Drug courier as accomplice, not co-perpetrator

BGH 5 StR 135/13Bgh / Criminal Chamber 524.04.2013Partially Granted

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The Federal Court held that the defendants, who acted merely as drug 'runners' by transporting cocaine, handing it over, and collecting payment, were not co-perpetrators of the dealer's trafficking. Their contribution was subordinate and amounted only to aiding and abetting; the judgments were therefore amended to possession in concurrence with aiding and abetting. The entire sentencing part was set aside because the legal qualification changed. The case was remitted to the Berlin-Tiergarten court for a new sentencing decision, while the further revisions were dismissed.

Omnilex-Regeste

§ 25 Abs. 2 StGB; § 27 StGB; unlawful trafficking in narcotics; distinction between co-perpetration and aiding and abetting by a courier ('runner'): For the attribution of a participant's contribution in narcotics transactions, the overall transaction must be assessed. Co-perpetration requires a materially significant, jointly controlling contribution to the transaction; a merely subordinate logistical role limited to transport, handover and receipt of payment, without independent shaping power, generally constitutes only aiding and abetting. A reward consisting of narcotics for personal consumption does not by itself establish co-perpetration or commercial conduct (consid. 5-8).

Gesamter Gesetzestext

BGH — 5 StR 135/13, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2013-04-24

Aktenzeichen: 5 StR 135/13

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 29a Abs 1 Nr 2 BtMG, § 25 Abs 2 StGB, § 27 StGB

Vorinstanz: vorgehend LG Berlin, 20. Dezember 2012, Az: (512) 273 Js 4591/11 KLs (8/12)

Spruchkörper: 5. Strafsenat

Titelzeile

Unerlaubtes Handeltreiben mit Betäubungsmitteln: Abgrenzung von Mittäterschaft und Beihilfe bei Tätigkeit als sog. Läufer

Tenor

  1. Auf die Revisionen der Angeklagten wird das Urteil des Landgerichts Berlin vom 20. Dezember 2012 nach § 349 Abs. 4 StPO

a) im Schuldspruch dahin geändert, dass der Angeklagte M. des unerlaubten Besitzes von Betäubungsmitteln in sechs Fällen, jeweils in Tateinheit mit Beihilfe zum unerlaubten Handeltreiben mit Betäubungsmitteln, der Angeklagte C. des unerlaubten Besitzes von Betäubungsmitteln in zehn Fällen, jeweils in Tateinheit mit Beihilfe zum unerlaubten Handeltreiben mit Betäubungsmitteln schuldig ist,

b) jeweils im gesamten Strafausspruch aufgehoben.

  1. Die weitergehenden Revisionen werden nach § 349 Abs. 2 StPO verworfen.

  2. Im Umfang der Aufhebung wird die Sache zu neuer Verhandlung und Entscheidung, auch über die Kosten der Rechtsmittel, an das Amtsgericht Tiergarten in Berlin – Strafrichter – zurückverwiesen.

Gründe

1 Das Landgericht hat die Angeklagten wegen gemeinschaftlichen unerlaubten Handeltreibens mit Betäubungsmitteln, den Angeklagten M. in sechs Fällen, den Angeklagten C. in zehn Fällen zu Gesamtfreiheitsstrafen von einem Jahr und einem Monat (M. ) und einem Jahr und drei Monaten (C. ) verurteilt und die Vollstreckung der Freiheitsstrafen zur Bewährung ausgesetzt. Ihre hiergegen gerichteten Revisionen erzielen den aus der Beschlussformel ersichtlichen Erfolg. Im Übrigen sind sie unbegründet (§ 349 Abs. 2 StPO).

2 1. Nach den Feststellungen des Landgerichts trafen sich die Angeklagten regelmäßig in M. s Wohnung, um dort gemeinsam mit Freunden und Bekannten Cannabis zu konsumieren und Videospiele zu spielen. Zu der Runde gehörte auch der gesondert verurteilte Zeuge N. , der mit Kokaingemischen handelte. Diese erwarb er regelmäßig aus einer den Angeklagten unbekannten Quelle, um sie sodann zu strecken, zu Konsumeinheiten (ca. 0,5 g) zu portionieren und schließlich gewinnbringend an Endabnehmer zu einem Verkaufspreis von 50 € pro Konsumeinheit weiter zu veräußern.

3 Seine Kunden richteten ihre Bestellungen jeweils telefonisch an ihn; oft nahm er sie in der Wohnung des Angeklagten M. entgegen, „während 'Joints' kreisten oder eine Wasserpfeife zum Cannabisrauchen genutzt wurde“ (UA S. 8). Die bestellten Kokainmengen lieferte N. entweder selbst aus oder überließ dies einem der anwesenden Bekannten. Diesem „Läufer“ händigte er die für das jeweilige Geschäft benötigte Anzahl an vorbereiteten Kokainportionen aus und sagte ihm, wo er den Kunden treffen werde. Der Betreffende hatte dann die Aufgabe, unter Mitnahme des Rauschgifts den Übergabeort aufzusuchen, den Käufer ausfindig zu machen, die bestellte Ware zu übergeben, den Kaufpreis entgegenzunehmen und bei nächster Gelegenheit mit N. abzurechnen. In sechs Fällen wurde der Angeklagte M. , in zehn Fällen der Angeklagte C. in der beschriebenen Weise als „Läufer“ für N. tätig. Für ihre Tatbeiträge wurden sie jeweils mit etwa 0,5 g Marihuana zum Eigenverbrauch von N. entlohnt.

4 2. Diese Feststellungen tragen nicht die Annahme einer Mittäterschaft der Angeklagten hinsichtlich des Handeltreibens durch N. .

5 Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs zum Handeltreiben mit Betäubungsmitteln muss für eine zutreffende Einordnung des Tatbeitrages eines Kuriers auf das Umsatzgeschäft insgesamt abgestellt werden. Maßgeblich ist für die Abgrenzung zwischen Täterschaft und Beihilfe dabei, welche Bedeutung der konkreten Beteiligungshandlung im Rahmen des Gesamtgeschäftes zukommt (vgl. BGH, Urteile vom 28. Februar 2007 – 2 StR 516/06, BGHSt 51, 219, und vom 7. Februar 2008 – 5 StR 242/07, NJW 2008, 1460; Beschluss vom 30. Oktober 2008 – 5 StR 345/08, BGHR BtMG § 29 Beihilfe 6).

6 Nach diesen Kriterien der Rechtsprechung liegt lediglich eine Beihilfehandlung vor. Die Angeklagten wurden in untergeordneter Stellung tätig; ihre Tätigkeit beschränkte sich ausschließlich auf Transport und Übergabe des Rauschgiftes und Entgegennahme des Geldes. Eine darüber hinausgehende Gestaltungsmöglichkeit kam ihnen nicht zu. Ihr Interesse am Taterfolg beschränkte sich auf den Erhalt einer Belohnung in Form einer Konsumeinheit Marihuana zum Eigenkonsum. Hierzu steht jeweils der Besitz in Tateinheit.

7 3. Auf der Grundlage der rechtsfehlerfrei getroffenen Feststellungen stellt der Senat den Schuldspruch gegen die geständigen Angeklagten um. Da die Strafgewalt des Strafrichters (§ 25 Nr. 2 GVG) ausreicht, verweist er die Sache zu neuer Verhandlung und Entscheidung an diesen zurück.

8 Für die Strafzumessung durch das neue Tatgericht weist der Senat darauf hin, dass ein – vom angefochtenen Urteil bejahtes – gewerbsmäßiges Handeln der Angeklagten ersichtlich nicht vorliegt. Zwar kann für die Annahme von Gewerbsmäßigkeit auch das Erstreben geldwerter Vermögensvorteile (z. B. Drogen) ausreichen (vgl. Körner/Patzak/Volkmer, BtMG, 7. Aufl., § 29, Teil 26, Rn. 15 mwN). Jedoch muss die fortlaufende Einnahmequelle, die sich der Täter verschaffen will, von einigem Umfang sein (BGH, Beschluss vom 25. November 1992 – 2 StR 563/92, BGHR BtMG § 29 Abs. 3 Nr. 1 gewerbsmäßig 5 mwN). Diese Voraussetzung ist im vorliegenden Fall nicht erfüllt.

Basdorf Raum Sander

Schneider Bellay

Schlagwörter

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Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the defendants' role as 'runners' made them co-perpetrators of drug trafficking under § 25(2) StGB.

Extrahierter Entscheid

No. Their contribution was limited to transport, handover, and collection of money; they had no significant control over the transaction and acted only in a subordinate role, so the conduct amounted to aiding and abetting.

Extrahierte Begründung

For drug trafficking, the decisive factor is the importance of the participant's contribution to the overall transaction. Here, the defendants only executed isolated logistical tasks and had no independent shaping power; their interest was limited to a small reward for personal consumption.

Kernrechtsfrage

Whether the convictions must be altered to possession in concurrence with aiding and abetting drug trafficking.

Extrahierter Entscheid

Yes. The convictions were modified to unlawful possession of narcotics in six or ten cases, each in concurrence with aiding and abetting unlawful trafficking in narcotics.

Extrahierte Begründung

The factual findings supported only accessory participation, while the defendants simultaneously possessed the drugs they transported and handed over.

Kernrechtsfrage

Whether the sentence portion of the lower judgment could stand.

Extrahierter Entscheid

No. The entire sentence portion was set aside and the case remitted for a new sentencing decision.

Extrahierte Begründung

Because the legal characterization of the participation changed, the sentence could not remain in force.

Kernrechtsfrage

Whether the remaining revisions had any further success.

Extrahierter Entscheid

No. In all other respects the revisions were dismissed.

Extrahierte Begründung

No other legal errors warranted relief.

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