3) StGB. The case was remitted for a new sentencing decision.

Omnilex-Regeste

§ 46 Abs. 3 StGB; § 30 Abs. 2 BtMG; denial of a mitigated case may not be based on circumstances that merely describe the commission of the offense. The sentencing court must not use as an aggravating factor that the defendant knowingly committed the act, because this duplicates the wrong inherent in the offense (prohibition of double counting). Conversely, the police securing of a substantial part of the drugs may be a significant mitigating circumstance, since it eliminates or reduces the danger to the public and must be weighed both in choosing the sentencing range and in fixing the concrete sentence (cf. consid. 2). A pure value error in sentencing leaves the findings intact under § 353 Abs. 2 StPO and permits remittal limited to punishment.

Gesamter Gesetzestext

BGH — 3 StR 543/15, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2016-01-26

Aktenzeichen: 3 StR 543/15

ECLI: ECLI:DE:BGH:2016:260116B3STR543.15.0

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 30 Abs 2 BtMG, § 27 StGB, § 46 Abs 3 StGB, § 52 StGB

Vorinstanz: vorgehend LG Kleve, 1. Oktober 2015, Az: 223 KLs 7/15

Spruchkörper: 3. Strafsenat

Titelzeile

Unerlaubte Einfuhr von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge in Tateinheit mit Beihilfe zum unerlaubten Handeltreiben: Verstoß gegen das Doppelverwertungsverbot bei Ablehnung eines minder schweren Falls für einen Kurierfahrer

Tenor

  1. Auf die Revision des Angeklagten wird das Urteil der auswärtigen großen Strafkammer des Landgerichts Kleve in Moers vom 1. Oktober 2015 - unter Aufrechterhaltung der zugehörigen Feststellungen - im Strafausspruch aufgehoben.

Im Umfang der Aufhebung wird die Sache zu neuer Verhandlung und Entscheidung, auch über die Kosten des Rechtsmittels, an eine andere Strafkammer des Landgerichts zurückverwiesen.

  1. Die weitergehende Revision wird verworfen.

Gründe

1 Das Landgericht hat den Angeklagten wegen Einfuhr von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge in Tateinheit mit Beihilfe zum Handeltreiben mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und sechs Monaten verurteilt sowie eine Einziehungs- und eine Verfallsentscheidung getroffen. Die auf die Rüge der Verletzung materiellen Rechts gestützte Revision des Angeklagten hat den aus der Beschlussformel ersichtlichen Teilerfolg; im Übrigen ist das Rechtsmittel unbegründet.

2 Während die auf die Sachrüge gebotene umfassende Überprüfung des Urteils zum Schuldspruch und zu den Nebenentscheidungen keinen Rechtsfehler zum Nachteil des Angeklagten ergeben hat, kann der Strafausspruch keinen Bestand haben. Die Erwägung der Strafkammer, ein minder schwerer Fall gemäß § 30 Abs. 2 BtMG komme unter anderem deshalb nicht in Betracht, weil der Angeklagte "sich aus wirtschaftlichen Erwägungen ganz bewusst für die Übernahme der angebotenen Kurierfahrt und mithin für die Begehung der Straftat entschieden" habe, verstößt gegen § 46 Abs. 3 StGB. Denn damit legt das Landgericht dem Angeklagten straferschwerend zur Last, die abgeurteilte Tat überhaupt begangen zu haben (vgl. BGH, Beschluss vom 1. März 2001 - 4 StR 36/01, NStZ-RR 2001, 295). Darüber hinaus handelt es sich bei dem Umstand der polizeilichen Sicherstellung eines Großteils der vom Angeklagten eingeführten und zum Handel durch Dritte bestimmten Betäubungsmittel wegen des damit verbundenen Wegfalls jeglicher Gefahr für die Allgemeinheit um einen bestimmenden Strafzumessungsgesichtspunkt im Sinne des § 267 Abs. 3 Satz 1 StPO, der zugunsten des Revisionsführers sowohl bei der Strafrahmenwahl als auch bei der konkreten Strafzumessung in die Abwägung hätte eingestellt werden müssen (st. Rspr.; vgl. BGH, Beschluss vom 30. September 2014 - 2 StR 286/14, juris Rn. 2).

3 Die Sache bedarf daher zum Strafausspruch neuer Verhandlung und Entscheidung. Eine Aufhebung der zugehörigen Feststellungen war indes nicht angezeigt, weil es sich in beiden Fällen um reine Wertungsfehler handelt (vgl. § 353 Abs. 2 StPO). Weitergehende Feststellungen, die zu den bislang getroffenen nicht in Widerspruch stehen, sind möglich.

Becker Hubert Mayer

Gericke Tiemann

Schlagwörter

drug importationaiding and abettingsentencingdouble countingmitigationcourierremand

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the refusal of a mitigated case under Section 30(2) BtMG violated the ban on double use of the same circumstance under Section 46(3) StGB.

Extrahierter Entscheid

Yes. The lower court impermissibly treated the defendant's decision to carry out the courier trip as an aggravating factor, i.e. as punishment for the offense itself.

Extrahierte Begründung

A circumstance that merely describes the commission of the offense may not be used again to increase punishment or to deny a mitigated case; the court also had to consider the police seizure of most of the drugs as a mitigating sentencing factor.

Kernrechtsfrage

Whether the conviction and ancillary decisions could stand despite the sentencing error.

Extrahierter Entscheid

Yes, they remained undisturbed because the review found no legal error to the defendant's detriment in the conviction or ancillary measures.

Extrahierte Begründung

The error concerned only legal evaluation in sentencing; existing findings were left intact and could support a new sentencing decision.

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