Qualified warning for witness consent to use police interview

BGH 1 StR 20/15Bgh / I. Strafkammer10.02.2015Dismissed

Zusammenfassung

The Federal Court rejected the accused's revision against the Augsburg Regional Court judgment. It held that the complaint concerning the warning given to witnesses entitled to refuse testimony was unfounded. In the main hearing, such a witness must be informed of the consequences of consenting to the use of earlier police statements; the warning need not also state that the statements could be used without consent. The court found that the warning given in this case met the requirements. The accused must pay the costs of the remedy and the civil claimant's necessary appeal expenses.

Regest

§ 52 StPO, § 252 StPO; qualified warning for a witness entitled to refuse testimony before consenting to the use of police statements: In the main hearing, the warning need only concern the consequences of an express waiver or consent to use the earlier police interview. It is not required to add that the statement might also be usable without consent; that broader qualified warning is, according to the case law relied on, relevant to the examining judge's interrogation. If the witness is duly informed of the consequences of consent, the later authorization of use is effective. Whether the grounds of appeal are formally sufficient under § 344 Abs. 2 sentence 2 StPO may remain open if the complaint is in any event unfounded.

Gesamter Gesetzestext

BGH — 1 StR 20/15, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2015-02-10

Aktenzeichen: 1 StR 20/15

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 52 StPO, § 252 StPO

Vorinstanz: vorgehend LG Augsburg, 17. Juli 2014, Az: 1 KLs 201 Js 137679/13

Spruchkörper: 1. Strafsenat

Titelzeile

Gestattung der Verwertung der polizeilichen Vernehmung eines zur Zeugnisverweigerung berechtigten Zeugen: Anforderung an eine "qualifizierte" Belehrung in der Hauptverhandlung

Tenor

Die Revision des Angeklagten gegen das Urteil des Landgerichts Augsburg vom 17. Juli 2014 wird als unbegründet verworfen, da die Nachprüfung des Urteils auf Grund der Revisionsrechtfertigung keinen Rechtsfehler zum Nachteil des Angeklagten ergeben hat (§ 349 Abs. 2 StPO).

Der Beschwerdeführer hat die Kosten des Rechtsmittels und die der Nebenklägerin im Revisionsverfahren entstandenen notwendigen Auslagen zu tragen.

Ergänzend bemerkt der Senat:

Soweit die Revision behauptet, die zur Verweigerung des Zeugnisses gemäß § 52 Abs. 1 StPO berechtigten Zeugen seien anlässlich ihrer Vernehmung vor der Strafkammer vom Vorsitzenden nicht hinreichend darüber belehrt worden, welche Folgen eine Gestattung der Verwertung ihrer polizeilichen Vernehmungen habe, ist ein Rechtsfehler nicht ersichtlich.

Unabhängig von der Frage, ob diese Rügen im Sinne von § 344 Abs. 2 Satz 2 StPO zulässig ausgeführt sind, sind sie jedenfalls unbegründet, denn die "qualifizierte" Belehrung des Vorsitzenden entsprach den Anforderungen, die von der Rechtsprechung hierfür formuliert worden sind. Danach kann ein zur Zeugnisverweigerung berechtigter Zeuge die Verwertung seiner in einer polizeilichen Vernehmung getätigten Angaben wirksam gestatten, wenn er zuvor über die Folgen des Verzichts ausdrücklich belehrt worden ist (vgl. BGH, Urteil vom 23. September 1999 - 4 StR 189/99, BGHSt 45, 203, 208; BGH, Beschlüsse vom 26. September 2006 - 4 StR 353/06, NStZ 2007, 352, 353 und vom 13. Juni 2012 - 2 StR 112/12, BGHSt 57, 254, 256).

Anders als die Revision meint, gehört zum Inhalt dieser Belehrung nicht, dass die Angaben des Zeugen vor dem Ermittlungsrichter auch ohne seine Zustimmung in der Hauptverhandlung verwertet werden können; eine solche "qualifizierte" Belehrung soll nach Auffassung des 2. Strafsenats des Bundesgerichtshofs durch den Ermittlungsrichter bei der Vernehmung eines zur Zeugnisverweigerung berechtigten Zeugen erfolgen, damit diese Angaben trotz späterer Zeugnisverweigerung in der Hauptverhandlung verwertet werden können (vgl. BGH, Anfragebeschluss vom 4. Juni 2014 - 2 StR 656/13, NStZ 2014, 596; abweichend hierzu BGH, Beschlüsse vom 16. Dezember 2014 - 4 ARs 21/14, NStZ-RR 2015, 48, vom 8. Januar 2015 - 3 ARs 20/14 und vom 14. Januar 2015 - 1 ARs 21/14). In der Hauptverhandlung muss hingegen der dann das Zeugnis verweigernde Zeuge lediglich ausdrücklich darauf hingewiesen werden, welche Konsequenzen die Gestattung der Verwertung seiner früheren vor der Polizei getätigten Angaben hat (vgl. auch BGH, Beschluss vom 4. Juni 2014 - 2 StR 656/13, NStZ 2014, 596, 598). Dies ist vorliegend in vollem Umfang geschehen.

Rothfuß Graf Jäger

Cirener Mosbacher

Schlagwörter

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