Land register correction despite changed parcel composition

BGH V ZR 210/14Bgh / V. Zivilkammer18.06.2015Dismissed

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The Federal Court of Justice rejected the plaintiff's complaint against denial of leave to appeal. It held that the sought deletion of the mortgage entry could not be ordered under § 894 BGB because such a deletion would not reflect the true legal situation: the property remained encumbered by a mortgage arising from a final restitution decision. The changed cadastral parcel structure did not prevent implementation of the restitution decision; rather, the cadastre and land register had to be corrected to make execution possible. Any formal issue with the correction declaration did not justify admission of the revision.

Omnilex-Regeste

§ 894 BGB, § 3 Abs. 1a VermG, § 34 VermG, § 7 Abs. 1 GBO; correction of the land register after restitution and changed parcel composition: a correction declaration may only be required if its execution produces a register state corresponding to the actual legal situation. A final restitution decision creates an off-register right which the land-register authorities must implement; later cadastral merger does not eliminate the right, but merely may hinder the technical registration act. Such an obstacle is to be removed by adapting cadastre and land register to the restitution decision. A correction order contrary to § 28 S. 1 GBO cannot be used to justify admission of revision if only the defendant would be burdened (consid. 2-5).

Gesamter Gesetzestext

BGH — V ZR 210/14, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2015-06-18

Aktenzeichen: V ZR 210/14

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 894 BGB, § 3 Abs 1a VermG, § 34 VermG, § 7 Abs 1 GBO, § 28 S 1 GBO

Vorinstanz: vorgehend KG Berlin, 29. August 2014, Az: 7 U 194/13vorgehend LG Berlin, 1. Oktober 2013, Az: 4 O 41/13

Spruchkörper: 5. Zivilsenat

Titelzeile

Grundbuchberichtigungsanspruch: Grundstücksbelastung durch Grundschuld aufgrund eines bestandskräftigen Restitutionsbescheides; Vollziehbarkeit der Restitutionsentscheidung bei Änderung des Grundstücksbestands durch katastermäßige Verschmelzung von Flurstücken; Verpflichtung zur Abgabe einer Berichtigungsbewilligung

Tenor

Die Beschwerde gegen die Nichtzulassung der Revision in dem Urteil des 7. Zivilsenats des Kammergerichts vom 29. August 2014 wird auf Kosten der Klägerin zurückgewiesen.

Der Gegenstandswert des Beschwerdeverfahrens beträgt 89.419,17 €.

Gründe

1 1. Die Revision ist nicht zur Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung zuzulassen, da die Sache richtig entschieden worden ist.

2 a) Die Klägerin kann von der Beklagten die Zustimmung zur Löschung der Eintragung der Grundschuld schon deshalb nicht verlangen, weil die von dem zu Unrecht Eingetragenen nach § 894 BGB verlangte Bewilligung so beschaffen sein muss, dass durch die bewilligte Eintragung oder Löschung nicht nur eine Unrichtigkeit beseitigt, sondern der der wirklichen Rechtslage entsprechende Grundbuchstand hergestellt wird (Staudinger/Gursky, BGB [2013], § 894 Rn. 117). Daran fehlt es hier. Wäre dem Antrag der Klägerin in vollem Umfang stattgegeben worden, wäre im Grundbuch ebenfalls ein falscher Rechtszustand verlautbart, nämlich der eines unbelasteten Grundstücks.

3 b) Tatsächlich ist das Grundstück belastet. Durch den bestandskräftigen Restitutionsbescheid ist außerhalb des Grundbuchs eine auf dem ehemaligen Grundstück (Blatt 2768 N, bestehend nur aus dem Flurstück 90) lastende Grundschuld entstanden. Dem steht nicht entgegen, dass die Grundschuld auf einer Teilfläche des nach katastermäßiger Verschmelzung nur noch aus dem neuen Flurstück 354 bestehenden Grundstücks im Grundbuch (B. Blatt 2767 N) nach § 7 Abs. 1 GBO nicht eingetragen werden kann. Insoweit ist nicht die Entstehung des Rechts gemäß § 3 Abs. 1a VermG, sondern nur der Vollzug des Ersuchens nach § 34 VermG auf eine berichtigende Eintragung gehindert. Dieses Hindernis ist zu beheben. Die bestandskräftige Entscheidung eines Amtes zur Regelung offener Vermögensfragen über eine Wiedergutmachung durch Restitution ist von allen die öffentlichen Register führenden staatlichen Stellen zu vollziehen und darf nicht wegen - hier zwischenzeitlich herbeigeführter - Änderungen im Bestand der Grundstücke unter Hinweis auf die veränderte Grundbuchlage unterlaufen werden.

4 c) Eine Verurteilung nach § 894 ZPO zur Abgabe einer Berichtigungsbewilligung, die nicht der in § 28 Satz 1 GBO vorgeschriebenen Form entspricht (zu diesem Erfordernis: Senat, Urteil vom 21. Februar 1986 - V ZR 246/84, NJW 1986, 1867, 1868), darf allerdings grundsätzlich nicht ergehen (vgl. Senat, Urteil vom 20. Juni 1962 - V ZR 219/60, BGHZ 37, 233, 242; Urteil vom 21. Februar 1986 - V ZR 246/84, aaO). Das kann hier jedoch nicht zur Zulassung der Revision zur Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung führen, weil insoweit nicht die Klägerin, sondern nur die Beklagte beschwert wäre.

5 Vorliegend dürfte es sich zudem anders verhalten, weil eine Vollstreckung des Urteils nach § 888 ZPO möglich ist (vgl. Senat, Urteil vom 23. Januar 2015 - V ZR 318/13, DWW 2015, 143, 144 - zur Verurteilung zur Belastung einer Teilfläche mit einer nach § 116 SachenRBerG zu bestellenden Grunddienstbarkeit). Dem Urteilsausspruch kann nämlich entnommen werden, dass die Vollstreckung der Verurteilung unter der Bedingung steht, dass der vorausgesetzte Grundbuchbestand (wieder-)hergestellt wird. Das ist auf Grund des Bescheids des Landesamts zur Regelung offener Vermögensfragen möglich. Dazu müssen das Kataster und das Grundbuch auf der Grundlage des Bescheids dahin berichtigt werden, dass der Grundbesitz der Klägerin wieder aus den zwei Grundstücken besteht, aus denen das jetzige Grundstück hervorgegangen ist.

6 2. Die Zulassung der Revision ist nicht wegen einer grundsätzlichen Bedeutung der Rechtssache oder zur Fortbildung des Rechts erforderlich. Von einer weiteren Begründung der Entscheidung wird nach § 544 Abs. 4 Satz 2 Halbs. 2 ZPO abgesehen.

Stresemann Schmidt-Räntsch Czub

Kazele Göbel

Schlagwörter

land register correctionrestitutionmortgageparcel mergerregister accuracycorrection declarationexecutabilityrevision admission

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the defendant must consent to deletion of the mortgage entry under § 894 BGB

Extrahierter Entscheid

No. A correction declaration must produce a land register state matching the actual legal situation; deleting the mortgage would incorrectly show an unencumbered parcel.

Extrahierte Begründung

The restitution decision created an off-register encumbrance on the former parcel. Because the real legal situation is a burdened property, a deletion would not cure but create an inaccuracy.

Kernrechtsfrage

Whether changed cadastral and land register parcel composition prevents execution of the restitution decision and correction of the register

Extrahierter Entscheid

No. The restitution decision remains to be implemented by public register authorities; the obstacle concerns only the technical implementation of the registration request, not the creation of the right.

Extrahierte Begründung

Under § 3 Abs. 1a VermG the right arose; § 7 Abs. 1 GBO blocks only registration in the present parcel configuration. The register and cadastre must be corrected so that the property again corresponds to the parcels underlying the restitution decision.

Kernrechtsfrage

Whether the complaint could succeed because a correction declaration in the required form could not be ordered

Extrahierter Entscheid

No. Even if such a form issue exists, it would burden only the defendant and cannot justify admission of the revision on the plaintiff's complaint.

Extrahierte Begründung

The court noted the formal problem under § 28 S. 1 GBO and § 894 ZPO, but this did not help the appellant.

Kernrechtsfrage

Whether revision had to be admitted for fundamental importance or to secure uniform case law

Extrahierter Entscheid

No. The case was correctly decided and no grounds for admission existed.

Extrahierte Begründung

The court saw no need for further clarification; a reasoned denial under § 544 Abs. 4 sentence 2 half-sentence 2 ZPO was sufficient.

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