Leaving the scene may be justified by urgent own injury treatment

BGH 4 StR 259/14Bgh / Criminal Chamber 427.08.2014Partially Granted

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The Federal Court partially allowed the defendant's appeal against the Magdeburg Regional Court. It set aside the conviction for leaving the scene of an accident and the overall sentence because the findings did not sufficiently address whether the defendant left the scene due to his own serious hand injury and urgent need for treatment. The matter was remitted to another criminal chamber. The remaining conviction for dangerous interference with road traffic, the related single sentence, and the measures under Sections 69 and 69a StGB were left untouched. The further appeal was rejected.

Omnilex-Regeste

§ 142 StGB; leaving the scene of an accident may be justified or excused if the offender departs in order to obtain urgent treatment for his own injury; the judgment must contain findings enabling review of whether the departure was still within the accident vicinity and whether the leaving was prompted by such necessity. If the conviction under § 142 StGB is infirm, the aggregate sentence is also to be quashed, whereas unaffected convictions, individual sentences and measures may stand (consid. 2-4).

Gesamter Gesetzestext

BGH — 4 StR 259/14, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2014-08-27

Aktenzeichen: 4 StR 259/14

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 142 StGB

Vorinstanz: vorgehend LG Magdeburg, 6. Februar 2014, Az: 21 KLs 1/14

Spruchkörper: 4. Strafsenat

Titelzeile

Unerlaubtes Entfernen vom Unfallort: Verlassen der Unfallstelle bei wegen eigener Unfallverletzung

Tenor

  1. Auf die Revision des Angeklagten wird das Urteil des Landgerichts Magdeburg vom 6. Februar 2014 mit den Feststellungen aufgehoben

a) soweit der Angeklagte wegen unerlaubten Entfernens vom Unfallort verurteilt worden ist,

b) im Gesamtstrafenausspruch.

  1. Im Umfang der Aufhebung wird die Sache zu neuer Verhandlung und Entscheidung, auch über die Kosten des Rechtsmittels, an eine andere Strafkammer des Landgerichts zurückverwiesen.

  2. Die weiter gehende Revision wird verworfen.

Gründe

1 Das Landgericht hat den Angeklagten wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung und mit Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte sowie wegen unerlaubten Entfernens vom Unfallort zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von drei Jahren verurteilt und Maßregeln nach §§ 69, 69a StGB angeordnet. Die auf die allgemeine Sachrüge gestützte Revision des Angeklagten hat in dem aus der Entscheidungsformel ersichtlichen Umfang Erfolg; im Übrigen ist sie unbegründet im Sinne von § 349 Abs. 2 StPO.

2 Die Verurteilung wegen unerlaubten Entfernens vom Unfallort hält rechtlicher Nachprüfung nicht stand. Die vom Landgericht insoweit getroffenen Feststellungen sind lückenhaft; sie erlauben nicht die Prüfung, ob sich der Angeklagte möglicherweise berechtigt oder entschuldigt vom Unfallort entfernt hat (vgl. § 142 Abs. 2 Nr. 2 StGB). Ausweislich der Urteilsgründe lief der Angeklagte nach dem von ihm verursachten Unfall einem Fluchtimpuls folgend zu dem Pkw seines Bekannten N. W. , der an der Unfallstelle vorbeigefahren und nach rechts in die Straße abgebogen war. Beim Öffnen der Beifahrertür bemerkte er, dass die Fingerkuppe des Mittelfingers seiner rechten Hand abgeknickt war und die Wunde massiv blutete. Er bestieg das Fahrzeug und ließ sich zur Universitätsklinik nach M. fahren. Nachdem dort die Blutung gestillt worden war, rief der Angeklagte 40 Minuten nach dem Unfallgeschehen bei der Polizei an, um sich als Fahrer und Unfallverursacher zu erkennen zu geben.

3 Diese Feststellungen lassen nicht erkennen, ob N. W. noch im Bereich der Unfallstelle gehalten hat. Wenn der Angeklagte noch vor Verlassen der Unfallstelle seine eigene Verletzung bemerkt hatte und die Unfallstelle zumindest auch deshalb verließ, um seine massiv blutende Wunde versorgen zu lassen, könnte sein Entfernen vom Unfallort gerechtfertigt gewesen sein (vgl. OLG Köln, VRS 63, 349, 350; OLG Frankfurt, VRS 65, 30; König in Hentschel/König/Dauer, Straßenverkehrsrecht, 42. Aufl., § 142 StGB Rn. 51; Geppert in LK-StGB, 12. Aufl., § 142 Rn. 126). Hiermit hat sich das Landgericht nicht auseinandergesetzt.

4 Die Verurteilung wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr, die hierfür verhängte Einzelstrafe und die Maßregelanordnung werden von dem Rechtsfehler nicht berührt und können bestehen bleiben.

Sost-Scheible Roggenbuck Franke

Mutzbauer Quentin

Schlagwörter

leaving the sceneaccidentjustificationown injurycassationsentence aggregationremandtraffic offense

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the conviction for leaving the scene of an accident could stand despite possible justification or excuse due to the defendant's own injury

Extrahierter Entscheid

The findings were incomplete and did not allow review whether the defendant may have been justified or excused in leaving because of his own heavily bleeding injury.

Extrahierte Begründung

The trial court failed to examine whether the companion's vehicle was still in the vicinity of the accident scene and whether the defendant left, at least in part, to obtain urgent medical treatment for his own wound. Such circumstances could justify leaving the scene under Section 142(2) No. 2 StGB.

Kernrechtsfrage

Whether the overall sentence had to be set aside

Extrahierter Entscheid

The overall sentence had to be quashed because it was based in part on the defective conviction for leaving the scene.

Extrahierte Begründung

The error affected the sentencing framework, although it did not affect the conviction for dangerous interference with traffic, the related single sentence, or the measures.

Kernrechtsfrage

Whether the remaining conviction for dangerous interference with traffic, the single sentence, and the measures could stand

Extrahierter Entscheid

Those parts were not affected by the legal error and remain in force.

Extrahierte Begründung

The defect concerned only the count for leaving the scene and the aggregate sentence.

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