Serious robbery: mitigating sentencing when multiple grounds for leniency exist

BGH 5 StR 275/14Bgh / Criminal Chamber 530.07.2014Partially Granted

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The Federal Court partially upheld the defendant’s revision against a Hamburg conviction for serious robbery in conjunction with dangerous bodily harm. It held that the Regional Court had inadequately assessed whether the facts justified a less serious case under § 250(3) StGB, especially given the defendant’s minor role, the drug-context offense, low expected gain, and lack of intent to appropriate. The court also found that the question of compensation for excessive procedural delay had to be reconsidered because the delay was substantial. The remaining revision arguments were rejected.

Omnilex-Regeste

§ 250 Abs. 3 StGB; sentencing for serious robbery and assessment of a less serious case; undue procedural delay and compensatory remedy. When determining whether the mitigated sentencing framework applies, the trial court must conduct an overall assessment of all mitigating circumstances; a relatively minor personal contribution, low gain expectation, absence of intent to appropriate, and additional significant leniency factors may make a less serious case compelling. A mere formal recitation of delay is insufficient where the state-caused delay is substantial; the question of adequate compensation must then be decided on the merits (consid. 2-4).

Gesamter Gesetzestext

BGH — 5 StR 275/14, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2014-07-30

Aktenzeichen: 5 StR 275/14

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 250 Abs 1 StGB, § 250 Abs 3 StGB

Vorinstanz: vorgehend LG Hamburg, 6. November 2013, Az: 603 KLs 19/10

Spruchkörper: 5. Strafsenat

Titelzeile

Schwerer Raub: Anwendung der Regelstrafrahmens bei Vorliegen mehrerer Milderungsgründe

Tenor

  1. Auf die Revision des Angeklagten wird das Urteil des Landgerichts Hamburg vom 6. November 2013 nach § 349 Abs. 4 StPO im Rechtsfolgenausspruch aufgehoben; jedoch bleiben die zugehörigen Feststellungen aufrechterhalten.

Im Umfang der Aufhebung wird die Sache zu neuer Verhandlung und Entscheidung, auch über die Kosten des Rechtsmittels, an eine andere Strafkammer des Landgerichts zurückverwiesen.

  1. Die weitergehende Revision wird nach § 349 Abs. 2 StPO als unbegründet verworfen.

Gründe

1 Das Landgericht hat den Angeklagten wegen schweren Raubes in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und zehn Monaten verurteilt. Die Revision des Angeklagten hat den aus der Beschlussformel ersichtlichen Teilerfolg; im Übrigen ist sie unbegründet im Sinne des § 349 Abs. 2 StPO.

2 1. Der Strafausspruch hält sachlich-rechtlicher Nachprüfung nicht stand, da das Landgericht bei der Strafrahmenbestimmung rechtsfehlerhaft einen minder schweren Fall nach § 250 Abs. 3 StGB verneint hat.

3 Auch bei der Anlegung des insoweit bestehenden begrenzten Prüfungsmaßstabs (vgl. BGH, Beschlüsse vom 1. März 2011 - 3 StR 28/11, NStZ-RR 2011, 284 mwN, und vom 16. Oktober 2013 - 2 StR 312/13) begegnet die Wertung des Landgerichts, hier den Regelstrafrahmen des § 250 Abs. 1 StGB zugrunde zu legen, durchgreifenden Bedenken. Es hat bei seiner Aufzählung der dem Angeklagten zugutegehaltenen Strafmilderungsgründe insbesondere nicht hinreichend berücksichtigt, dass der eigenhändige Tatbeitrag des Angeklagten relativ geringfügig war, wie das Landgericht bei der Bewertung der Zeugenaussage des Geschädigten im Rahmen der Beweiswürdigung ausgeführt hat (UA S. 14). In die Gesamtwürdigung maßgebend einzubeziehen war ferner der Umstand, dass es sich um eine Tat innerhalb des Drogenmilieus mit bereits geringer Beuteerwartung handelte, bei der der Angeklagte zudem keine Selbstzueignungsabsicht hatte. Angesichts des Umfangs und Gewichts der vom Landgericht schon zugunsten des Angeklagten angeführten Milderungsgründe (unter anderen seine Drogensucht zur Zeit der Tat, die knapp fünf Jahre zurücklag, die lange Verfahrensdauer von über vier Jahren und das Fehlen von Vorstrafen) drängte sich hier daher die Annahme eines minder schweren Falles auf.

4 2. Auch über eine Kompensation wegen rechtsstaatswidriger Verfahrensverzögerung, deren Unterbleiben jenseits einer Feststellung die Revision beanstandet, ist neu zu entscheiden. Dass das Landgericht die in den Urteilsgründen getroffene Feststellung der rechtsstaatswidrigen Verfahrensverzögerung hier als ausreichende Entschädigung angesehen hat, erscheint jedenfalls bedenklich im Hinblick auf den erheblichen Umfang der staatlich zu verantwortenden Verfahrensverzögerung, die sich allein im Zwischenverfahren auf etwa zweieinhalb Jahre belief (vgl. zum Maßstab für eine Kompensationsentscheidung BGH, Beschluss vom 17. Januar 2008 - GSSt 1/07, BGHSt 52, 124, 146; Urteile vom 21. April 2011 - 3 StR 50/11, NStZ-RR 2011, 239, und vom 13. März 2012 - 5 StR 411/11, NStZ-RR 2012, 244).

5 3. Da die Aufhebung wegen Begründungs- und Wertungsfehlern erfolgt, können die hierzu gehörenden Feststellungen insgesamt bestehen bleiben. Das neue Tatgericht ist nicht gehindert, weitergehende Feststellungen zu treffen, sofern sie den bisherigen nicht widersprechen.

Basdorf Dölp König

Berger Bellay

Schlagwörter

serious robberyless serious casesentencingprocedural delayremandrevision

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the sentencing court wrongly denied a less serious case under § 250(3) StGB.

Extrahierter Entscheid

Yes. The sentencing court failed to give sufficient weight to several mitigating circumstances, so a less serious case should have been seriously considered.

Extrahierte Begründung

The defendant's own contribution was relatively minor, the offense occurred in a drug context with low expected gain, and there was no intent to appropriate. Together with other mitigating factors, these points made a less serious case compelling.

Kernrechtsfrage

Whether the compensation for undue procedural delay was adequately addressed.

Extrahierter Entscheid

A new decision is required. Merely stating the violation was not enough in light of the substantial state-caused delay.

Extrahierte Begründung

The delay was significant, especially about two and a half years in the intermediate proceedings, so the court had to decide afresh whether compensation beyond a finding was necessary.

Kernrechtsfrage

Whether the remaining grounds of the revision had merit.

Extrahierter Entscheid

No. Apart from the sentencing and delay issues, the revision was unfounded.

Extrahierte Begründung

The court rejected the remainder of the appeal under the summary procedure for manifestly unfounded revisions.

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