No duty to treat change from attempt to completed rape as suspension ground

BGH 2 StR 517/12Bgh / II. Strafkammer27.02.2013Dismissed

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The Federal Court dismissed the defendant's revision against the Aachen Regional Court judgment. It held that the trial court correctly refused a suspension request based expressly on Section 265(4) StPO and did not have to treat it as a request under Sections 265(2) or 265(3) StPO. The shift from attempted to completed aggravated rape did not involve a heavier penal statute or an increase in punishability, because both variants carried the same abstract penalty; only the optional mitigation under Sections 23(2) and 49(1) StGB fell away. The defendant was ordered to bear the costs of the remedy and the private complainant's necessary expenses.

Omnilex-Regeste

§ 265 Abs. 2, 3 und 4 StPO; Übergang von versuchter zu vollendeter Tat und Aussetzung der Hauptverhandlung: Die Ablehnung eines ausdrücklich auf § 265 Abs. 4 StPO gestützten Aussetzungsantrags ist rechtsfehlerfrei, wenn der Hinweis auf die vollendete Tat weder den Anwendungsbereich des § 265 Abs. 3 StPO noch den des § 265 Abs. 2 StPO eröffnet. Die bloße Entfaltung einer bis dahin möglichen fakultativen Strafmilderung nach §§ 23 Abs. 2, 49 Abs. 1 StGB begründet weder die Anwendung eines schwereren Strafgesetzes noch eine Erhöhung der Strafbarkeit. Der Wegfall einer nur optionalen Milderung ist kein Umstand, auf den ein Aussetzungsantrag nach § 265 Abs. 2 oder 3 StPO gestützt werden kann (vgl. BGH NJW 1988, 501; consid. ergänzend).

Gesamter Gesetzestext

BGH — 2 StR 517/12, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2013-02-27

Aktenzeichen: 2 StR 517/12

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 265 Abs 2 StPO, § 265 Abs 3 StPO, § 265 Abs 4 StPO, § 23 Abs 2 StGB, § 49 Abs 1 StGB, § 177 StGB

Vorinstanz: vorgehend LG Aachen, 19. Juli 2012, Az: 65 KLs 11/11

Spruchkörper: 2. Strafsenat

Titelzeile

Strafverfahren: Antrag auf Aussetzung der Hauptverhandlung bei Übergang von versuchter zur vollendeter Vergewaltigung

Tenor

Die Revision des Angeklagten gegen das Urteil des Landgerichts Aachen vom 19. Juli 2012 wird als unbegründet verworfen, da die Nachprüfung des Urteils auf Grund der Revisionsrechtfertigung keinen Rechtsfehler zum Nachteil des Angeklagten ergeben hat.

Der Beschwerdeführer hat die Kosten des Rechtsmittels und die der Nebenklägerin im Revisionsverfahren entstandenen notwendigen Auslagen zu tragen.

Ergänzend bemerkt der Senat:

Den ausdrücklich auf § 265 Abs. 4 StPO gestützten Aussetzungsantrag des Angeklagten hat das Landgericht rechtsfehlerfrei abgelehnt. Entgegen dem Revisionsvorbringen war die Strafkammer nicht gehalten, diesen Antrag auch als einen solchen nach § 265 Abs. 3 StPO zu behandeln und zu bescheiden, da insoweit schon die Voraussetzungen nicht vorlagen:

Mit der zugelassenen Anklage wurde dem Angeklagten u.a. eine versuchte schwere Vergewaltigung zur Last gelegt; in der Hauptverhandlung erging nach einer erweiterten Aussage der Geschädigten der rechtliche Hinweis, dass auch eine Verurteilung wegen vollendeter schwerer Vergewaltigung in Betracht komme. Damit lagen zwar neu hervorgetretene Umstände vor; diese führten jedoch weder zur Anwendung eines schwereren Strafgesetzes (§ 265 Abs. 3 StPO) noch zu einer Erhöhung der Strafbarkeit (§ 265 Abs. 3 i.V.m. Abs. 2 StPO). Für die angeklagte versuchte schwere Vergewaltigung gilt dieselbe abstrakte Strafandrohung wie für das vollendete Delikt, lediglich mit der fakultativen Strafmilderung der §§ 23 Abs. 2, 49 Abs. 1 StGB. Auf den - mit dem Übergang vom versuchten zum vollendeten Delikt einhergehenden - Wegfall dieser fakultativen Milderungsmöglichkeit kann ein Aussetzungsantrag nach § 265 Abs. 2 und 3 StPO nicht gestützt werden (vgl. BGH NJW 1988, 501 zum Entfall einer möglichen Milderung nach §§ 21, 49 Abs. 1 StGB).

Becker Fischer Appl

Berger Ott

Schlagwörter

revisionsuspension of triallegal warningattemptcompleted offenserapecriminal proceduresentencing mitigation

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the trial court had to treat the defendant's suspension request under Section 265(4) StPO as a request under Sections 265(2) and 265(3) StPO after the legal warning to completed aggravated rape.

Extrahierter Entscheid

No. The request could be rejected under Section 265(4) StPO, and the court was not required to recharacterize it under Sections 265(2) or 265(3) StPO because their prerequisites were not met.

Extrahierte Begründung

Although new circumstances emerged through the expanded testimony and warning, they did not amount to a heavier penal statute or an increase in punishability. Attempted and completed aggravated rape carried the same abstract statutory penalty; the only difference was the optional mitigation under Sections 23(2) and 49(1) StGB. The loss of that discretionary mitigation does not trigger Sections 265(2) or 265(3) StPO.

Kernrechtsfrage

Whether the revision against the Aachen judgment should succeed on the merits.

Extrahierter Entscheid

No reversible legal error to the defendant's detriment was found.

Extrahierte Begründung

The Federal Court found the review of the judgment on the basis of the revision grounds disclosed no legal error.

Setzen Sie Ihre Recherche in ChatGPT oder Claude fort

Verbinden Sie Omnilex, um den Rechtskorpus über Ihren KI-Assistenten zu durchsuchen.