New offence during investigation may indicate lack of law-abidingness

BGH 2 StR 272/15Bgh / II. Strafkammer11.11.2015Dismissed

Zusammenfassung

The Federal Court of Justice dismissed the defendant's revision against the Hanau Regional Court judgment. It held that the sentencing court permissibly treated the fact that the defendant committed a new, related assault while the present investigation was still pending as an indicator of his lack of law-abidingness. The reference to the pending proceedings as a failed 'warning' was misleading, but harmless in context because the decisive point was the offender's personality assessment under section 46 StGB. The defendant was ordered to bear the costs of the remedy and the private prosecutors' necessary expenses.

Regest

§ 46 StGB; sentencing assessment and personality evaluation: a new, related offence committed while proceedings are still pending may, when viewed in context, be considered as an indication of the offender’s deficient respect for the law and used for the assessment of personality and culpability. An isolated and linguistically inaccurate reference to the alleged warning effect of pending proceedings is not objectionable if the reasons as a whole show that the court did not treat the mere existence of the investigation as an impermissible aggravating factor, but rather the commission of the subsequent offence itself (cf. consid. 1).

Gesamter Gesetzestext

BGH — 2 StR 272/15, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2015-11-11

Aktenzeichen: 2 StR 272/15

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 46 StGB

Vorinstanz: vorgehend LG Hanau, 23. März 2015, Az: 2 Ks 3325 Js 11213/12

Spruchkörper: 2. Strafsenat

Titelzeile

Strafzumessung: Indizwirkung der Begehung einer neuen Straftat während des laufenden Ermittlungsverfahrens für fehlende Rechtstreue

Tenor

Die Revision des Angeklagten gegen das Urteil des Landgerichts Hanau vom 23. März 2015 wird als unbegründet verworfen, da die Nachprüfung des Urteils auf Grund der Revisionsrechtfertigung keinen Rechtsfehler zum Nachteil des Angeklagten ergeben hat.

Der Beschwerdeführer hat die Kosten des Rechtsmittels und die den Nebenklägern im Revisionsverfahren entstandenen notwendigen Auslagen zu tragen.

Ergänzend bemerkt der Senat:

Die tatrichterliche Erwägung, der Angeklagte habe sich „das in hiesiger Sache laufende Ermittlungsverfahren" nicht „zur Warnung dienen lassen, sondern am 01.10.2012 erneut eine Körperverletzung begangen", versteht der Senat unter Berücksichtigung des Gesamtzusammenhangs der Urteilsgründe dahin, dass der Tatrichter dem Umstand, dass der Angeklagte trotz des gegen ihn anhängigen Ermittlungsverfahrens in vorliegender Sache eine neuerliche und einschlägige Straftat begangen hat, Indizwirkung für seine fehlende Rechtstreue beigemessen hat. Dies dient der zutreffenden Erfassung der Täterpersönlichkeit und ist daher - ungeachtet des missverständlichen Hinweises auf die „Warnwirkung" des anhängigen Verfahrens, die allein in dem wegen der späteren Tat geführten Strafverfahren zu seinen Ungunsten berücksichtigt werden kann - rechtlich unbedenklich (vgl. BGH, Beschluss vom 5. Februar 1998 - 4 StR 16/98, NStZ 1998, 404; Senat, Urteil vom 30. September 2009 - 2 StR 270/09, NStZ-RR 2010, 40; Fischer StGB, 62. Aufl., § 46 Rn. 38).

Krehl Eschelbach Ott

Zeng Bartel

Schlagwörter

sentencingpersonality assessmentlaw-abidingnessrevisionassault