Requirements for adopting a development freeze

BVerwG 4 BN 7/13Bverwg / 4. Abteilung22.01.2013Dismissed

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The Federal Administrative Court rejected the respondent’s complaint against denial of leave to appeal. It held that the challenged judgment did not raise a question of fundamental importance: settled case law already requires a development freeze to be based on sufficiently concrete positive planning ideas, and a purely preventive negative planning approach is insufficient. The court also found no divergent legal proposition and no substantiated procedural defect under Section 108(1) sentence 1 VwGO. The complainant was ordered to bear the costs.

Omnilex-Regeste

§ 132 Abs. 2 Nr. 1 und 2 VwGO; § 108 Abs. 1 Satz 1 VwGO; § 14 BauGB: A development freeze may be adopted only if the securing planning already discloses a minimum of concrete positive planning conceptions for the expected land-use plan; a mere exclusionary or preventive negative planning does not suffice. Questions framed in overly abstract or indeterminate terms do not justify leave to appeal for fundamental importance. Divergence requires an abstract, decisive legal proposition actually stated by the lower court and a contrary proposition of the Federal Administrative Court. A procedural defect based on inconsistency between reasons and findings must be specifically substantiated.

Gesamter Gesetzestext

BVerwG — 4 BN 7/13, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2013-01-22

Aktenzeichen: 4 BN 7/13

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 14 BauGB

Vorinstanz: vorgehend Bayerischer Verwaltungsgerichtshof, 9. Oktober 2012, Az: 15 N 11.1857, Urteil

Spruchkörper: 4. Senat

Titelzeile

Anforderungen an den Erlass einer Veränderungssperre

Tenor

Die Beschwerde des Antragsgegners gegen die Nichtzulassung der Revision in dem Urteil des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs vom 9. Oktober 2012 wird zurückgewiesen.

Der Antragsgegner trägt die Kosten des Beschwerdeverfahrens.

Der Wert des Streitgegenstandes wird für das Beschwerdeverfahren auf 15 000 € festgesetzt.

Gründe

1 Die auf sämtliche Zulassungsgründe des § 132 Abs. 2 VwGO gestützte Beschwerde hat keinen Erfolg.

2 1. Die Revision ist nicht nach § 132 Abs. 2 Nr. 1 VwGO zuzulassen. Die Rechtssache hat nicht die grundsätzliche Bedeutung, die ihr der Antragsgegner beimisst.

3 a) Die in alternativen Formulierungen gestellte Frage zum Verhältnis der Veränderungssperre zu der zu sichernden Planung lässt sich, soweit sie vorliegend entscheidungserheblich ist, beantworten, ohne dass es der Durchführung eines Revisionsverfahrens bedarf. In der Rechtsprechung des Senats ist geklärt, dass eine Veränderungssperre erst erlassen werden darf, wenn die Planung, die sie sichern soll, ein Mindestmaß dessen erkennen lässt, was Inhalt des zu erwartenden Bebauungsplans sein soll (Urteil vom 10. September 1976 - BVerwG 4 C 39.74 - BVerwGE 51, 121 <128>; Beschluss vom 27. Juli 1990 - BVerwG 4 B 156.89 - ZfBR 1990, 302; Beschluss vom 25. November 2003 - BVerwG 4 BN 60.03 - NVwZ 2004, 477 <479>). Wesentlich ist dabei, dass die Gemeinde bereits positive Vorstellungen über den Inhalt des Bebauungsplans entwickelt hat. Eine Negativplanung, die sich darin erschöpft, einzelne Vorhaben auszuschließen, reicht nicht aus (Urteile vom 19. Februar 2004 - BVerwG 4 CN 16.03 - BVerwGE 120, 138 <146> und vom 30. August 2012 - BVerwG 4 C 1.11 – ZfBR 2013, 42). Sind positive Planungsvorstellungen nur vorgeschoben und ist in Wahrheit eine Verhinderungsplanung gewollt - wie dies nach den bindenden Feststellungen des Verwaltungsgerichtshofs (§ 137 Abs. 2 VwGO) für den Bereich westlich der L. Straße der Fall ist (UA Rn. 23) -, so handelt es sich um eine Negativplanung, die den Erlass einer Veränderungssperre nicht rechtfertigt. Das bedarf keiner Bekräftigung in einem Revisionsverfahren.

4 b) Die Frage, wie der Abwägungsbelang des § 1 Abs. 6 Nr. 2 BauGB "Schaffung und Erhaltung sozial stabiler Bewohnerstrukturen" auszulegen ist, führt nicht zur Zulassung der Grundsatzrevision, weil sie so unbestimmt ist, dass sie für eine Vielzahl gedachter Fallgestaltungen einer Antwort zugänglich ist und vom Senat deshalb nur in der Art eines Lehrbuchs beantwortet werden könnte. Das ist nicht Aufgabe eines Revisionsverfahrens.

5 2. Die Revision ist auch nicht nach § 132 Abs. 2 Nr. 2 VwGO zuzulassen. Der Verwaltungsgerichtshof hat keinen entscheidungstragenden Rechtssatz aufgestellt, der einem ebensolchen Rechtssatz des Bundesverwaltungsgerichts widerspricht. Einen Rechtssatz des Inhalts, dass eine zur Unwirksamkeit der Veränderungssperre führende Verhinderungsplanung nicht vorliegt, wenn eine bestimmte Nutzung ausgeschlossen wird, das vorhandene und genutzte Gebäude aber einer weiteren Nutzung zugänglich ist und bleiben soll, hat der Senat im Urteil vom 30. August 2012 - BVerwG 4 C 1.11 - (a.a.O.) nicht formuliert.

6 Auf der anderen Seite hat auch der Verwaltungsgerichtshof (UA Rn. 23) keinen Rechtssatz des Inhalts formuliert, dass eine zur Unwirksamkeit der Veränderungssperre führende Verhinderungsplanung vorliegen kann, wenn eine bestimmte Nutzung ausgeschlossen wird, auch wenn das vorhandene und genutzte Gebäude einer weiteren Nutzung zugänglich ist und bleiben soll.

7 3. Die Revision ist schließlich nicht nach § 132 Abs. 2 Nr. 3 VwGO wegen eines Verstoßes gegen § 108 Abs. 1 Satz 1 VwGO zuzulassen. Der Antragsgegner beruft sich darauf, dass ein Verfahrensfehler vorliegt, wenn ein Gericht die rechtliche Würdigung aufgrund von Tatsachen vorgenommen hat, die im Widerspruch zu Feststellungen im Tatbestand des angefochtenen Urteils stehen (so Beschluss vom 26. Mai 1999 - BVerwG 8 B 193.98 - Buchholz 310 § 108 Abs. 1 VwGO Nr. 4), zeigt aber nicht auf, dass das angefochtene Urteil an einem solchen Widerspruch leidet.

8 Die Kostenentscheidung beruht auf § 154 Abs. 2 VwGO und die Streitwertfestsetzung auf § 47 Abs. 1 und 3, § 52 Abs. 1 GKG.

Schlagwörter

development freezenegative planningleave to appealfundamental importancedivergenceprocedural defectplanning law

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the appeal should be admitted for fundamental importance regarding the relationship between a development freeze and the planning it is meant to secure.

Extrahierter Entscheid

No leave to appeal was warranted because settled case law already clarifies that a development freeze requires planning ideas with a minimum concrete content; a mere negative planning intention is insufficient.

Extrahierte Begründung

The court relied on its established jurisprudence: the municipality must already have positive conceptions of the future zoning plan. Where such conceptions are only pretended and the real purpose is to prevent a project, the freeze is based on impermissible negative planning.

Kernrechtsfrage

Whether the meaning of the planning consideration concerning the creation and preservation of socially stable resident structures raises a question of fundamental importance.

Extrahierter Entscheid

No. The question was too indeterminate and broad to justify a test-case review.

Extrahierte Begründung

A revision on grounds of fundamental importance requires a concrete, legally answerable question; the formulation would otherwise call for a general doctrinal exposition beyond the function of revision proceedings.

Kernrechtsfrage

Whether leave to appeal should be granted due to an alleged divergence from Federal Administrative Court case law on negative planning.

Extrahierter Entscheid

No divergent legal proposition was shown.

Extrahierte Begründung

Neither the lower court nor the Federal Administrative Court precedent formulated the conflicting abstract legal rule asserted by the complainant.

Kernrechtsfrage

Whether leave to appeal should be granted for an alleged procedural defect under Section 108(1) sentence 1 VwGO.

Extrahierter Entscheid

No. The complainant failed to demonstrate a contradiction between the court’s legal assessment and the factual findings in the judgment record.

Extrahierte Begründung

A procedural error of this kind requires a specific inconsistency between the reasons and the established facts; such inconsistency was not substantiated.

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