Absence of defendant during trial after court release

BGH 5 StR 161/14Bgh / Criminal Chamber 506.05.2014Annulled

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The Federal Court of Justice allowed the defendant's revision against a Hamburg Regional Court conviction for aggravated extortion offenses, bodily harm, and unlawful confinement. It held that the trial had been continued unlawfully in the defendant's absence under § 231(2) StPO because the chamber failed to establish that he had stayed away on his own initiative; the later medical certificate indicated incapacity to stand trial. Since a witness examination had taken place during that absence and was not repeated, the procedural defect required setting aside the judgment and remitting the case to another chamber, including on costs.

Omnilex-Regeste

§ 231 Abs. 2 StPO, § 338 Nr. 5 StPO; continuation of the main hearing in the defendant’s absence requires proof that he has absent himself on his own initiative. Mere absence is insufficient. If the court proceeds without establishing self-willed absence, and the defendant is thereby absent from a substantial part of the evidence taking, a mandatory procedural defect under § 338 Nr. 5 StPO is incurred. The defect is not cured where the omitted taking of evidence is not repeated after the defendant’s return or when the hearing was in fact affected by proven incapacity to stand trial (cf. consid. 1-3).

Gesamter Gesetzestext

BGH — 5 StR 161/14, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2014-05-06

Aktenzeichen: 5 StR 161/14

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 231 Abs 2 StPO, § 338 Nr 5 StPO

Vorinstanz: vorgehend LG Hamburg, 15. November 2013, Az: 629 KLs 23/12

Spruchkörper: 5. Strafsenat

Titelzeile

Revisionsgrund der Abwesenheit des Angeklagten in der Hauptverhandlung: Prüfung der Eigenmächtigkeit der Abwesenheit bei Freistellung durch das Gericht

Tenor

Auf die Revision des Angeklagten wird das Urteil des Landgerichts Hamburg vom 15. November 2013 gemäß § 349 Abs. 4 StPO mit den zugehörigen Feststellungen aufgehoben, soweit es ihn betrifft.

Die Sache wird zu neuer Verhandlung und Entscheidung, auch über die Kosten des Rechtsmittels, an eine andere Strafkammer des Landgerichts zurückverwiesen.

Gründe

1 Das Landgericht hat den Angeklagten wegen versuchter (besonders) schwerer räuberischer Erpressung in Tateinheit mit räuberischer Erpressung, gefährlicher Körperverletzung und Freiheitsberaubung zu einer zweijährigen Freiheitsstrafe verurteilt. Die Revision hat mit der Verfahrensrüge Erfolg (§ 349 Abs. 4 StPO), wesentliche Teile der am 30. Juli 2013 begonnenen Hauptverhandlung seien zu Unrecht in Abwesenheit des Angeklagten durchgeführt worden (§ 230 Abs. 1, § 231 Abs. 2, § 338 Nr. 5 StPO).

2 Insofern hat der Generalbundesanwalt in seiner Antragsschrift vom 1. April 2014 dargelegt:

"Die Verfahrensrüge … dringt im Hinblick auf das Geschehen am 17. Oktober 2013 durch. Das Landgericht hat seine Entscheidung über die Verhandlung ohne den Angeklagten ersichtlich auf § 231 Abs. 2 StPO gestützt. Nach dieser Vorschrift hätte aber nur ohne den Angeklagten verhandelt werden dürfen, wenn er der Fortsetzung der Hauptverhandlung eigenmächtig ferngeblieben wäre. Eine solche Eigenmächtigkeit hat die Strafkammer nicht dargelegt … Vielmehr war der Angeklagte am 17. Oktober 2013, wie das Gericht am 18. Oktober 2013 durch das vorgelegte ärztliche Attest erfuhr, verhandlungsunfähig erkrankt. Der Angeklagte war auch bei einem wesentlichen Teil der Hauptverhandlung – der Vernehmung eines Zeugen (vgl. BGH StV 1984, 102) – abwesend."

3 Diesen zutreffenden Ausführungen schließt sich der Senat mit der Bemerkung an, dass die genannte Beweiserhebung im weiteren Verlauf der Hauptverhandlung auch nicht im Beisein des Angeklagten wiederholt worden ist. Der Verfahrensverstoß macht die Aufhebung des Urteils, soweit es den Beschwerdeführer betrifft, notwendig (§ 338 Nr. 5 StPO).

Sander Schneider Dölp

König Bellay

Schlagwörter

absence of defendantmain hearingmandatory procedural defectself-willed absencerevisionremandwitness examination

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the main hearing was improperly conducted in the defendant's absence under § 231(2) StPO without proof of self-willed absence.

Extrahierter Entscheid

The trial court did not establish the self-willed absence required for continuing the hearing without the defendant; he was in fact medically unable to appear.

Extrahierte Begründung

§ 231(2) StPO permits continuation only if the defendant has absented himself on his own initiative. The court relied on that provision without showing such autonomy. The record instead showed illness and later did not repeat a witness examination conducted in his absence, so the defect affected a substantial part of the hearing.

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