Lawyer liability and causation when a second adviser intervenes

BGH IX ZR 46/12Bgh / Civil Chamber 919.12.2013Dismissed

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The Federal Court of Justice dismissed the defendant’s complaint against the refusal to admit revision in a lawyer-liability dispute. It held that the appellate court correctly denied an interruption of causation: where a second legally trained adviser becomes involved, attribution ends only in exceptional cases of manifestly untenable conduct. The later failure to address the VAT-exemption certification requirement did not sever the causal chain. The court also saw no violation of procedural constitutional rights and found no reason to grant leave to appeal.

Omnilex-Regeste

Art. 280 Abs. 1, Art. 675 BGB; interruption of causation by intervening third-party conduct in lawyer liability: attribution is broken only by a wholly extraordinary and professionally incomprehensible course of events. The mere involvement of a subsequent legally trained adviser capable of preventing the loss does not interrupt the causal link if, had due care been exercised, the damage could still have been averted (consid. 2). The protective purpose of the breached contractual duty may also support attribution where the omitted step lies within the risk the duty is designed to prevent. A non-admission complaint fails absent grounds under § 543 Abs. 2 ZPO.

Gesamter Gesetzestext

BGH — IX ZR 46/12, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2013-12-19

Aktenzeichen: IX ZR 46/12

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 280 Abs 1 BGB, § 675 BGB, § 4 Nr 21 Buchst a DBuchst bb UStG

Vorinstanz: vorgehend OLG Frankfurt, 12. Januar 2012, Az: 22 U 228/09, Urteilvorgehend LG Darmstadt, 13. Oktober 2009, Az: 13 O 342/08

Spruchkörper: 9. Zivilsenat

Titelzeile

Steuerberaterhaftung: Zurechnungszusammenhang bei Pflichtverletzung sowohl des zuerst beauftragten als auch des nachfolgend tätigen Steuerberaters

Tenor

Die Beschwerde gegen die Nichtzulassung der Revision in dem Urteil des 22. Zivilsenats in Darmstadt des Oberlandesgerichts Frankfurt am Main vom 12. Januar 2012 wird auf Kosten des Beklagten zurückgewiesen.

Der Gegenstandswert der Beschwerde wird auf 41.302,81 € festgesetzt.

Gründe

1 Die Nichtzulassungsbeschwerde ist statthaft (§ 544 Abs. 1 Satz 1 ZPO) und zulässig (§ 544 Abs. 1 Satz 2 Abs. 2 ZPO). Sie hat jedoch keinen Erfolg. Die Rechtssache hat weder grundsätzliche Bedeutung, noch erfordert die Fortbildung des Rechts oder die Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung eine Entscheidung des Revisionsgerichts (§ 543 Abs. 2 Satz 1 ZPO).

2 Der Zurechnungszusammenhang zwischen der Pflichtverletzung und dem Schadenseintritt wird bei einem Verhalten Dritter nur dann unterbrochen, wenn eine gänzlich ungewöhnliche Beeinflussung des Geschehensablaufs vorliegt. Daher scheidet grundsätzlich eine Unterbrechung aus, wenn nach dem pflichtwidrig handelnden Rechtsberater eine andere rechtskundige Person mit der Angelegenheit befasst worden ist und noch in der Lage gewesen wäre, den Schadenseintritt zu verhindern, wenn sie die ihr obliegende Sorgfalt beachtet hätte. Nur dann, wenn der zweite Berater eine Entschließung trifft oder einen Hinweis erteilt, die schlechterdings unverständlich sind, also gemessen an sachgerechter Berufsausübung sachfremd und nicht nachvollziehbar erscheinen, hat der erste Rechtsberater dafür nicht einzustehen (vgl. BGH, Urteil vom 10. Mai 1990 - IX ZR 113/89, NJW 1990, 2882, 2884; vom 14. Juli 1994 - IX ZR 204/93, WM 1994, 2162, 2163; vom 13. März 2003 - IX ZR 181/99, NJW-RR 2003, 850, 853 f; Beschluss vom 26. Januar 2012 - IX ZR 54/09, Rn. 3, nv; G. Fischer in Zugehör/G. Fischer/Vill/D. Fischer/Rinkler/Chab, Handbuch der Anwaltshaftung, 3. Aufl., Rn. 1138). Von diesen Grundsätzen ist das Berufungsgericht ausgegangen. Es konnte annehmen, dass eine Unterbrechung des Zurechnungszusammenhangs im Hinblick auf die erneute Nichtbeachtung des Erfordernisses einer Bescheinigung zur Umsatzsteuerbefreiung nach § 4 Nr. 21 a bb UStG vorliegend ausschied. Dies gilt auch unter dem Gesichtspunkt des Schutzzwecks der verletzten vertraglichen Pflicht. Auch insoweit ist ein innerer Zusammenhang zwischen dem Verhalten des Erstberaters und dem eingetretenen Schaden anzunehmen (vgl. Zugehör/G. Fischer, aaO Rn. 1153).

3 Die geltend gemachte Verletzung von Verfahrensgrundrechten (Art. 103 Abs. 1 GG) hat der Senat geprüft, aber nicht für durchgreifend erachtet.

4 Von einer weiteren Begründung wird gemäß § 544 Abs. 4 Satz 2 Halbs. 2 ZPO abgesehen, weil sie nicht geeignet wäre, zur Klärung der Voraussetzungen beizutragen, unter denen eine Revision zuzulassen ist.

Kayser Lohmann Fischer

Pape Möhring

Schlagwörter

lawyer liabilitycausationintervening causetax adviserVAT exemptionnon-admission complaintcosts

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether leave to appeal should be granted in the non-admission complaint

Extrahierter Entscheid

No grounds for leave to appeal existed; the complaint was unsuccessful.

Extrahierte Begründung

The case raised no fundamental question and did not require development of the law or securing uniform case law. The appellate court applied established causation principles correctly.

Kernrechtsfrage

Whether the causal link between the first adviser’s breach and the damage was interrupted by the later involvement of another tax-law expert

Extrahierter Entscheid

The causal link was not interrupted.

Extrahierte Begründung

Interruption by third-party conduct occurs only in exceptional cases of a wholly extraordinary course of events. A later adviser who could still have prevented the loss with due care does not break attribution unless the later decision or advice is plainly incomprehensible and professionally untenable.

Kernrechtsfrage

Whether the defendant could rely on a breach of the protective purpose of the contractual duty to avoid liability

Extrahierter Entscheid

No; the inner connection between the first adviser’s conduct and the loss remained intact.

Extrahierte Begründung

The failure to observe the requirement of certification for VAT exemption fell within the protective scope of the breached duty, so the damage remained attributable to the first adviser.

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