Attempted homicide sentencing: foreseeable consequences and penalty aggravation

BGH 3 StR 7/15Bgh / III. Strafkammer18.03.2015Partially Granted

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The defendant was convicted by the Regional Court of attempted homicide in conjunction with dangerous bodily harm and sentenced to seven years' imprisonment. On revision, the Federal Court found a sentencing error: after rejecting a less serious case, the trial court had failed to examine whether the ordinary sentencing factors, together with the mitigation for attempt, could still justify a less serious case before applying the reduced statutory range. The sentence was therefore set aside and the case remanded to a different chamber. The findings of fact were left intact, and the rest of the revision was dismissed.

Omnilex-Regeste

§§ 22, 23 Abs. 2, 49 Abs. 1, 46 Abs. 2 StGB; sentencing for attempted homicide; less serious case and attempt mitigation: After rejection of a less serious case on the basis of general sentencing factors, the court must further consider whether those factors in combination with the specific mitigation of attempt justify a less serious case. Only if this is denied may the reduced penalty range under §§ 23(2), 49(1) StGB be applied. Aggravating circumstances derived from the consequences of the offence may be used only if those consequences were, in their nature and weight, foreseeable to the offender and therefore imputable (consid. 2, 5).

Gesamter Gesetzestext

BGH — 3 StR 7/15, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2015-03-18

Aktenzeichen: 3 StR 7/15

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 22 StGB, § 23 StGB, § 46 Abs 2 StGB, § 212 Abs 1 StGB

Vorinstanz: vorgehend LG Oldenburg (Oldenburg), 21. August 2014, Az: 5 Ks 6/14

Spruchkörper: 3. Strafsenat

Titelzeile

Strafzumessung bei versuchtem Totschlag: Strafschärfende Berücksichtigung der Auswirkungen der Tat

Tenor

  1. Auf die Revision des Angeklagten wird das Urteil des Landgerichts Oldenburg vom 21. August 2014 im Strafausspruch aufgehoben; die zugehörigen Feststellungen bleiben aufrechterhalten.

Im Umfang der Aufhebung wird die Sache zu neuer Verhandlung und Entscheidung, auch über die Kosten des Rechtsmittels, an eine andere Strafkammer des Landgerichts zurückverwiesen.

  1. Die weitergehende Revision wird verworfen.

Gründe

1 Das Landgericht hat den Angeklagten wegen versuchten Totschlags in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von sieben Jahren verurteilt. Mit seiner hiergegen gerichteten Revision rügt der Angeklagte die Verletzung formellen und materiellen Rechts. Das Rechtsmittel hat mit der Sachrüge zum Strafausspruch Erfolg; im Übrigen ist es unbegründet im Sinne des § 349 Abs. 2 StPO.

2 Die Strafkammer hat die Strafe dem nach § 23 Abs. 2, § 49 Abs. 1 StGB gemilderten, von zwei Jahren bis zu elf Jahren und drei Monaten Freiheitsstrafe reichenden Strafrahmen des § 212 Abs. 1 StGB entnommen. Einen minder schweren Fall des Totschlags, der einen Strafrahmen von einem Jahr bis zu zehn Jahren Freiheitsstrafe aufweist, hat es nach Abwägung der allgemeinen bestimmenden Strafzumessungsgründe verneint und zur Begründung weiter ausgeführt, die Voraussetzungen der §§ 20, 21 StGB sowie des § 46a StGB seien nicht gegeben. Dies lässt für sich genommen einen Rechtsfehler nicht erkennen. Das Landgericht hat jedoch nicht bedacht, dass nach Ablehnung eines minder schweren Falles aus diesen Gründen zunächst weitergehend zu prüfen gewesen wäre, ob die allgemeinen Strafzumessungsgesichtspunkte im Zusammenwirken mit dem vertypten Milderungsgrund des Versuchs zur Annahme eines minder schweren Falles führen. Erst wenn es auch mit Blick hierauf weiterhin die Bejahung eines minder schweren Falles nicht für angemessen gehalten hätte, hätte es seiner Strafzumessung den nach § 23 Abs. 2, § 49 Abs. 1 StGB gemilderten Strafrahmen zugrunde legen dürfen (st. Rspr.; vgl. etwa BGH, Beschluss vom 8. Juli 2014 - 3 StR 276/14, juris Rn. 4).

3 Auf diesem Rechtsfehler beruht der Strafausspruch; denn es ist nicht mit der erforderlichen Sicherheit auszuschließen, dass das Landgericht einen minder schweren Fall angenommen und eine mildere Strafe verhängt hätte, hätte es den aufgezeigten Rechtsfehler nicht begangen.

4 Die rechtsfehlerfrei getroffenen Feststellungen werden durch den Rechtsfehler nicht berührt; sie können deshalb bestehen bleiben. Das neue Tatgericht kann ergänzende Feststellungen treffen, die den bisherigen nicht widersprechen.

5 Der Senat weist vor dem Hintergrund, dass die Strafkammer es strafschärfend berücksichtigt hat, durch die Tat seien die Brautleute finanziell und die Eltern der Braut in ihrem Ansehen geschädigt worden, darauf hin, dass derartige Auswirkungen der Tat dem Täter nur dann straferschwerend angelastet werden können, wenn sie von ihm nach Art und Gewicht im Wesentlichen vorausgesehen werden konnten und ihm vorwerfbar sind (Fischer, StGB, 62. Aufl., § 46 Rn. 34 mwN).

Becker Pfister Schäfer

Gericke Spaniol

Schlagwörter

sentencingattemptattempted homicideless serious casepenalty mitigationforeseeabilityaggravationremand

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the sentencing court erred by failing to consider attempted-offense mitigation together with other sentencing factors when assessing a less serious case of attempted homicide.

Extrahierter Entscheid

Yes. After rejecting a less serious case for the stated reasons, the court still had to assess whether the general sentencing factors, combined with the special mitigating effect of attempt, warranted a less serious case.

Extrahierte Begründung

The lower court improperly moved directly to the mitigated statutory range under §§ 23(2), 49(1) StGB without first examining the cumulative effect of the ordinary sentencing factors and the attempt mitigation on the existence of a less serious case.

Kernrechtsfrage

Whether the findings of fact had to be set aside together with the sentence.

Extrahierter Entscheid

No. The findings were unaffected by the legal error and remained in force; the new court may make supplementary findings if they do not contradict the existing ones.

Extrahierte Begründung

The error concerned only sentencing methodology, not the factual basis of the conviction.

Kernrechtsfrage

Whether the remaining grounds of the revision succeeded.

Extrahierter Entscheid

No. The further revision was unfounded.

Extrahierte Begründung

Apart from the sentencing error, the judgment was not otherwise legally flawed.

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