Use of sham invoices as document forgery; revision dismissed

BGH 1 StR 279/15Bgh / I. Strafkammer23.07.2015Dismissed

Zusammenfassung

The Federal Court dismissed the defendant’s revision against the LG Gießen judgment. It held that the sham invoices used to evade VAT had already been used as false documents in legal transactions when they were passed, through an intermediary, to the accountant and tax adviser for preparing VAT advance returns and annual VAT returns. The later joint production of those invoices during a tax audit did not transform the already completed document-forgery offenses into a single later act. The Senate also saw no reason to discontinue parts of the case under Section 154(2) StPO.

Regest

Art. 267 Abs. 1 StGB; use of a counterfeit document in legal transactions is already completed where sham invoices are transmitted, directly or indirectly, to a good-faith accountant or tax adviser for use in the preparation of VAT returns. Subsequent presentation of the same invoices during a tax audit does not retroactively merge previously completed offenses into one act (consid. 1). A request for discontinuance under Art. 154(2) StPO does not preclude a decision under Art. 349(2) StPO if the revision is, in the result, manifestly unfounded.

Gesamter Gesetzestext

BGH — 1 StR 279/15, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2015-07-23

Aktenzeichen: 1 StR 279/15

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 267 Abs 1 StGB, § 370 Abs 1 AO

Vorinstanz: vorgehend LG Gießen, 20. Februar 2015, Az: 2 KLs 705 Js 15962/09

Spruchkörper: 1. Strafsenat

Titelzeile

Strafverfahren wegen Steuerhinterziehung und Urkundenfälschung: Gebrauch unechter Urkunden zur Täuschung im Rechtsverkehr durch Übergabe von Scheinrechnungen an gutgläubigen, mit der Erstellung der Jahresumsatzsteuererklärung beauftragten Steuerberater

Tenor

Die Revision des Angeklagten gegen das Urteil des Landgerichts Gießen vom 20. Februar 2015 wird als unbegründet verworfen, da die Nachprüfung des Urteils auf Grund der Revisionsrechtfertigung keinen Rechtsfehler zum Nachteil des Angeklagten ergeben hat (§ 349 Abs. 2 StPO).

Der Beschwerdeführer hat die Kosten seines Rechtsmittels zu tragen.

Ergänzend bemerkt der Senat:

Zu der vom Generalbundesanwalt in seiner Zuschrift beantragten Einstellung der Urkundenfälschungen nach § 154 Abs. 2 StPO sieht der Senat keinen Anlass. Der Angeklagte hat die zum Zweck der Hinterziehung von Umsatzsteuer hergestellten unechten Urkunden (Scheinrechnungen) auch schon durch die mittelbare Übergabe an seinen Steuerberater zwecks Erstellung der Jahresumsatzsteuererklärungen 2005 bis 2007 (UA S. 3 f.) zur Täuschung im Rechtsverkehr gebraucht (vgl. BGH, Beschluss vom 7. Juni 1994 - 5 StR 272/94, wistra 1994, 268). Der Angeklagte wollte die Scheinrechnungen nicht nur gegebenenfalls bei Nachprüfungen durch das Finanzamt vorlegen, sondern sie in jedem Fall auch gegenüber seinem gutgläubigen Buchhalter für die Erstellung der Umsatzsteuervoranmeldungen und gegenüber seinem Steuerberater für die Erstellung der Jahresumsatzsteuererklärungen verwenden (UA S. 3 f.; S. 27 f.). Die Jahre später erfolgte gemeinsame Vorlage der für die Jahre 2005 bis 2007 hergestellten Scheinrechnungen anlässlich der Steuerprüfung verbindet die bereits vollendeten Urkundenstraftaten nicht nachträglich zu einer Tat im Rechtssinne.

Trotz des Antrags des Generalbundesanwalts, einzelne Tatvorwürfe nach § 154 Abs. 2 StPO einzustellen und den Schuldspruch entsprechend anzupassen, war der Senat nicht gehindert, nach § 349 Abs. 2 StPO zu entscheiden, denn die Revision des Angeklagten hat auch nach Auffassung des Generalbundesanwalts im Ergebnis keinen Erfolg (vgl. Senat, Beschluss vom 17. April 2012 - 1 StR 92/12).

Raum Graf Jäger

Cirener Mosbacher

Schlagwörter

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