Reinstatement request on missed appeal briefing deadline: competent court

BGH II ZR 57/15Bgh / II. Zivilkammer26.01.2016Other

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The plaintiff asked the Federal Court for reinstatement after the appeal briefing deadline had been missed because a fax was sent to the wrong court. The Federal Court held that it was not competent to decide the request. Under § 237 ZPO, the court responsible for the omitted act must rule on reinstatement; in the case of a missed appeal brief deadline, that is the Court of Appeal. The Federal Court may decide itself only if reinstatement is obviously warranted from the file, which was not the situation here.

Omnilex-Regeste

§ 237 ZPO; competence to decide reinstatement after expiry of the appeal briefing period. The court competent for the omitted procedural act is also competent to decide the request for reinstatement. If the appeal briefing deadline has been missed, the Court of Appeal is the deciding court. The reviewing court may exceptionally decide the request itself for reasons of procedural economy only where reinstatement can be granted without further inquiry from the case file; absent such obvious entitlement, it must leave the decision to the appellate court (consid. 3-4).

Gesamter Gesetzestext

BGH — II ZR 57/15, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2016-01-26

Aktenzeichen: II ZR 57/15

ECLI: ECLI:DE:BGH:2016:260116BIIZR57.15.0

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 233 ZPO, § 237 ZPO

Vorinstanz: vorgehend OLG Frankfurt, 26. Januar 2015, Az: 16 U 56/14, Urteilvorgehend LG Frankfurt, 21. Februar 2014, Az: 2-8 O 129/13nachgehend BGH, 27. September 2016, Az: II ZR 57/15, Urteil

Spruchkörper: 2. Zivilsenat

Titelzeile

Wiedereinsetzung in den vorigen Stand: Zuständiges Gericht für die Entscheidung über den Antrag

Tenor

Über den Antrag des Klägers auf Wiedereinsetzung in den vorigen Stand gegen die Versäumung der Berufungsbegründungsfrist hat das Berufungsgericht zu entscheiden.

Gründe

I.

1 Der Kläger hat beim Bundesgerichtshof Wiedereinsetzung in die versäumte Berufungsfrist beantragt. Das Urteil des Landgerichts wurde ihm am 6. März 2014 zugestellt. Der 6. April 2014 fiel auf einen Sonntag. Die an das Oberlandesgericht adressierte Berufungsschrift wurde per Telefax an das Landgericht Frankfurt geschickt und erhielt den Eingangsstempel des Landgerichts vom 7. April 2014. Das an das Oberlandesgericht gesandte Original weist dort den Eingangsstempel vom 8. April 2014 auf.

2 Der Kläger hat vorgetragen, die für seinen erstinstanzlichen Prozessbevollmächtigten seit rund sechs Monaten beanstandungslos tätige Rechtsanwaltsfachangestellte habe nach Erhalt der Anweisung des Prozessbevollmächtigten, den unterzeichneten Schriftsatz vorab per Telefax an das Oberlandesgericht unter Verwendung der im Adressfeld maschinenschriftlich angegebenen Faxnummer des Oberlandesgerichts zu senden, anschließend das Sendungsprotokoll zu überprüfen, ihm den Eingang des Telefaxes zu bestätigen und anschließend den Schriftsatz zur Post aufzugeben, aus nicht mehr aufklärbaren Gründen eigenmächtig die auf dem Schriftsatz angegebene Faxnummer in die des Landgerichts abgeändert, den Schriftsatz an diese Nummer gesandt, den Prozessbevollmächtigten des Klägers über die Vorabübermittlung des Schriftsatzes unterrichtet und die Frist im Kalender gestrichen.

II.

3 Über den Antrag auf Wiedereinsetzung in den vorigen Stand hat nicht der Bundesgerichtshof, sondern das Berufungsgericht zu entscheiden. Gemäß § 237 ZPO entscheidet über den Antrag auf Wiedereinsetzung in den vorigen Stand das Gericht, dem die Entscheidung über die nachgeholte Prozesshandlung zusteht. Bei Versäumung der Berufungsbegründungsfrist ist dies das Berufungsgericht. Das gilt grundsätzlich auch dann, wenn über den Wiedereinsetzungsantrag nach Beendigung der betreffenden Instanz zu entscheiden ist (vgl. BGH, Urteil vom 20. Mai 2014 - VI ZR 384/13, NJW-RR 2014, 1532 Rn. 12; Beschluss vom 26. Februar 2013 - VI ZR 374/12, NJW-RR 2013, 702 Rn. 2; Urteil vom 3. Juni 1987 - VIII ZR 154/86, BGHZ 101, 134, 141; Beschluss vom 7. Oktober 1981 - IVb ZB 825/81, NJW 1982, 887, 888; BAG, NJW 2004, 2112, 2113), auch in dem Fall, dass das Berufungsverfahren abgeschlossen ist (BGH, Beschluss vom 26. Februar 2013 - VI ZR 374/12, NJW-RR 2013, 702 Rn. 2).

4 Etwas anders gilt - aus Gründen der Prozesswirtschaftlichkeit - dann, wenn nach dem Akteninhalt Wiedereinsetzung ohne weiteres zu gewähren ist. In einem solchen Fall ist das mit der Sache befasste Revisionsgericht ausnahmsweise befugt, selbst zu entscheiden und dem für den Berufungsrechtszug gestellten Wiedereinsetzungsantrag stattzugeben (vgl. BGH, Urteil vom 20. Mai 2014 - VI ZR 384/13, NJW-RR 2014, 1532 Rn. 12; Beschluss vom 26. Februar 2013 - VI ZR 374/12, NJW-RR 2013, 702 Rn. 2; Beschluss vom 19. Juni 1996 - XII ZB 89/96, NJW 1996, 2581; Beschluss vom 22. September 1992 - VI ZB 22/92, VersR 1993, 500, 501; Beschluss vom 9. Juli 1985 - VI ZB 8/85, NJW 1985, 2650, 2651; Urteil vom 4. November 1981 - IVb ZR 625/80, NJW 1982, 1873, 1874). Die Voraussetzungen hierfür sind vorliegend aber nicht gegeben.

Bergmann Caliebe Drescher

Born Sunder

Schlagwörter

reinstatementappeal deadlinecompetenceprocedural economymissed filing

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Which court is competent to decide the reinstatement request under § 237 ZPO after missing the appeal briefing deadline?

Extrahierter Entscheid

The appellate court must decide the reinstatement request, because it is the court competent for the omitted procedural act.

Extrahierte Begründung

Under § 237 ZPO, the court that would decide the belated procedural act also decides reinstatement. For a missed appeal briefing deadline, that is the appellate court. The exception that the reviewing court may decide itself only applies where reinstatement is obviously to be granted from the file; that was not the case here.

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