Concurrence in fraud cases with overlapping acts

BGH 4 StR 398/14Bgh / Criminal Chamber 417.12.2014Partially Granted

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The BGH partly upheld the defendant's revision against an LG Münster judgment for fraud and forgery. It held that the two fraud counts in cases II.3, examples 1 and 2 were not separate acts, because the first deceitful approach occurred in a shared conversation with both victims and the objective execution conduct therefore overlapped. The conviction was reduced to fraud in 28 cases, 23 of them in concurrence with forgery. The nine-month individual sentence for one of the two counts was set aside, but the total sentence of four years and four months remained unchanged. The defendant had to bear the costs of the appeal.

Omnilex-Regeste

§ 52 StGB; concurrence of offences in fraud cases where objective execution acts partly overlap; if the same deceitful act is used against several victims in a joint initial conversation, the offences stand in ideal concurrence and not in real concurrence. In correcting the concurrence relationship, the appellate court may amend the conviction without expressly reproducing the identical concurrence in the operative part (consid. 3). A sentencing correction does not require a lower overall sentence if the remaining individual sentences and the unchanged culpability assessment allow the court to exclude a more lenient total penalty (consid. 4).

Gesamter Gesetzestext

BGH — 4 StR 398/14, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2014-12-17

Aktenzeichen: 4 StR 398/14

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 52 StGB, § 263 StGB

Vorinstanz: vorgehend LG Münster, 4. April 2014, Az: 12 KLs 2/14

Spruchkörper: 4. Strafsenat

Titelzeile

Betrug: Konkurrenzverhältnis bei Teilidentität der objektiven Ausführungshandlungen

Tenor

  1. Auf die Revision des Angeklagten wird das Urteil des Landgerichts Münster vom 4. April 2014 im Schuldspruch dahin geändert, dass der Angeklagte des Betrugs in 28 Fällen, davon in 23 Fällen in Tateinheit mit Urkundenfälschung, schuldig ist.

Die Einzelstrafe für die Tat II. 3. Fall 2 der Urteilsgründe entfällt.

  1. Die weiter gehende Revision wird verworfen.

  2. Der Angeklagte trägt die Kosten seines Rechtsmittels.

Gründe

1 Das Landgericht hat den Angeklagten wegen Betrugs in 29 Fällen, davon in 23 Fällen tateinheitlich begangen mit Urkundenfälschung, zu der Gesamtfreiheitsstrafe von vier Jahren und vier Monaten verurteilt. Hiergegen richtet sich die auf die allgemeine Sachrüge gestützte Revision des Angeklagten. Das Rechtsmittel hat den aus der Entscheidungsformel ersichtlichen Teilerfolg; im Übrigen ist es unbegründet im Sinne des § 349 Abs. 2 StPO.

2 Die Annahme von zwei selbstständigen, realkonkurrierenden Betrugstaten in den Fällen II. 3. Fall 1 und 2 der Urteilsgründe hält einer rechtlichen Prüfung nicht stand. Nach den Feststellungen unterbreitete der Angeklagte den in den genannten Fällen jeweils Geschädigten das betrügerische Angebot einer vermeintlichen Geldanlage bei der W. -Bank erstmals in einem im Jahr 2009 mit beiden Geschädigten gemeinsam geführten Gespräch. In diesem Teilakt überschneiden sich die Täuschungshandlungen des Angeklagten gegenüber den Geschädigten. Die Teilidentität der objektiven Ausführungshandlungen führt zu einer tateinheitlichen Verknüpfung der Betrugshandlungen (st. Rspr.; vgl. BGH, Beschluss vom 25. November 1997 - 5 StR 526/96, BGHSt 43, 317, 319; Urteil vom 25. April 2013 - 4 StR 418/12, NStZ 2014, 162; Eschelbach in Satzger/Schluckebier/Widmaier, StGB, 2. Aufl., § 52 Rn. 52 mwN), so dass sich der Angeklagte in den Fällen II. 3. Fall 1 und 2 der Urteilsgründe eines Betrugs in zwei tateinheitlichen Fällen in Tateinheit mit Urkundenfälschung schuldig gemacht hat.

3 Der Senat ändert den Schuldspruch entsprechend, wobei nach § 260 Abs. 4 Satz 5 StPO davon abgesehen wird, die gleichartige Idealkonkurrenz in der Urteilsformel zum Ausdruck zu bringen. § 265 StPO steht der Schuldspruchänderung nicht entgegen, da sich der umfassend geständige Angeklagte nicht wirksamer als geschehen hätte verteidigen können.

4 Infolge der Schuldspruchänderung entfällt die Einzelstrafe von neun Monaten für die Tat II. 3. Fall 2 der Urteilsgründe. Die Einzelstrafe von einem Jahr im Fall II. 3. Fall 1 der Urteilsgründe bleibt als alleinige Einzelstrafe bestehen. Die Gesamtstrafe wird hierdurch nicht berührt. Der Senat kann angesichts der verbleibenden 28 Einzelfreiheitsstrafen von einem Jahr bis zu zwei Jahren und vier Monaten ausschließen, dass die Strafkammer bei zutreffender Bewertung des Konkurrenzverhältnisses, die den Unrechts- und Schuldgehalt des Tuns des Angeklagten unberührt lässt (vgl. BGH, Beschluss vom 30. Juli 2013 - 4 StR 29/13, NStZ 2013, 641), auf eine niedrigere Gesamtfreiheitsstrafe erkannt hätte.

5 Der nur geringfügige Erfolg der Revision rechtfertigt es nicht, den Angeklagten teilweise von den durch das Rechtsmittel entstandenen Kosten und Auslagen freizustellen (§ 473 Abs. 4 StPO).

Sost-Scheible Cierniak Mutzbauer

Bender Quentin

Schlagwörter

fraudforgeryconcurrenceideal concurrencereal concurrencerevisionsentencingcosts

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the two fraud counts in cases II.3, examples 1 and 2, were separate acts or in concurrence because of overlapping execution conduct.

Extrahierter Entscheid

The two fraud counts had to be treated as two frauds in concurrence, because the deceitful conduct overlapped in a shared initial conversation with both victims.

Extrahierte Begründung

Partial identity of the objective execution acts creates concurrence, not real concurrence, under settled case law.

Kernrechtsfrage

Whether the conviction and sentence had to be adjusted after correcting the concurrence relationship.

Extrahierter Entscheid

The judgment was amended to 28 fraud convictions; the separate nine-month sentence for case II.3, example 2 fell away, but the total sentence remained unchanged.

Extrahierte Begründung

The correction affected only the number of offenses and one individual sentence; the remaining 28 individual sentences and the overall penalty allowed the court to exclude any lower total sentence.

Kernrechtsfrage

Allocation of costs of the defendant's appeal after only minor success.

Extrahierter Entscheid

The defendant had to bear the costs of the appeal.

Extrahierte Begründung

The partial success was too minor to justify a partial exemption from costs and expenses.

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