Supplementary distribution after insolvency dismissal for lack of assets

BGH IX ZB 122/12Bgh / Civil Chamber 916.01.2014Remanded

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The former insolvency administrator sought supplementary distribution after an insolvency proceeding had been terminated for lack of assets and the debtor had been deleted from the commercial register. The Hamburg courts rejected the request. The Bundesgerichtshof held that supplementary distribution is also admissible after termination under § 207 InsO, by analogous application of § 211 Abs. 3 InsO in conjunction with § 203 InsO. Deletion from the commercial register does not prevent such distribution if assets still exist. The Court set aside both lower-court decisions and remitted the matter to the insolvency court.

Omnilex-Regeste

§ 207 InsO, § 211 Abs. 3 InsO, analogical supplementary distribution after termination for lack of assets; deletion from the commercial register does not preclude further administration of remaining assets. Supplementary distribution is not confined to cases of later discovery of assets in ongoing proceedings, but is likewise available where insolvency proceedings were terminated under § 207 InsO for want of a mass covering costs, provided there remains realizable estate. The debtor’s deregistration is immaterial where assets still exist and the legal entity remains capable of post-liquidation administration. If the legal premise of the lower court is erroneous, the decision is to be set aside and the matter remitted for the necessary procedural steps (consid. 5-8).

Gesamter Gesetzestext

BGH — IX ZB 122/12, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2014-01-16

Aktenzeichen: IX ZB 122/12

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 203 Abs 1 Nr 1 InsO, § 203 Abs 1 Nr 2 InsO, § 203 Abs 1 Nr 3 InsO, § 207 InsO, § 211 Abs 3 InsO

Vorinstanz: vorgehend LG Hamburg, 29. November 2012, Az: 326 T 85/12, Beschlussvorgehend AG Hamburg, 20. Juni 2012, Az: 67c IN 129/03

Spruchkörper: 9. Zivilsenat

Titelzeile

Insolvenzverfahren: Anordnung der Nachtragsverteilung nach Verfahrenseinstellung wegen Masseunzulänglichkeit und Löschung des Insolvenzschuldners aus dem Handelsregister

Tenor

Auf die Rechtsmittel des vormaligen Insolvenzverwalters werden der Beschluss der Zivilkammer 26 des Landgerichts Hamburg vom 29. November 2012 und der Beschluss des Amtsgerichts Hamburg vom 20. Juni 2012 aufgehoben.

Die Sache wird zur erneuten Entscheidung - auch über die Kosten der Rechtsmittel - an das Insolvenzgericht zurückverwiesen.

Der Wert des Verfahrens der Rechtsbeschwerde wird auf 4.790,53 € festgesetzt.

Gründe

I.

1 Der weitere Beteiligte war Verwalter in dem Insolvenzverfahren über das Vermögen der Schuldnerin, das am 11. April 2008 gemäß § 207 InsO mangels einer die Kosten des Verfahrens deckenden Masse eingestellt wurde. Mit Schreiben vom 12. Dezember 2011 beantragte der vormalige Insolvenzverwalter die Anordnung der Nachtragsverteilung. Zur Begründung führte er aus, nach Festsetzung seiner Vergütung auf 35.594,90 € habe er nur einen Teilbetrag von 25.213,34 € der Masse entnehmen können. Das Finanzamt weigere sich, die in diesem Betrag enthaltene Umsatzsteuer von 4.790,53 € zugunsten der Masse zu erstatten. Dieses stehe auf dem Standpunkt, dass er nach der Einstellung des Insolvenzverfahrens und nach der Löschung der Schuldnerin im Handelsregister keine wirksamen Erklärungen mehr für die Schuldnerin abgeben könne.

2 Das Insolvenzgericht hat den Antrag auf Anordnung der Nachtragsverteilung abgelehnt. Die sofortige Beschwerde des weiteren Beteiligten hat keinen Erfolg gehabt. Mit der vom Beschwerdegericht zugelassenen Rechtsbeschwerde verfolgt er sein Begehren weiter.

II.

3 Die Rechtsbeschwerde ist nach § 574 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 ZPO statthaft und auch im Übrigen zulässig. Sie hat in der Sache Erfolg und führt zur Aufhebung der angefochtenen Entscheidungen und zur Zurückverweisung der Sache an das Insolvenzgericht.

4 1. Das Beschwerdegericht hat ausgeführt, eine Nachtragsverteilung sei in den Fällen einer Einstellung des Verfahrens mangels Masse gesetzlich nicht vorgesehen. Das Gesetz lasse in § 211 Abs. 3 Satz 1 InsO eine Nachtragsverteilung allein für die Fälle der Masseunzulänglichkeit zu. Eine entsprechende Anwendung dieser Norm in den Fällen der Einstellung mangels Masse komme nicht in Betracht.

5 2. Diese Ausführungen halten der rechtlichen Nachprüfung nicht stand. Wie der Senat inzwischen entschieden hat, ist die Anordnung einer Nachtragsverteilung auch im Anschluss an eine Einstellung des Insolvenzverfahrens mangels einer die Verfahrenskosten deckenden Masse zulässig (BGH, Beschluss vom 10. Oktober 2013 - IX ZB 40/13, WM 2013, 2180 Rn. 7 ff). Die Regelung des § 211 Abs. 3 InsO gilt nicht nur, wenn nachträglich Gegenstände der Masse ermittelt werden, sondern auch in den Fällen des § 203 Abs. 1 Nr. 1 und 2 InsO, und ist mit diesem Umfang entsprechend anzuwenden, wenn das Verfahren nach § 207 InsO eingestellt wurde.

6 Im Streitfall ist nach dem Antrag des vormaligen Insolvenzverwalters davon auszugehen, dass zugunsten der Masse ein durchsetzbarer Anspruch auf Vorsteuererstattung in Höhe von 4.790,53 € besteht. Hinsichtlich dieses Betrags kann auf Antrag des insoweit noch befugten vormaligen Verwalters trotz der Beendigung des Insolvenzverfahrens nach § 207 InsO die Nachtragsverteilung analog § 211 Abs. 3, § 203 Abs. 1 InsO angeordnet werden.

7 Die Löschung der Schuldnerin im Handelsregister nach Durchführung des Insolvenzverfahrens (vgl. § 394 Abs. 1 Satz 2 FamFG) steht der Anordnung der Nachtragsverteilung nicht entgegen. Sofern noch Vermögen vorhanden ist, ist eine Gesellschaft trotz ihrer Löschung nicht beendet und bleibt für eine Nachtragsliquidation parteifähig (BGH, Urteil vom 18. Januar 1994 - XI ZR 95/93, NJW-RR 1994, 542 mwN; Baumbach/Hueck/Haas, GmbHG, 20. Aufl., § 60 Rn. 7, 104; MünchKomm-GmbHG/Berner, § 60 Rn. 38 f; Beckmann/ Hofmann in Gehrlein/Ekkenga/Simon, GmbHG, vor §§ 60 ff Rn. 8-10, § 60 Rn. 2 und 34). Entsprechend kann eine Nachtragsverteilung nach § 203 InsO angeordnet werden.

8 3. Die angefochtene Entscheidung ist daher aufzuheben und die Sache zur erneuten Entscheidung zurückzuverweisen (§ 577 Abs. 4 Satz 1 ZPO). Dabei macht der Senat von der Möglichkeit Gebrauch, das Verfahren an das Insolvenzgericht zurückzugeben, damit dieses die für die Durchführung eines Nachtragsverteilungsverfahrens erforderlichen Anordnungen treffen kann.

Kayser Gehrlein Pape

Grupp Möhring

Schlagwörter

insolvencysupplementary distributionlack of assetscommercial register deletionVAT refundremand

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether supplementary distribution may be ordered after termination of insolvency proceedings under § 207 InsO for lack of assets.

Extrahierter Entscheid

Yes. Supplementary distribution is also permissible after termination of the insolvency proceedings for lack of assets, by analogous application of the statutory rules on supplementary distribution.

Extrahierte Begründung

The Court held that its recent case law allows supplementary distribution after termination under § 207 InsO. The scope of § 211 Abs. 3 InsO also covers cases under § 203 Abs. 1 Nos. 1 and 2 InsO and is applied analogously after termination for lack of assets.

Kernrechtsfrage

Whether deletion of the debtor from the commercial register prevents supplementary distribution.

Extrahierter Entscheid

No. Deletion from the register does not bar supplementary distribution if assets remain to be administered.

Extrahierte Begründung

A company that still has assets is not ended merely by deletion and remains capable of being party to a post-liquidation process; this reasoning applies equally to supplementary distribution.

Kernrechtsfrage

Whether the lower courts' refusal of the application for supplementary distribution must be set aside and the matter remitted.

Extrahierter Entscheid

Yes. The refusals were set aside and the case was remitted for a fresh decision.

Extrahierte Begründung

Because the legal view of the lower courts was incorrect, the orders had to be annulled and the insolvency court was to take the steps necessary for a supplementary distribution procedure.

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