Review of post hoc appeal admission only for correct legal standard

BGH V ZB 179/14Bgh / V. Zivilkammer29.01.2015Dismissed

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The plaintiff challenged a homeowners' association resolution concerning the installation and annual inspection of smoke detectors. After the district court dismissed the action, the regional court dismissed the appeal as inadmissible and declined leave to appeal. The plaintiff filed a legal complaint seeking review by the Federal Court of Justice. The BGH held that the complaint was admissible in principle but that review is limited to whether the appellate court had to decide on leave to appeal and applied the correct standard. The substantive correctness of the refusal to grant leave is not examined. The complaint was therefore dismissed as inadmissible, with costs imposed on the plaintiff.

Omnilex-Regeste

§ 574 Abs. 1 S. 1 Nr. 1, § 522 Abs. 1 S. 4, § 511 Abs. 4 ZPO; review of a belated leave-to-appeal decision in legal complaint proceedings. The complaint is admissible only to the extent that the appellate court failed to decide on leave or applied the wrong legal standard. The court of legal complaint does not examine whether the refusal of leave was substantively correct, because such review would circumvent the non-appealability of the leave decision and the legislator's scheme. If the appellate court has made the required decision and used the proper test, no unreasonable impediment to access to appeal is established, even if the complainant considers the denial of leave erroneous (consid. 6-8).

Gesamter Gesetzestext

BGH — V ZB 179/14, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2015-01-29

Aktenzeichen: V ZB 179/14

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 511 Abs 4 ZPO, § 522 Abs 1 S 4 ZPO, § 574 Abs 1 S 1 Nr 1 ZPO

Vorinstanz: vorgehend LG Frankfurt, 9. September 2014, Az: 2-9 S 22/14vorgehend AG Bad Homburg, 29. Januar 2014, Az: 2 C 1749/13 (22), Urteil

Spruchkörper: 5. Zivilsenat

Titelzeile

Nachholung der Berufungszulassung durch das Berufungsgericht: Umfang der Überprüfung im Rechtsbeschwerdeverfahren

Tenor

Die Rechtsbeschwerde gegen den Beschluss der 9. Zivilkammer des Landgerichts Frankfurt am Main vom 9. September 2014 wird auf Kosten des Klägers als unzulässig verworfen.

Der Gegenstandswert des Rechtsbeschwerdeverfahrens beträgt 1.080 €.

Gründe

I.

1 Das Amtsgericht hat die Anfechtungsklage des Klägers gegen den Beschluss der Wohnungseigentümer vom 5. Juni 2013 abgewiesen, den Auftrag für den Einbau und die jährliche Überprüfung von Rauchwarnmeldern an eine Firma zu vergeben und den Einbau aus der Instandhaltungsrücklage, die jährlichen Überwachungskosten über die Jahresabrechnung zu bezahlen. Die frist-und formgerecht eingelegte und begründete Berufung hat das Landgericht durch Beschluss als unzulässig verworfen. Dagegen wendet sich der Kläger mit der Rechtsbeschwerde, mit welcher er die Durchführung der Berufung erreichen will.

II.

2 Das Berufungsgericht meint, die erforderliche Beschwer sei nicht erreicht. Nach eigenem Vortrag sei der Kläger nur in Höhe von 216 € beschwert. Die Berufung sei auch nicht zuzulassen, weil ein Zulassungsgrund nicht vorliege. Die Frage, ob es generell ordnungsmäßiger Verwaltung entspreche, einen Miteigentümer, der seine Wohnung schon mit Rauchwarnmeldern ausgestattet habe, von der Belastung mit den Kosten der Neuanschaffung auszunehmen, lasse sich nicht einheitlich beantworten. Sie hänge von den Umständen des Einzelfalls ab. Das Amtsgericht weiche auch nicht von dem Urteil des Amtsgerichts Rendsburg vom 30. Oktober 2008 (18 C 545/08, ZMR 2009, 239) ab, das ebenfalls eine Einzelfallentscheidung getroffen habe.

III.

3 Die Rechtsbeschwerde ist unzulässig.

4 1. Sie ist zwar statthaft (§ 574 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 i.V.m. § 522 Abs. 1 Satz 4 ZPO). Zulässig ist sie aber nur, wenn die Rechtssache grundsätzliche Bedeutung hat oder die Fortbildung des Rechts oder die Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung eine Entscheidung des Rechtsbeschwerdegerichts erfordert (§ 574 Abs. 2 ZPO; vgl. auch BGH, Beschluss vom 7. Mai 2003 - XII ZB 191/02, BGHZ 155, 21, 22). Diese Voraussetzungen liegen nicht vor.

5 2. Die Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung (§ 574 Abs. 2 Nr. 2 Fall 2 ZPO) erfordert, anders als der Kläger meint, eine Entscheidung des Rechtsbeschwerdegerichts nicht.

6 a) Im Ansatz zutreffend geht die Rechtsbeschwerde davon aus, dass die Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung im Sinne von § 574 Abs. 2 Nr. 2 Fall 2 ZPO eine Entscheidung des Rechtsbeschwerdegerichts auch erfordert, wenn die Anforderungen, die das Berufungsgericht stellt, überzogen sind und der Partei den Zugang zu der an sich gegebenen Berufung unzumutbar erschweren (Senat, Beschluss vom 3. Mai 2010 - V ZB 242/09, juris Rn. 4 mwN). Eine unzumutbare Erschwerung des Zugangs zu der an sich gegebenen Berufung kann auch darin liegen, dass das Berufungsgericht die gebotene Entscheidung über die Zulassung der Berufung nicht nachholt und ein Grund für die Zulassung der Berufung vorliegt (Senat, Beschluss vom 10. Mai 2012 - V ZB 242/11, WuM 2012, 402 Rn. 11).

7 b) Im Rechtsbeschwerdeverfahren ist dabei allerdings nur zu prüfen, ob das Berufungsgericht seiner gesetzlichen Pflicht zur Nachholung der Entscheidung über die Zulassung der Berufung entsprochen und hierbei den Maßstab des § 511 Abs. 4 ZPO angelegt hat. Ob die Entscheidung über die Zulassung der Berufung sachlich richtig ist, ist im Rechtsbeschwerdeverfahren nicht zu prüfen. Die Entscheidung des Berufungsgerichts über die Zulassung ersetzt lediglich die an sich - ex post - gebotene Entscheidung des erstinstanzlichen Gerichts nach § 511 Abs. 4 ZPO und ist wie diese nicht anfechtbar. Diese Entscheidung des Gesetzgebers würde unterlaufen, könnte die nachgeholte Zulassungsentscheidung im Rechtsbeschwerdeverfahren inhaltlich überprüft werden (zum Ganzen: Senat, Beschluss vom 6. Oktober 2011 - V ZB 72/11, NJW-RR 2012, 82 Rn. 6 f.).

8 c) Danach liegt hier keine unzumutbare Erschwerung des Zugangs des Klägers zur Berufung vor. Das Berufungsgericht war verpflichtet, die Entscheidung über die Zulassung der Berufung nachzuholen. Es ist dieser Pflicht nachgekommen und hat bei seiner Entscheidung auch den zutreffenden Maßstab des § 511 Abs. 4 ZPO angelegt. Darauf, ob es die Voraussetzung für die Zulassung der Berufung nach § 511 Abs. 4 ZPO zu Recht verneint hat, kommt es nicht an.

9 3. Andere Zulassungsgründe werden nicht geltend gemacht und sind auch nicht ersichtlich.

IV.

10 Die Kostenentscheidung beruht auf § 97 Abs. 1 ZPO. Die Festsetzung des Gegenstandswerts des Rechtsbeschwerdeverfahrens beruht auf § 49a Abs. 1 Sätze 1 und 2 GKG. Danach ist der Gegenstandswert auf das Fünffache des Eigeninteresses des Klägers beschränkt.

Stresemann Schmidt-Räntsch Brückner

Roth Göbel

Schlagwörter

appeal admissibilityleave to appeallegal complaintstandard of reviewcost allocationhomeowners associationsmoke detectors

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the legal complaint against the regional court's dismissal of the appeal was admissible

Extrahierter Entscheid

No. The complaint was statutorily available, but none of the conditions for admissibility were met.

Extrahierte Begründung

The court held that only the legal standard applied by the appellate court when deciding on belated leave to appeal can be reviewed. The substantive correctness of the refusal to grant leave is not reviewable in the legal complaint procedure.

Kernrechtsfrage

Whether the appellate court's belated decision on leave to appeal could be reviewed for substantive correctness

Extrahierter Entscheid

No. Review is limited to whether the appellate court fulfilled its duty to decide on leave and applied the standard of Section 511(4) ZPO.

Extrahierte Begründung

Allowing substantive review would circumvent the legislature's design that the leave decision is not itself appealable. The regional court had made the required decision and used the correct legal standard.

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